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by morath

Angst

Verfasst von morath am April 30, 2008

Vom Strafmonopol eines Vaters: Schießbefehle, Giftterror und Blutschande in Pröll-Country.

Väter sind nicht unantastbar.

Niemand muß Väter und Mütter vor Kritik bewahren und vor Strafverfolgung schützen, weil eines von zehn katholischen Geboten zur Unterdrückung dies nicht verlangt.

Eltern behandeln ihren Nachwuchs viel öfter falsch und schlecht als jene wahrhaben wollen, denen aufmerksame und liebevolle Behandlung zuteil geworden ist.

Die Vorstellung, dass es sich bei Kindern um Leibeigene handelt, ist nach wie vor tief in unserer Gesellschaft verwurzelt.

Je konservativer und undurchleuchtbar stuhlkatholisch die Wertenenner, desto größer der Anspruch auf totalitäre Herrschaft über die Generation der Nachkommen.

In den Augen der Amstettener Bevölkerung war der Liegenschaftsverwalter Josef F. ein Mann, der Angst zu verbreiten wusste, ein eigenhändig schaufelwuchtender, wändestemmender Bauaufseherpatriarch der harten Schule, an dessen schnaubend zur Schau getragener Autorität niemand zu zweifeln wagte.

Kein echtes Wunder im Land des Megabölkmanns LH Pröll, der einst einen mit leiser Ironie soziale Ungerechtigkeit anklagenden Dorfpfarrer zur Sau machte, dass die Besucher einer Messe bis ins Mark erschauerten, und in der Folge zu beängstigender Größe anwuchs, wie alle Passanten der Wiener Tangente in diesem Jahr bestätigen können.

Josef F. ist die aktuelle der stets nachwuchernden furchteinflößenden Gesichtsmasken der weniger erfreulichen österreichischen Zeitgeschichte, gestürzter dominierender Protagonist einer aufrichtig gebückten Geisteshaltung, gegen dessen Herrschaft niemand Widerspruch einlegte, weil die Leute Angst vor ihm hatten.

Jemand, der eine schreckliche, zynische Strafe über die eigene Tochter verhängte, weil sie nicht funktioniert hat.

Knaben und Mädchen, die nicht nach den Vorstellungen der Eltern gedeihen – wobei die Frau dem Mann machtlos zu Füßen liegen hat – werden in einer vorgeblich die guten Werte erhaltenden, kleinkariert rustikal-suburban verhängten Gesellschaft brutal nach hinten gereiht.

Wer vom Vater nicht zum Meister auserkoren wurde, hat in dieser harthölzernen Welt als Geselle zu funktionieren oder muß gnadenlos zum Knecht geprügelt werden, wenn das öffentlich verbürgte Zurverfügungstellen einer zweiten Chance im Leben keine Früchte trägt.

Diese zur Tugend umgestülpte Ausflucht wird überall dort proklamiert, wo die Erziehungsfehler der Eltern deren guten Willen überwogen, ihre Kinder bei Gesundheit und guter Laune in ein Leben in Freiheit zu entlassen, und niemand hat noch an diesem ungeschriebenen Gesetz zu rütteln gewagt, je eichenstämmiger und hammereisener eine Regierung den Ton angab.

Josef F., der Großinzestor,  nahm sich das Recht, seine 18-jährige Tochter, die er seit ihrem zwölften Lebensjahr sexuell mißbraucht hatte,  in ein Verlies zu sperren und zu seinem sadistischen Gaudium als Eigentum zu halten, weil Töchter in den Augen solcher Menschen weniger als nichts wert sind, wenn sie etwa zuerst in der Schule versagen und sich danach gegen einen bestimmten Heiratsvorschlag wehren.

Daß in diesem Fall Kinder gezeugt wurden, ist als regelmäßig besiegeltes Zeichen der Macht des Josef F., seiner Überlegenheit und Verachtung dem missratenen Kind und der unterlegenen Frau gegenüber zu verstehen – der Mutter, die in der Vorstellungswelt jenes Mannes alleine Schuld am Nichtgedeihen der eigenen Aussaat trägt.

“Sieben hätten es sein sollen.”

Wahrscheinlich wüssten mehr Menschen als bisher angenommen von merkwürdigen Geschehnissen, von Ahnungen und Beobachtungen zu erzählen, als ihre Angst es zulässt, in einem Land, in dem der schwer verantwortungsbeladene LH Erwin Pröll, dessen Haus dem des Amstettener Inzest-Fürsten im Fernsehen ziemlich ähnlich schien, bei den niederösterreichischen Landtagswahlen im Namen der ÖVP ganz Österreich auf das Fürchterlichste verbellte.

So groß und laut ist sonst kein Landeshauptmann in Österreich, und wenn er zähnefletschend an der Kette reißt wie der Hund von Baskerville, sollte man davon ausgehen können, dass Niederösterreich das kriminalstatistisch sicherste Bundesland Österreichs wäre, doch ereignen sich gerade dort die meisten mysteriösen Verbrechen.

Der Bürgermeister von Spitz wurde mit Strychnin vergiftet und dem mutmaßlichen Täter wird mit großer Wahrscheinlichkeit nichts nachzuweisen sein, zudem ursprünglich ein geschickt eingefädelter und ins Leere entschnürender Auftragsmord geplant gewesen sein könnte.

Stellt sich heraus, dass der Fall Kampusch nicht die Spitze des unsichtbaren Eispanzers gewesen ist, unter dessen Gewicht ganz Europa ächzt, werden Kerzen angezündet wie bei einer Totenmesse, zum Zeichen des Mitleides mit verletzten Menschen, die in Informationsquarantäne leben müssen, um nicht von ehrgeizigen Journalisten zerfleischt zu werden.

Ich stelle mir vor, dass in diesem Meer von kleinen Flammen auch die Stimmen der ängstlichen, zurückhaltenden, aber gutherzigen Menschen im Lande lichtern, die dem falschen Pack Regierungswütiger, unter denen solches geschehen kann, heimleuchten wollen.

Man wird sich in absehbarer Zeit wundern, wie im Hintergrund wieder eifrigst vertuscht worden ist, während vorne spektakulär aufgeklärt wurde.

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