Die Truthahn-Probe.
Verfasst von morath am Januar 18, 2008
Auf dem Weg in den Einkaufsmarkt heftete sich eine blonde Schönheit, die ein Kinderwägelchen vor sich herschob, beinah an meine Fersen.
Die Dame sah aus wie Frau von Luderich, meiner steiermärkischen Schwester beste Freundin und Beraterin, nur weniger vom Spumante aufgedunsen und ein paar Jahre jünger, vielleicht.
Ich nahm diese Dame schon mehrmals wahr, einmal hat sie sich, als ich gerade das Brieffach entleerte, vor mir in den Aufzug gestürzt und entflog – um Rock und Gestrümpf zu entlüften, denn es stank, als ich danach den Lift betrat, nach dem eben ausgeblasenen Gas einer heftigen Reaktion von x mol Tresznjewskys pikantem Curry-Ei mit einem entsprechenden Volumen Schaumwein.
Es war mir damals schwergefallen, gleichzeitig die Luft anzuhalten und loszulachen, weil ich mir vorstellen mußte, wie dieser Akt menschlicher Erleichterung wohl ausgesehen hat.
Diese Dame rollte das Kinderwägelchen hinter mir in den Discountermarkt und wartete, während ich noch hinten vor den Fächern mit unterschiedlichen Semmeln stand und mich am Kopfe kratzte, bereits vorne an der Kasse, um mir dort einen kühnen und triumphierenden Blick von wagnerianischem Pathos zuzuwerfen, den ich von der Ahnung her mit der jüngsten Zerstörung meines Personalcomputers in Zusammenhang setzte, der meine Kommunikation mit der Außenwelt beinahe völlig zum Erliegen gebracht hätte.
Dieser Blick sah aus, als wollte sie sich zum großen Bild der Märe von der Überlegenheit der dem Lebensborn entschlüpften Kinder und Kindeskinder eine frisch polierte Krone aus massivem Gold aufsetzen.
Wer immer die kleine schattige Wohnung mittels Nachsperre in unserer Abwesenheit betritt, hat bei der Zerstörung der guten Blechmaschine, die ich hegte und pflegte fast wie die Pflanzen in Töpfen und unser liebes Katzenvolk, wieder einmal gute Arbeit geleistet, denn es ist nicht bloß die Festplatte kaputt, die unbekannten Täter hatten acht gegeben, mit pfiffigem Knowhow jede einzelne Komponente zu korrumpieren, so daß nichts, überhaupt gar nichts mehr funktionierte.
Ich beziffere den Schaden mit € 700,- an Ersatz ist vorerst nicht zu denken.
Ich phantasierte weiter, als die wunderschöne Dame, das güldene Haar von nordischer Aurora umspült, eleganten Trittes ihr Wägelein ins Dunkel des Abends hinausgerollt hatte, daß sich in diesem wohl kein Kind, sondern nur ein gerupfter Truthahn befunden haben könnte, weil eine Psychologin aus Leidenschaft und deutschtumem Blut ein Experiment mit mir wagte – mit Zutaten aus meiner Kleinkunst extrahiert – da ich schon wieder vom Kindlein, welches aus dem Fenster fliegt, geschrieben hatte – noch dazu auf Angelsachsisch.
Die Fima Österreichischer Inkasso Service fiel mir ein, deren fordernde Briefe ich inzwischen vor dem Postamt in die Müllablage werfe, zu den Bananenschalen, Dönerresten und vollgerotzten Papiertaschentüchern.
Weiters ein Herr mit verwegenem Blick wie Haider Jörg in der Abendrüstung, und Beinen so athletisch wie jene des Koloss von Rhodos, der mir gelegentlich begegnet und heftig Luft in seine Muskeln bläst, wenn ich an ihm passiere, und der abends zuvor in der Metro meinen Poposch berührte, sodaß ich schon überlegt hatte, ihm ins Gesicht zu schlagen und in den Eiersack, dies jedoch im Gedanken an sonstigen Begleitschutz und den Hintersinn der Provokation unterließ.
Vielleicht will sich die Firma ÖIS am Beispiel der Beugung meiner Geringfügigkeit einen Namen verdienen, obwohl ich eher glaube, sie wird in der Bedeutungslosigkeit versinken, weil es sich bei solchem Treiben um Kriminelles handelt und den Versuch der Schutzgelderpressung.
Die Menschen, auch wenn sie ängstlich sind in diesen Zeiten – lassen sich doch nicht von allen in die Beinkleider greifen, die dahergehüpft kommen und mit sämtlichen Mündern quakend forsch behaupten, sie hätten Geld zu bekommen.
Man wird sehen, wie sich die Sache entwickelt, Herr Minister.
Die Gefalteten Hände. « CatCam sagte
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