CatCam

by morath

Ihr letzter Turn.

Verfasst von morath am August 21, 2008

Christiane F. und die Helden von gestern.

Die legendären Drogensüchtigen Kontinentaleuropas sind in die Jahre gekommen.

Doch was erwägen Mitglieder von Regierungen mit den Unbelehrbaren, mit jenen, die, wie man schon immer gewußt hätte, es bestimmt niemals schaffen würden?

Mit’m Dampfstrahler ‘runter vom Kiez und ‘rein in den Wannsee – oder lieber doch zu den freundlichen Ösis in die wunderschöne Buckliche Welt?

Britische Nachwuchsstars wie  Amy Winehouse und Pete Doherty lassen sich bei ihrer lässig zur Schau getragenen Verrottung prächtig vermarkten, und es bleibt nur die Frage offen, ob sie den Schritt ins Ausgedinge jemals antreten werden, angesichts der Mengen an Rauschgiften, von denen sie sich ernähren.

Aber ich, und du, und Müllers Kuh?

Im steiermärkischen Joglland oder im ehemaligen Sterbehospital Kainbach bei Graz, wo einst mein oft morfiumhungriger Großvater hinschied, ist genügend Platz für Leute, die eine wenigstens 25-jährige Drogenkarriere hinter sich haben, und mit über 45, wie es auch an den christlichen Sozialakademien gelehrt wird, arbeitsmarktpolitisch und psychosozial beim besten Willi nicht mehr unterzubringen sind.

Der Pappa hat mir gedroht, er würde noch persönlich dafür sorgen, daß ich eines Tages ebendort zu verrecken hätte wie der eigenhändig durchlochte Opapa, als sich herausgestellt hatte, daß das patchworkfamiliäre Erbschaftsabzocken bei den Schwiegerkindern doch keine g’mahte Wies’n, und selbst vom leibeigenen Sohn keine zur Seite flüsternde Unterstützung zu erwarten wäre.

Drogensüchtige haben ganz bestimmt kein schönes Leben.

Abgehalfterte Cops und ihre gedopten Undercovers jagen sie gnadenlos durch die städtischen Labyrinthe – und Vater Amtspsychiater läßt auch nichts unversucht, um sie zurück vor die Elefantenflinte zu treiben und dem finalen intramuralen Aufenthalt zuzuführen.

Ausnahmefälle – also jene, die sich wider die Prophezeiungen des sozialpädagogischen Bachblütenorakels nicht im Kampf um die letzte Schlaftablette die Hirnschalen eingeschlagen haben, werden als potentielle Staatsfeinde gebrandmarkt, und müssen auf Geheiß verschiedener Ministerien überwacht werden.

Hat man einen retardierten Drogenabhängigen – oder einen sozialarbeiterisch-psychotherapeutisch jahrzehntelang falsch  beschriebenen Menschen jenseits der 40 endlich dazu gebracht, zu gestehen, mehrfach behindert und kaum in der Lage zu sein, sich ohne Mittel der dem Bürger zustehenden Mindestsicherung mit Unterkunft, Kleidung und Nahrungsmitteln versorgen zu können – könnte er andererseits als ausgewiesener Pflegefall noch dazu beitragen, daß nahe Verwandte oder Einrichtungen wie der Grüne Kreis, das  Land Steiermark oder Narcanon über seinen Kopf hinweg noch Geld mit ihm verdienen können.

“Gewußt wie” – heißt die Devise, bei Verrechnung des höchstmöglichen Pflegesatzes an Sozialämter und Versicherungen, Sicherstellung von Erbmassen, sowie aktiver Mithilfe der Patienten, die aus arbeitstherapeutischer Räson das Kleckern und Klotzen großformatiger Dekorkunst, das pixelgenaue Nachschneidern von Sportdrachenmustern und Activewear für den nächsten Nationaltriathlon, oder das Mauern, Mähen und Melken auf Österreichs hochgelegenen Milchfarmen als späte Berufung erkannt haben.

Die nachwuchernde Szene der Ahnungslosen wird überwacht von Kohorten fippsgesichtiger Kleinstunternehmer von durch und durch schlechtem Charakter, dafür belastbar und flexibel genug, in allen trüben Gewässern hart über die Kante zu surfen, und zu deren Beflügelung Rassismus mehr als nur ein Wort ist.

Mitunter genügt in Österreich die  Androhung des Führerscheinentzugs, um selbst den hartgesottensten rothaarigen Springteufel einsichtig werden zu lassen, auf welche Seite er gefälligst zu hüpfen hätte.

Daß besonders während der Hundstage mit lockerem Joystickgeshifte auf der Emotional Engineering Box (fürchte Dein Jugendradio)  nachgeholfen wird, damit die urbanen Dschungelhöllen zwischen Graz, St. Pölten und Bad Tölz als befremdlich, beklemmend und von unheimlichen Stimmen durchdrungen empfunden werden, hat sich hoffentlich bald auf der ganzen Welt herumgesprochen.

Das Nachsperren von Wohnungen, Sachbeschädigungen, Suchungen, das Konfiszieren von Majoranzweigerln und Katzenmedizin aus einer abgeschlossenen Wohnung in einem Haus, auf dessen Dachgeschoß Diana VIII. von Scientology thront und verdaut, als Mittel zur Nervenfolterung der Hindernisse auf den Erfolgsstraßen aufgeblasener Wegschnupffilosofen, wo Einladungen der Sozialdemokraten zu Veranstaltungen von den allgegenwärtigen Augen der Sauberkeits- und Sicherheitssfirmen umgehend ausgemacht und ratzfatz entfernt werden, soll zeigen, daß das Leben gegen 2010 auch in einer Kategorie-A-Hauptmietwohnung kein genüßliches Bad in der wohltemperierten Wanne und keinesfalls sicherer als hinterm Vorhang der Mietnehmerdusche in der Fremdenpension Meier sein darf.

Wer lieber im Privaten Worte und Wörter absondert als großflächig zu malen, außerdem Substitutionsdrogen ablehnt, und trotzdem nicht auf den Bergbauernhof mag, muß ein dickes Fell haben.

Oder man entfleucht allenthalben zu Synanon nach Berlin, wo demnächst zu erwarten wäre, Christiane F. persönlich die Hand küssen zu dürfen.

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