CatCam

Ein vorbildlicher Abgeordneter.

Von einem Kanzler in den Schatten gerollt.

Vor fünf Jahren hatte ich eines von einigen Vorstellungsgesprächen im äußersten Süden der Stadt.

Weil die Sonne fröhlich schien und es richtig nach Frühling roch, kam mir danach in den Sinn, es wäre wunderbar, die nahen Weinberge, in hauchzartes Grün gewoben, zu erblicken – und beschloss zu beschwingter Musik eine Schleife zu fahren, Brunn-Mödling-Gumpoldskirchen und zurück.

Im traditionellen Weinbauort am Fuße des Anninger stellte ich den Wagen ein, um mit meinem digitalen Fotoapparat im lauen Wind ein wenig flanieren zu gehen.

Dort fiel mir der Heurige „Zur Schwarzen Katz’“ auf, welcher schon etliche Jahren verwaist zu sein schien, der jedoch kostbare Weine in seinen Gewölben bergen soll und einem Wirtschaftsexperten vom Österreichischen Rundfunk gehöre, wie mir erzählt wurde.

Geöffnet war die Dorfschenke „Zum Schwarzen Adler“ – und weil gerade gereinigt worden war und gut gelüftet wurde und ein paar frühen launigen Gästen Gläser mit goldenem Wein gereicht, sah ich neugierig zur Tür hinein und wurde sogleich herangewunken.

Einem Gläschen Zierfandler nicht abgeneigt, fand ich mich zur Teilnahme am kleinen Gespräch mit ein paar Menschen vor der Schank, die ebenfalls dem frohen Wind zur Frühjahrseinkehr gefolgt waren, freundlich eingeladen.

Man sprach ein paar Worte, wer man gerade war, und lobte hoch das Ende des Winters, die Beschaulichkeit des Ortes und die allererste Güte des Weins.

Der Bürgermeister von Gumpoldskirchen erschien mir sympathisch – und sein Kollege, Maire von Pfaffstätten und Abgeordneter zum Nationalrat, wie seine Visitenkarte verriet, war ihm nicht nachzustehen bemüht – jedoch war seine Zunge bereits schwer und den Gang ums Eck bewältigte er auf sichtlich unsicheren Beinen.

Als er danach anhub, vielleicht zu einem weiteren Glase noch laden zu dürfen, nahm ich besser nicht an, sondern zahlte und empfahl mich leichten Fußes, um diesen schönen Frühlingstag nicht der Gefahr auszusetzen, mit einem häßlichen Erlebnis zu enden.

Ich habe viel nachgedacht, warum ich in der Folge vermehrtem Terror ausgesetzt war und wurde erst im Lauf der Zeit des Hintergrunds gewahr – es könnte mein Ausflug an jenem Tage gewesen sein.

Auch warum es in userer Wohnung zu spuken begann, Rechenmaschinen ihre Funktionsfähigkeit einbüßten und später sogar versucht wurde, mir den Schädel einzuschlagen, wäre damit plausibler erklärt.

Es spannen sich Fäden weit zurück, bis in die Keller ferner Jahre.

Ein kalter Zug fegt herein – es pufft Staub von Türmen von Aktenpaketen, von denen angenommen worden ist, daß niemand, niemals, sie mehr öffnen würde.


Informationen

Memo für die Bundespolizei, März 2008.

Der 19. August 2003 war ein Dienstag.

In den beiden vorangegangenen Wochen hatte ich ein paar Mal bei Fix&Fertig gearbeitet, wo ich mich im Juli 2003 als Zusteller auf ein Inserat im Kurier beworben hatte.

Die persönliche Bewerbung erfolgte bei einer Sozialarbeiterin, die mehrfach meinen Führerschein fotokopierte.

Im Hof stand ein weißer Ducato-Kastenwagen.

Sie fragte mich, ob ich schon einmal mit so einem Lieferwagen gefahren sei, was der Fall war.

Ich sollte, um meine Motivation unter Beweis zu stellen, zuerst als Tagelöhner mitarbeiten.

Ich hätte den Job gerne gemacht – er war befristet, bescheiden entlohnt und entsprach nicht meiner Ausbildung – und ließ mich auf das Angebot ein.

In den ersten beiden Augustwochen arbeitete ich ein paar Tage bei Fix&Fertig, zuerst als Kellerentrümpler in der Schleifmühlgasse, dann in der Rotenturmgasse, wo Malerarbeiten zu erledigen gewesen waren.

Bei den Arbeiten in der Schleifmühlgasse gewann ich Einblick in das Wesen und Wirken von Fix&Fertig.

Ein Vorarbeiter machte mich diskret darauf aufmerksam, dass man sich hier durch gute Zusammenarbeit beim Kampf gegen Drogenhändler, vor allem gegen verschiedene Ausländer und Bimbos, verdient machen könnte.

Ich gehe davon aus, dass mir während jener Arbeiten der Schlüssel zu unserer Wohnung in der Kochgasse entwendet und eine Nachsperre angefertigt wurde, da es in der Folge in zu Hause zu spuken begann.

Verschiedene Pflanzen, etwa ein prächtiger Coleus Blumei, verendeten in auffallender Weise, wie vergiftet, und zwei PCs erlitten schwerste Beschädigungen, Gegenstände des täglichen Gebrauchs verschwanden spurlos, tauchten erst nach Tagen wieder auf, Schränke und Läden wurden mehrmals durchwühlt etc.

Bei den Arbeiten in der Rotenmühlgasse fiel mir zudem auf, dass der Lieferantenjob bereits vergeben war.

An jenem Dienstagmorgen fuhr ich mit dem Auto meiner Frau die Hadikgasse entlang in Richtung Meidling, bereits auf der Linksabbiegerspur.

Rechts schloss herausfordernd ein BMW Sportster auf und der unbekannte Fahrer deutete mit drei Fingern grinsend zu mir herüber.

In der Nymphengasse gab es einen Knall, als ich mich auf Höhe eines geparkten roten Opel Astra befand.

Es kam mir vor, als würde mein rechter Rückspiegel explodieren.

Ich parkte um die Ecke und sah mir alles genau an, da ich zunächst befürchtete, daß ich vielleicht den linken Spiegel des Opel Astra touchiert haben könnte – was nicht der Fall war.

Das Glas meines rechten Rückspiegels war gesprungen und hatte ein kreisrundes Loch, wie von einem Luftdruckwaffengeschoss.

Auffallend war, dass um diese Zeit fast alle in der Nymphengasse parkenden Autos mit kleinen rosa Zetteln versehen waren, die eine obskure Schlankmacherstudie bewarben.

Diese Zettel in der Größe von Visitenkarten waren in eigenwilliger Weise zusammengerollt in die Fahrertürspalten von Autos geklemmt.

Ein Herr mit einem recht geläufigen Gesicht kam überraschend bei Fix & Fertig vorbei und sah mir interessiert beim Ausmalen zu – ich nehme an, es war der heutige Finanzminister.

Nach Beendigung der Malerarbeiten schlug mir der Tagelöhnermanager vor, ich sollte mich am besten am ganzen Körper mit Nitroverdünnung abrubbeln, was mir sehr merkwürdig vorkam.

Ich fuhr, nachdem ich mich zuhause geduscht hatte, später noch einmal in die Nymphengasse, um ein paar Fotos vom Schauplatz zu schießen.

An der Ecke links vom Ort des Vorfalls, unter einem Baugerüst, sah es aus wie in einem Requisitenlager einer Bande von KFZ-Versicherungsbetrügern.

Die Zettel waren alle weg, aber es waren nach wie vor dieselben Autos abgestellt wie am Vormittag, auch der Opel Astra ganz vorne.

Ich habe definitiv nicht zur Klientel von Fix & Fertig gehört und und konnte aus dem Erlebten nur schließen, dass es sich um einen dubiosen multifunktionalen Verein von äußerst fragwürdiger Gemeinnützigkeit handeln dürfte.

Im Frühjahr 2003 hatte es mehrere Vandalenakte auf das Auto meiner Frau gegeben, wenn es in der Laudongasse abgestellt war.

Beide Rückleuchten waren kurz hintereinander herausgeschlagen und auf der Motorhaube war herumgetrampelt worden.

Ich verdächtigte Glastonbury, der mir kurz nach dem Einbruch über den Weg gelaufen war und nebst Verlobter, einem überdopten hysterischen Pornosternchen mit bemitleidenswertem Kleinkind – plötzlich – im Haus Laudongasse/Schlösselgasse logierte, bzw. fielen mir einige junge Herumtreiber auf , der Erscheinung nach „Promos“, die anscheinend im Sog der beiden umherlungerten.

Glastonbury hat mich schon seit 1998, als wir alle noch noch in Graz wohnhaft waren, mehrfach persönlich zu provozieren bzw. Schutzgeld von mir zu verlangen versucht.

Durch Aufbrechen der Wohnungstür in unsere Wohnung in der Kochgasse 34 waren im März 2001 eine leichte goldene Uhr der Marke Helvetia, ein wenig Schmuck von meiner Frau sowie eine bescheidene Münzensammlung abhanden gekommen.

Ich hatte damals dem Wachzimmer Kandlgasse eine Excel-Tabelle der Münzen sowie ein Foto mit Katze, auf dem die Uhr gut zu erkennen war, zur Verfügung gestellt.

Es hieß jedoch, den Einbruch hätte ein kokainsüchtiger Koch begangen, der gleich an der nächsten Ecke alles in Drogen umgesetzt hätte.

Es gab keine weiteren Verständigungen, nachdem wir einmal mit einem Beamten in der Kandlgasse ein Gespräch geführt hatten, das ich jedoch als Ablenkungsversuch empfand.

Glastonbury hatte ich während meiner Tätigkeit als Büroangestellter beim Liberalen Forum kennengelernt, wo er sich als Radiomoderator und Diskjockey ausgegeben hatte und hochsympathisch zu erscheinen versuchte.

Seit Herbst 2006 hat ferner ein Inkassobüro schriftlich versucht, bei mir das Eingeständnis einer angeblichen Schuld bei der BA-CA herauszupressen, wo ich kein Konto besitze und zu der es keinerlei Feststellungsbescheid gibt – mittels Mahnschreiben mit bedrohlichen Andeutungen und Seriosität vorspiegelnden Fragebögen.

Dieses Büro sowie einige Erlebnisse, vor allem jene des Jahres 2003, fielen mir ein, als mir meine Frau im Jänner 2008 von einem mysteriösen Steinschlag gegen die Windschutzscheibe ihres Austos berichtete.

2003/2004 war ich zur Erholung in Australien bzw. Neuseeland.

In dieser Zeit ließ sich meine Frau von mir nicht bekannten Personen überreden, die Wohnung in der Kochgasse unüberlegt aufzugeben und in die Wehlistrasse zu ziehen – eine Wohnung mit wenig Sonne, wie eine Gefängniszelle für zwei Personen. (*)

Auch hier sind inzwischen zwei PCs kaputtgemacht sowie – unverschämt- mehrere über Jahre gepflegte Ficus- und Palmengewächse in gelben Kulturtöpfen und Seranofüllung gestohlen worden, die wir im Sommer auf der Freizeitterasse abgestellt hatten.

Ich habe es in der Zwischenzeit aufgegeben, das Türschloß zu wechseln, obwohl ich davon überzeugt bin, dass es nach wie vor Personen gibt, die unsere Wohnung in Abwesenheit nachsperren.

März/April 2004 arbeitete ich bei Fa. Gabriel-Chemie in Gumpoldskirchen/Traiskirchen.

Ich wurde von einem Mitarbeiter provoziert und gemobbt.

Als ich mich bei Schneegestöber mit einem gasbetriebenen Hubstapler auf freiem Gelände bewegte, hatte ich den Eindruck, als würde ich aus Richtung Gumpoldskirchen mit einem Luftgewehr beschossen, ich hörte das Sausen einer leichten Munition, mit der mehrmals kleine Löcher in die prallen Säcke mit Kunststoffgranulat geschossen wurden.

Ferner wurde dort von dem erwähnten Mitarbeiter eine Palette mit 500 kg Farbpigmenten so deponiert, dass mich die Ladung hätte treffen sollen, welche durch Zufall von einem anderen Kollegen leicht mit der Gabel berührt wurde und zu Boden krachte, worauf einer der beiden Säcke mit schockrosa Pulver folgenschwer explodierte.


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(*) „… Sozialhilfe für die im Schatten …“ – der ehemalige Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel mit eiskaltem Augenwinken bei einer Belangsendung der ÖVP im Jahr 2004.


10 Jahre Infam

Der österreichische Innenminister ist ein Versager.

„Wenn Sie nicht aufhören, auf kriminelle Handlungen hinzuweisen, die gegen Sie seit 1998 verübt werden, suchen wir weiter, bis wir eine kriminelle Handlung finden, die auf Sie zutreffen könnte, am besten einen KINDERMORD.“

Das ist die Methode Autrichienne, wenn die Polizei Anweisungen, Verwandte von Nationalratsabgeordneten zu protegieren, Folge leisten muss und weitere österreichische PolitikerInnen von Rang und Namen auf der Mitwisserliste stehen.

„Wenn Sie behaupten, das Fäulein Meier war auch dabei, sagen wir, Sie stehen mit Handpupperlen im Beserlpark und locken Kinder ins Gebüsch.“

So klingt der singende Parierstock der ÖVP.

Gilt.


Beginnt heute der Frühling?

Gedanken aus der Verbannung.

Eben schneite es noch.

Anfang der lange zurückliegenden neunziger Jahre hörte ich gelegentlich ein Lied von
Heli Deinboek.

Es heißt: “Wer tötete den Osterhasen?“

Heute könnte man annehmen, der Osterhase sei wieder auferstanden.

Seit dem Einzug der digitalen Walkloden- und Haferlschuachkoalitionen scheint dem christlichen Osterfest wieder verstärkt Bedeutung beigemessen zu werden.

Oder soll nur das Kaufpotential der Österreicher effizient ausgeschürft werden?

Was schenken Sie heuer zu Ostern?

Endlich einen LCD-Fernseher? Einen neuen Laptop? Gutschein-Banknoten von Peek & Cloppenburg?

Keine Angst, das untote Ostertier lebt nur in Werbeeinschaltungen.

Die christlichen Kirchen werden in Kürze die Wiederauferstehung Jesu beläuten.

Im Judentum feiert man ungefähr zeitgleich Pessach, eingedenk des Auszuges aus Ägypten und der Befreiung aus der Knechtschaft, die im Thora-Buch Hagadah ausführlich beschrieben wird.

Pessach ist das wichtigste Fest im Judentum.

Ich persönlich zweifle kaum an der Existenz eines Jesus aus Nazareth und es wäre vorstellbar, dass er überlebt haben könnte und dass ihm dabei geholfen worden ist.

Er könnte sein allzu beneidetes Leben nach sehr schlechten Erfahrungen an einen Nagel gehängt, noch etliche Jahre ein weniger auffälliges Leben geführt und sich anderen Interessen zugewendet haben.

Mitunter irritiert mich der Eindruck, dass die katholische Kirche ihre eigenen Verwandten weder verstehen will noch gut behandeln – und damit auch politisch kein gutes Vorbild abgibt.

Wenn ich über den Stephansplatz gehe und den verhüllten Teil des Domes sehe, frage ich mich, ob es stimmt, daß manche der Steine, aus denen er erbaut wurde, im Dunklen geheimnisvoll leuchten.

Zur Zeit würden die Mauern des Stephansdomes mit einem patentierten Anstrich behandelt, der Mikroorganismen enthält, welche Schmutzpartikel aufnehmen und Kalk ausscheiden, wodurch dem alten Gemäuer neue Strahlkraft verliehen wird.

Ich persönlich glaube schon, dass an der Geschichte mit den luminiszierenden Steinen was dran ist.

Gesehen habe ich sie nicht.

Aber: „Das verräterische Herz“ ist auch nur eine Erzählung.

Der Südturm

Blasphemie!


Österreich für Gerührte.

Eierfindung zur Karwoche.

Arunke
Busele
Finzalen
Krampete
Latrone
Melzerer
Nitrulipu
Prosetta
Rambuse
Semolade
Tantrokel
Zempetu


Cataract li.

Patienten…freundlichkeit und mehr Hintergründiges.

Im Untersuchungsraum Acht bereits anwesend: Dr. Rappottensteiner, zwei Studentinnen der Medizin.

Dr. Rappottensteiner zielt mir mit einem Blendprojektor, einem augenärztlichen Spezialgerät, routiniert beidseitig durch das Loch im Zentrum der Iris.

„Dieser junge Mann hat bereits die Augen eines 60-jährigen. Beidseitige Myopie, links weitaus stärker ausgeprägt, gelbliche Eintrübung der Linse. Grauer Star.“

Die jungen Ärztinnen in spe dürfen das Gerät ausprobieren.

Sie leuchten mir auf die Augen, treffen aber nicht in den Fokus und können das diagnostische Potential des interessanten Zauberstabes noch nicht durchschauen.

Dr. Rappottensteiner hilft ein wenig beim Führen der ungeübten Hände.

Im Nebel der schmerzhaften Blendung wird im Anschluß ein standardisierter Sehtest zur Ferne und in der Nähe durchgeführt.

Das Ergebnis ist eindeutig, eine Operation angezeigt.

Dr. Rappottensteiner erklärt den modus operandi, während Kaskaden von gleißenden Nachbildern mein Gesichtsfeld illuminieren, sodaß ich kaum irgendetwas erkennen kann.

Dr. Rappottensteiner: „Wir sehen das inzwischen so: Umso jünger die Patienten, desto größer der Widerstand. Sie bekommen deshalb eine Narkose.“

Später werde ich über diese geheimnisvolle Äußerung nachgrübeln müssen.

Später tun sich mehr und mehr Fragen auf.

Noch immer stark geblendet stehe ich am Anmeldeschalter der Augenambulanz.

Durch die sich lichtende Bewölkung beobachte ich eine Zeit lang den Schatten von Schwester Scheherazahde, die gerade von Schwester Petronella eingeschult wird.

Mehrmals stürzt der Personalcomputer ab – oder ist es vielleicht ein Server, weil wiederholt ungeduldig telefoniert wird?

Ich bekomme im Laufe einiger Minuten den Eindruck, daß ich hier absichtlich nicht wahrgenommen werde.

Schwester Scheherazahde: „Brauchen Sie etwas?“

„Ich hätte gerne einen Termin.“

Schwester Petronella, die hinter Schwester Scheherazahde steht, greift ihr ungehalten über die Schulter in die Tastatur, soufflierend:

„Fragen sie zuerst einmal, um welchen Termin es überhaupt geht.“

„Einen Termin für eine Augenoperation.“

„Es gibt viele Augenoperationen.“

Ich halte mein Infoblatt vor die Scheibe.

Schwester Scheherazade: „Grauer Star. Da geht leider nichts vor Ende Juli. Ist ihnen der dreissigste recht?“

„Ja.“

Schwester Petronella: „Glücksfee spielen wir nicht. Zwei Tage Krankenstand. Der hier bekommt schön einen Freitagstermin.“

„Hören Sie. Über meine Terminplanung müssen Sie sich nicht den Kopf zerbrechen.“

Schwester Scheherazahde: „Ich leider neu hier.“

Schwester Petronella: „Aber sie sind doch berufstätig. Sie ARBEITEN doch. ODER ARBEITEN SIE NICHTS?“

„Entschuldigen Sie: Ich bin ein Pensionist.“

Schwester Petronella bläst ein Gesicht, daß ihr die Grammelknödel aus dem Goder wachsen:

„UNSERE PATIENTEN SIND IN IHREM ALTER NORMALERWEISE BERUFSTÄTIG.“

Sie verschränkt die Arme vorm Busen.

Nachglühende Netzhautirritationen verzerren ihr Gesicht ins Gespenstische.

Ein paar Sekunden lang läuten die Mittagsglocken der nahen Josephskirche mehrmals das Wort „Sozialschmarotzer!“

Weil sich das nicht gut anhört, schlucke ich die ätzende Magensäure wieder hinunter, bis mir die Galle stechend einen Wind ins Gedärm drückt.

Eine große Blase in meinem Unterleib schleicht sich quälend bis an den Schließmuskel heran.

Ich muß mir vorstellen, wie 1968 der Großvater, dem der Vater mit einem Brieföffner ein Loch in den Unterleib gestochen hätte, aus der steiermärkischen Schwesternklinik vom Roten Kreuz zum Sterben nach Kainbach geführt wurde und dort an Darmkrebs verschied.

Ich verlasse das Hospital und beginne meine Wahrnehmungen eingehend zu hinterfragen.


18,5° C

Welche Aufgaben haben österreichische Behörden zu erfüllen?

Vorstellung bei einer Personalleasingfirma, der Firma MultiTask Personalbereitstellungen in Wiener Neudorf.

Man betritt das Vorzimmer und sieht Charly Chaplin, James Dean, Marilyn Monroe, Jane Russell, Stan Laurel und Oliver Hardy auf einem Stahlbetonträger in schwindelerregender Höhe sitzen, wo sie entspannt und heiter ihre Brotzeitstullen zu sich nehmen.

Zu deren herunterbaumelnden Füßen stolpert, zwischen Fax, PC und Telefon, genervt Luft auspustend, Fräulein Mückl herum, und verteilt mit angelaufenen Brillengläsern Serien von Fragebögen an die Wartenden.

Im angrenzenden Raum sitzen Männer mittleren Alters mit geröteten Gesichtern an Cafeteriatischen, schlürfen Ein-Euro-Kaffee aus Plastikbechern und bemühen sich mit überdrehten Augen und verbissen, ihre Blätter korrekt auszufüllen.

Es ist unglaublich, welche Fragen für eine Firma MultiTask von Interesse sein könnten – Mädchenname der Mutter, Beruf der Geschwister, Geburtsort des Vaters und Religionsbekenntnis der Großeltern.

Weiters sind unter Zeitdruck und Aufsicht einer gnadenlos taktenden Psychologin, Frau Mag. Mies-Schein, Büroklammern zu Vielecken zu verbiegen, eine Reihe von xy Gleichungen aufzulösen, Fremdwörter zu erkennen, Sätze zu vervollständigen und eine kurze Geschichte zu schreiben.

Wenn schon im Frühjahr der Asphalt glüht, fühlt es sich gut an, wenn man nach zwei Stunden Inquisition unter Blasendruck erfolglos, aber erleichtert, heimwärts lenkt, und im Kofferraum eine Badeliege dabeihat.

Wenn man in Wien wohnt und ein Automobil zur Verfügung steht, kann es sein, dass nach einiger Zeit unerwartet einen Anruf von Firma MultiTask Personalbereitstellungen erklingt, und ein recht interessanter Teilzeitjob in den frühen Morgenstunden, weit draussen in der Simmeringer Haide, angeboten wird.

Dort galt es, im Morgengrauen Container für die Firma DHL zu entladen und anhand aufgeklebter Nummerncodes kleine und größere Pakete auf bestimmte Laufbänder und Rollrutschen zu befördern.

Ich stellte fest, dass niederösterreichische Apotheken von burgenländischen DHL-Subunternehmern tagtäglich kartonweise mit jenen Medikamenten beliefert werden, nach denen bei bestimmten Personengruppen zu jeder Zeit dringende Nachfrage besteht.

Mir war es so ergangen, dass bereits am dritten Tage ein unangenehmes Gerücht kursierte, dass solche Kartons spurlos verschwunden wären, zudem der beachtlich muskeldefinierte Vorarbeiter Dragomir mir Unfähigkeit aus Mangel an Begabung oder gutem Willen unterstellte, Pakete so aufzulegen, dass er sie bequem einer Sichtkonrolle unterziehen könnte.

„Ich bin verantwortlich, weißtu.“

Ich wurde in der zweiten Woche fristlos gekündigt, was Frau Mückl persönlich bedauerte – aber es hätte Vorfälle gegeben.

Ein paar Tage später wurde in der beliebten Reformdrogerie mit Biorestaurant von einem unbekannten DHL-Zusteller zwei große, sehr schwere Kartons für mich abgegeben.

Ich fand heraus, dass es sich um sündteure Geräte zur Temperaturstabilisierung handelte, Spezialanfertigungen, die kaum woanders als in Biochemielabors – vielleicht in einer Kläranlage – Verwendung gefunden haben könnten, Spezialanfertigungen für Spezialbehälter mit Sensoren zur Messung der Sauerstoffzehrung von Mikroorganismen.

Vielleicht könnte ein übler Erfinder, von kriminellem Ehrgeiz beflügelt, im Klima dieser Wunderkästen eine bislang unbekannte Methode zur Erzeugung von Methamphetamin erproben.

Ich weiß aber nicht, was aus den wuchtigen Nirostaschränken wurde, nachdem ich mit DHL so verblieben war, dass bei Gelegenheit ein Fahrer sie wieder abholen käme.

Zum Ende jenes Sommers flog ich nach Australien, und als ich ein halbes Jahr später zurückkehrte, wohnte die liebste Ehefrau nicht mehr in unserer geräumigen Wohnung in der Kochgasse, sondern in einer anderen in einem anderen Bezirk.


Der unmögliche Schlußstrich.

Warum ich Volksparteien nicht mag.

Immer wieder verlauten österreichische Politiker folgende Behauptung:

„Die ÖsterreicherInnen wollen, dass endlich ein Schlussstrich gezogen wird.“

Diese Aussage wird vor allem dann getroffen, wenn wieder ein großer oder kleiner Skandal zwischen historischer Menschenermordung oder Raubkunstrückgabeverweigerung aufgedeckt worden ist.

Fast immer erschallen diese Stimmen aus dem christlich-konservativen Lager.

Wenn man die Schußstrichforderung öfter gehört hat, beginnt man zu ahnen, dass es noch jede Menge entwendeten Eigentums gibt, an dessen Besitz sich die Diebe endlich herzlich freuen möchten dürfen, bzw. das sie gerne weißgewaschen an Kinder und Kindeskinder weitergegeben wüßten.

Die Forderung nach jenem Schlussstrich entspringt einer feisten, schleichen Kleinkrämer- und Dorfschenken- Mentalität, dahinter eine kindische Unart, gestohlenes Spielzeug eine Zeitlang zu verstecken, in der falschen Hoffnung, es würde sich nach einer Phase allgemeinen Vergessens in echtes Eigentum verwandeln.

Ich will keine Volksvertreter, für die Zeit nicht mehr ist als ein länglicher Kalkulationsblock mit dem Aufdruck einer Sauerbiersorte, worauf man schreiben und rechnen kann und nach Belieben abreißen und zerknüllen, was den Wirt oder die Zahlkellnerin aufgrund dieser Möglichkeit auf G’ttes Höhe hieven hieße.

Das ist keine gute Einstellung der Welt, ihren Bewohnern und Dingen gegenüber, egal ob man den Vokal ausschreibt oder wegläßt, zu Allah betet oder glaubt, es vorziehen zu müssen, besser keiner Religion angehören zu wollen.

Es ist eine Frage von guter oder schlechter Bildung und Erziehung.

Wer sich selber fest ins Sackl lügt, sagt auch anderen nicht die Wahrheit.


HAKOAH

After nearly 70 years the HAKOAH has returned to its own field.

Over more than 20.000 squaremeters, close to the Ernst-Happel-Arena, the brandnew multifunctional center including outside areas, tenniscourts, a hightech fitness-factory, wellness-studios and the museum HAKOAH is growing on.

The S.C. Hakoah Karl Haber Center for sports and leisure is looking forward to host many sports and public vistors.

Wellknown personalities and guests of honour were present at the opening ceremony on march 11th 2008.

Nach 70 Jahren heimgekehrt / Standard

Annexion and Union (historical circumstances) / Presse


Arbeitsplätze.

Reha-Assistenz am Rochusmarkt.

Manche Geschichten muß man mehrfach erzählen, und aus verschiedenen Blickwinkeln, damit sie so erscheinen, wie sie verstanden werden sollen:

Mehrdimensional.

Es interessiert niemanden, wenn jemand verzweifelt ein- und dieselbe Geschichte wider die allgemeine Verständnislosigkeit immer wieder von vorne nach hinten abspult

Es hat sich für mich als fruchtbar erwiesen, die Betrachtungen aus unterschiedlichen Perspektiven mit- und untereinander reagieren zu lassen und erneut wiederzugeben, bis die ausblühenden neuen Räume samt Akteuren und Handlungen auch anderen vorstellbar erscheinen.

Dabei handelt sich im Grunde nur um die Evaluierung eines Lebensabschnitts, in dem es für mich keine andere Möglichkeit gegeben hat, mich fortzuentwickeln, als das zu werden, was ich bin: Rentner.

Ich ließ ein Jahr verstreichen, bevor ich Schulze wieder kontaktierte.

Ein Projekt zur Verselbstständigung im IT-Dienstleistungsbereich hatte ich nach einiger Sondierung als nicht erfolgversprechend verworfen.

Meine Arbeitslosmeldung beim AMS war demoralisierend, zudem ich gar keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld hatte.

Man könnte an dieser Stelle postiv anmerken, dass durch eine arbeitsmarktpolitische Korrektur das Problem der Anspruchslosigkeit für freie Dienstnehmer, durch das zehntausenden neuen Selbstständigen Schaden zugefügt worden war, heute behoben zu sein scheint.

Ich war als Bewohner des achten Bezirks Klient beim AMS Redergasse.

Das ist dort, wo ungezählte Beschäftigungslose die Stiegenhäuser besetzen, wenn im April ein jegliche Hoffnung aufweichender kalter Nieselregen fällt, und es kann sein, dass man auf seinem Weg zur Beratung über leblose Körper steigen muß und auf Glasscherben tritt.

Es fiel in jener Zweigstelle zur Zeit einer schwarzblauen Regierung ganz besonders schwer, verständlich zu machen, warum ich nicht als Pizzazusteller für Favoriten mit eigenem PKW oder als Bauhilfsarbeiter in Klosterneuburg arbeiten kann.

Schulze lud mich in sein neues Büro am Rochusmarkt ein.

Dort hatten neben Schulze vier, fünf SozialarbeiterInnen aus verschiedenen Bundesländern Arbeitsplätze gefunden.

Es gab große, helle Büros und Besprechungszimmer mit neuem Mobiliar, Ikea-Regale, eine richtige Küche, Sitzgarnituren und interessante Bilder an den Wänden.

Eines befand sich vor Schulzes Büro.

Es war die Reproduktion einer Grafik von M.C. Escher, die ein schwarzes und ein weisses archaisches Männchen im Vordergrund darstellt, die sich lange Nasen zeigen, ein Motiv, das in kaleidoskopischer Auflösung auch den gesamten Bildhintergrund ausfüllt.

Schulze bot mir für eine dreiviertel Stunde die Benützung eines Computerplatzes mit Internetanschluß und eine Briefmarke pro Vorsprache an.

Ich wäre darüber hinaus eingeladen, an regelmäßigen Therapiesitzungen teilzunehmen.

„Wir betreuen Süchtige, die sich wieder in die Gesellschaft integrieren wollen.“


Ein Joker-Posten.

Geheimnisvoller Spittelberg.

Es wäre besser gewesen, ich hätte Schulze mit seiner Auf-und-Ab-Theorie nie mehr angesprochen, aber die Versuchung, ohne Massenversand von Bewerbungsschreiben und endlose Rennereien zu einem Job zu kommen, war verlockend.

2002, der Winter neigte sich dem Ende zu, kontaktierte ich den Altachtundsechziger telefonisch und verlautete mein Interesse an dem besprochenen „EQUAL“- Job, Stichwort Joker-Posten.

Schulze nannte mir die Telefonnummer zweier Herren, angeblich Geschäftsführer von „EQUAL“, Neumann und Becker.

Ich rief an und ersuchte um einen Termin.

Der wurde mir sofort eingeräumt, ich sollte noch am selben Tag im „EQUAL“- Büro
in der Hermanngasse erscheinen.

Ich durchquerte einen Innenhof und drückte die einzige Klingel.

Zu meiner Überraschung öffnete ein Uniformierter.

Ich wurde durch eine Schleuse aus Stahltüren geführt, die mich an Polizei – und Untersuchungsgefängnisse erinnerte, und durch eine abschüssige Flucht aus ungenützten Büroräumen geleitet.

Ein von Rauschgiften trunkener Jugendlicher – gekrümmt stelzendes Drahtgestell mit kleinen hassglühenden Augen unter der Kappe – wurde gerade in die andere Richtung geführt.

Irgendwo mittendrin befanden sich in einem Raum mit Lichtfenster Neumann und Becker.

Neumann, ein Gesicht, bekannt wie aus meiner Jugend, schwarzer Eckzahn, schlampig rasiert, arm an Haupthaar, hieß mich in breitem Untersteirisch Platz nehmen; Becker, lockig behelmt, vielleicht eine Perücke, mit orangegetönter Brille, setzte sich neben ihn, die Situation entsprach einem Verhör bei der Kriminalpolizei.

Das Interview begann mit einer Überprüfung meiner Orientierungsfähigkeit.

Ob ich wisse, wo ich mich befinde, wurde ich mehrmals gefragt.

Daß ich mich in einer Art Bunkeranlage befand, die auf der anderen Seite unter den „Ganslwirt“ führt, kam mir erst später in den Sinn.

Ich bemühte mich sehr, das Gespräch in Richtung Job zu lenken.

Es ginge darum, hieß es, Veranstaltungen zu organisieren, etwa Vernissagen, die notwendigen Vorbereitungen zu treffen: Drapierungen, Getränke, Buffet.

Ob ich mir das zutraute?

Neumann und Becker kamen mir aufgedreht vor, immer wieder sprang einer hoch, um hinter mir auf und ab zu gehen, ans Fenster zu treten, durch den Türspalt zu lugen, sich wiederholt zu räuspern, motorisch hyperaktiv, auffallend nervös.

Erneut wurde ich gefragt, ob ich überhaupt in der Lage sei, ihren Worten zu folgen.

Es gehe um Betreuungseinrichtungen für Drogensüchtige.

Auch um Künstlerpersönlichkeiten, Leute, die man von einem Ort abholen und woanders abliefern müßte.

Andererseits handelte es sich um ein Verkaufslokal, für das ein Geschäftsführer gesucht würde, das aber noch nicht geöffnet wäre.

„Es könnten Vorbereitungsarbeiten anfallen, bei denen man schmutzig wird.“

„Abkratzen, spachteln, malen. Vielseitigkeit ist gefragt.“

„Zuerst Grundreinigung. Vielleicht anstrengend. Verschwiegenheit.“

„Multitaskingfähigkeit. Darum geht’s in der heutigen Zeit. Schon einmal Fliesen gelegt?“

„Wir planen die Gründung eines neuen Pools mit flexiblen und cleveren jungen Leuten.“

„Wir handeln mit Waren aller Art, vielleicht mit … exotischen Kunstgegenständen.“

Die Auslage eines Caféhauses fiel mir ein, an dem ich zuvor vorbeigeschlendert war.

Voodoo-Figuren?

Man könnte von mir verlangen, Urinproben abzugeben.

Dem Inhaber des Joker-Postens könnte allerdings etwas Freiraum von Nutzen sein.

Mir dämmerte, dass von mir erwartet wurde, mich als V-Mann anzubieten, den man eine Zeitlang hochtourig rotieren lassen und anschließend zum „Grünen Kreis“ abschieben könnte.

Ich sagte, für solche Dienstleistungen sei ich ungeeignet, daran hätte ich kein Interesse, ich sei verheiratet, eher häuslich, mit Katzenfamilie – ich suchte bloß einen normalen Job, nach zwei nervtötenden Jahren als freier Dienstnehmer in Callcentern.

Hinter mir befand sich die Tür zu einer Toilette.

Ich bat darum, mich kurz zurückziehen zu dürfen und wagte einen schnellen Blick durchs Schlüsselloch hinaus.

Neumann tastete an meiner Jacke herum, die ich überm Sessel hatte hängen lassen, und Beckers Schatten schob sich vor die Tür.

Neumann erinnerte mich deutlich an jemanden, mit dem ich einmal vor mehr als 25 Jahren im Grazer „Club Toleranz“ an einem Tisch gesessen war.

Wahrscheinlich handelte es sich um eine Nachfolgeaktion der „Operation Spring“, in die ich hineingezogen werden sollte.

Neumann beklagte meinen Mangel an Motivation:

„Sie haben zu wenig Biß. Das ist schade, sehr bedauerlich.“

„Kein Charisma. Ich vermisse die gewisse Ausstrahlung.“

„Kein Problem. Ich denke nach und seh’ mich um.“

Mir wurde noch mitgegeben, meine Lage würde der einer Kugel auf einem Spielfeld gleichen – das Spiel könnte ich mir aussuchen.

Ob ich jemals über den Unterschied zwischen Softball und Squash nachgedacht hätte?

Ich war froh, daß ich wieder aus der Mausefalle geschleust wurde.

Als ich später an einer Straßenbahnhaltestelle wartete, rief mich Schulze am Handtelefon.

Ob das Interview fruchtbar gewesen wäre, wollte er wissen.

Ich nahm an, ihn interessierte, ob ich mich noch in Freiheit befand.

„Wir rufen uns doch wieder zusammen?“

„Freilich. Bei nächster Gelegenheit.“

„Genau.“


Sozialarbeiterisches Umdenken.

„Wir sehen das heute anders.“

Es könnte unter Schwarzblau Weisungen gegeben haben, wie mit Personen umzugehen wäre – mit einzelnen Vorbelasteten, in einem anderen Bundesland geboren – oder mit ganz bestimmten Personengruppen, etwa solchen, die einmal Marihuanapflanzen besessen oder angeblich LSD konsumiert hätten, beim Liberalen Forum beschäftigt gewesen und kurzsichtig wären oder jüdische Vorfahren gehabt haben könnten.

Nach Kontaktaufnahme mit Vertretern des aus europäischen Fördermitteln finanzierten Vereins „EQUAL“, des Vereins „Reha-Assistenz“ (AMS) sowie des Vereins „Fix&Fertig“ (Fonds Soziales Wien), wurden ausgewählte Personen zu gestellten Vorstellungsgesprächen, getarnten Verhören, geschickt, in deren Verlauf genau beobachtet und heimlich fotografiert, bzw. wurden während der gesicherten Abwesenheit Anstrengungen unternommen, in fremde Wohnungen einzudringen.

Zum Zeitpunkt des Einruchs in unsere (zweite) Wohnung in der Kochgasse im März 2001 war ich freier Dienstnehmer bei Netway gewesen.

Ich hatte mich nach der Kündigung durch den vorigen Dienstgeber, einer Netzwerk-Software-Firma in Korneuburg arbeitslos gemeldet, aber zwei Wochen später ein freies Dienstverhältnis als Kundenbetreuer bei Österreichs führendem Internetprovider angetreten.

Im Dezember 2001 kontaktierte ich Schulze als Info-Mitarbeiter von „EQUAL“, der sich etwas schwammig als Sozialarbeiter einer neuen Magistratsabteilung vorstellte, aber zum Zeitpunkt unseres Erstkontakts genausogut arbeitslos gewesen sein könnte.

Ich war bei der UTA als freier Dienstnehmer, Technische Installationshotline, tätig, und befand mich nach mehreren erfolglosen Begehren nach fester Anstellung laut anfänglicher Zusage in der Phase der Kündigung durch den Dienstgeber.

Die Telefonnummer von „EQUAL“ hatte ich aus dem Radio FM4.

Ich rief mal an, weil ich den zu erwartenden Mißverständnissen beim AMS vorab etwas entgegensetzen wollte und dachte, ein unverbindliches Informationsgespräch mit engagierten und entsprechend vorbereiteten Leuten könnte zumindest nicht schaden.

Schulze bestellte mich zunächst ins Café Eiles und ließ in unhöflicher Weise den Termin platzen.

Später orderte er mich telefonisch in ein Café beim Schottentor.

Ich machte ihn darauf aufmerksam, dass ich am Arbeitsmarkt beungünstigt wäre, aufgrund von alten Einträgen in der AMS-History, aber nicht drogenabhängig, und daß ich schon lange in geordneten Verhältnissen lebte.

Schulze gab sich als angeblicher Altachtundsechziger verständnisvoll, und versuchte mir die neue Devise seiner Zunft zu vermitteln, dass es sich bei Drogenabhängigkeit um eine unheilbare Krankheit handelte.

Es gebe nur ein ständiges Auf und Ab, Auf und Ab, Auf und Ab.

Ich schätzte, das Schulze etwa gleich alt wie ich sein könnte.

Vielleicht gab er sich Mühe, der gängigen Vorstellung von einem schusseligen, verklemmten Sozialarbeiter im olivgünen Parka zu entsprechen.

Als er meiner Zweifel an der geäußerten Theorie gewahr wurde, versuchte er mich bei Laune zu halten, indem er von einem interessanten Führungsallrounderjob bei „EQUAL“ sprach, zu dem er mir vielleicht in Bälde verhelfen könnte.

Er sprach von einem Joker-Posten.

Schulze hatte zum Zeitpunkt unseres Gesprächs kein eigenes Büro – Räumlichkeiten am Rochusmarkt wären zu jener Zeit adaptiert worden – und wir verblieben bei der Option einer telefonischen Verabredung im neuen Jahr.

Ich ahnte noch gar nicht, dass Schulze über den Einbruch bzw. über andere persönliche und private Details informiert gewesen sein muß.


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