Pene Hydal!
Kayseri am Kasperlturm.
Der Nervenarzt wirkt diesmal aufgebracht, verstimmt, ertappt.
Die Luft im Ordinationsraum seiner Mansardenpraxis ist verbraucht.
Das Zimtaroma, das eine inzwischen verlöschte Duftlampe verströmte, kann kaum noch den üblen Raumgeruch überdecken.
Es riecht hier so ähnlich wie in einer Peepshow.
Nach Handschweiß, Kokain und Poppers.
(Eine giftige Riechflüssigkeit von angeblich sexuell stimulierender Eigenschaft, die, bei äußerst vorsichtiger Anwendung, die Wirkung von Marihuana turboboosten soll.)
Heute wirkt die Niederlassung, deren erster Eindruck auf mich der einer geräumigen, lichtdurchfluteten Kurhalle für die Seele gewesen war, wie ein verschleissendes Raumschiff ohne Entkommen, der Raum des Mediziners, dessen Flucht und Gummizelle.
Ein zu fixen Zeiten kakaoschlürfender, drahtiger gebückter Kerl in einer dünnen gutsitzenden weißen Hose, cremefarbene Mokassins zu karierten Wanderstutzen.
Körperhaltung von Shrimps, die in der Spiegelhalle einer großen Ubahnstation Boogedy tanzen.
Erinnerte mich dieser Mann bei unsrer ersten Begegnung noch an den als sympathisch vorstellbaren Zeichner Rubinowitz, fallen mir an diesem Tag folgende Personen ein:
Kanzler Wolfgang Schüssel, diplômé Alois Stöger (der österreichische Gesundheitsminister, SPÖ) , der von der Justiz ungeschorene kriminelle Finanzierungsberater Horatius Schnaebele, eine lange Nase deutend, der ehemalige Kollege Einspoether, welcher vor Dr. Dr. Günther Nenning am christlich-sozialen Himmelstor noch Gnaden fand, bevor jener als einer der letzten Geheimräte der Republik selber hinübertrat und laut das Gatter hinter sich zuschlug.
Draussen fegt Schnee, beschleunigten Teilchen gleich, in einem Winkel von 45 Grad heftig gegen die Stadt.
Die Konturen des nahen Allgemeinen Krankenhauses wirken wie die Silhoutte der Hagia Sofia.
Ich bin betroffen, während der Doktor immer wieder von seinem Stuhl aufschnellt, an der Kante seines Schreibtisches mit den Fingerspitzen sich abstützt, um dann einen Stift, den er zwischen den Fingern dreht, einen mehrseitenflächigen Kugelschreiber ein, zweimal vor mich hinzuwerfen, als versuchte er mich – magisch – zu beeinflussen, indem er jämmerlich die Aufgebrachtheit einer Kollegin nachäfft.
Ich erlese einen Aufdruck, ein Markenzeichen, „Hydal.“
„Pene! Pene!“ erfahre ich da.
„Pene Hydal!“
Ich weiß nicht, was ich von diesem ungewöhlichen Verhalten halten soll.
Welche Rolle spielt dieser Docteur, der mich heute auffordert, mir gefälligst einen Job zu suchen, mir den Rat gibt, besser etwas aus meinem Leben zu machen, der die unbeherrschte Bespuckung „Rotzpippen“ gerade noch einmal hinunterzuwürgen scheint, die Gnadenlosigkeit des US-amerikanischen Sozialsystems anreisst, und von Menschen berichten könnte, die HIV-krank auf den Mount Everest stiegen.
Einen zähnefletschend vorschnellenden Werwolf mit rotem Käppchen?
Eine zum Buben regredierte Persönlichkeit, trotzig im strammen Hösle, dessen Gehabe ich nun spiegeln sollte, um Hilferuf und allgemeinen Aufruhr zu erzeugen und den Einsatz eines starken Beruhigungsmittels zu rechtfertigen?
Einen ehrgeizigen Wissenschaftler, der zwischen Kammer und Ministerien bereits übermaßregelt worden ist und in seiner Position menschliche Angst und Unzufriedenheit verspürt?
Oder doch nur einen Schulmeister Lempel, der den Überblick über zu viele nicht zu bändigende Kinder verloren hat?
Das mächtige Krankenhaus hinter dem lauten Tinnitus, dem weissen Rauschen, erinnert mich auch an ein preisgekröntes Foto aus Anatolien, das ich tags zuvor betrachtet habe.
„Mighty, mighty Kayseri!“ denke ich bei mir.
Dieser Mensch, überlege ich, hat Bilder aus meinen Aufsätzen und Geschichten drag and drop in sich aufgenommen, und versucht nun, sie wie Karten gegen mich auszuspielen.
Eine Zeichnung von der Marx-Brothers-Truppe, vielleicht ein Federschnitt, erinnert mich plötzlich an jene kleine Büste im „Steppenwolf“, die Harrys Empörung hervorrief und einen Höflichkeitsbesuch bei einem bieder bürgerlichen Ehepaar zu einem jähen Ende führte, indem er sich entschuldigte, er wäre schizophren.
Dieser Arzt hier glaubt, möglicherweise, wie Leute mancher Geistesschulen, an den Suchtmechanismus nach Art eines Schalters, den man sogar mit Zauberei, Kabbalah ähnlichen psychologoiden Methoden bei Menschen auslösen könnte, einer Art von gehässig praktizierter psychologischer Alchemie, obschon dieser Arzt sich Neurologe nennt, worunter ich einen Spezialisten verstehe, dem die Kurzlebigkeit eines Menschen und seiner Bedürfnisse bewusster sein sollte.
Auf dem tags zuvor bewunderten Foto fährt ein Paar auf einem bescheidenen Gespann auf einen der mächtigsten Hügel Zentralanatoliens in der Provinz Kayseri zu, der dasteht wie das schneebedeckte Relikt eines mächtigen Vulkans, so wuchtig und himmelhoch, daß man meinen könnte, es wäre der Aconcagua oder ein anderer Titan der Anden.
Habe ich nicht diesen Gipfel vor ein paar Wochen von oben gesehen?
Schon einmal, vor 25 Jahren, hat ein Seelenarzt, ein Spezialist, Primarius Willibald Leitner, versucht, mich zu demotivieren und negativ zu beeinflussen.
Wenn es nach ihm persönlich ginge, sagte jener damals, würde er mich keinesfalls aus dem Prokesch-Osten-Institut entlassen, entgegen einer Vereinbarung, man könnte jederzeit abbrechen.
Ich würde innerhalb sehr kurzer Zeit jämmerlich vor die Hunde gehen, gab er mir mit auf den Weg.
An dessen anderem Ende befände ich mich nun.
Man wollte mir, rasend vor Wut, nun beweisen, in wessen Händen mein Schicksal wäre, will mir vorkommen.
„Pene Hydal!“, wird noch einmal der Kugelschreiber vor mich hingeworfen.
„Ja. Ja.“ denke ich, enttäuscht, „Three – is the magic number.“
Das Gespräch ist beendet.
Ich spüre zuerst eine nervöse Magenübelkeit, dann Panik an den Nieren, beruhige mich in der Apotheke mit klassischem Interieur wieder, in der ein Wohlgeruch herrscht und Gleichmütigkeit, in der ich stets wie ein Kunde behandelt werde.
Danach werde ich direkt in eine Falle der Drogenkoordination geleitet.
Ich habe im vorigen Eintrag darüber berichtet.
Ten Little Blacks
(The name of the game.)
I write here for humans.
How native „drug coordination“ keeps on working.
To get home from the psychiatrist, whom I have to meet regulary, on medical advice, to be protected from public drug abuse assumption, I bought myself a single ticket, like I’m used to do.
The doctor, according to what he might have been advised to imagine what might be the psychological essence of what I publish, did his best to overclock my soul.
I’ve already become used to being followed and observed, whenever I leave the house.
I report occasionally.
I look into peoples faces, that’s why I’m able to recall most of them.
I know who you are.
On the U6, one station before I normally quit, two special controllers jumped in and managed to keep me from stepping out right in time.
Leaving the train one station too late, on the Danube Island, I perceived that shaking threeheaded team of glory, all those eyeshaded, earwhispering dudes hanging around the stations seemed to be after, with mostly little success.
That was what officials call a cooperation offer – from another point of view.
They did not forget to place coins in the trashcans.
This is how the ministry of inferior efforts to create video base cuts to justify and continue observation, and this kind of aggressive observation means torture.
This is the automatically recruiting war of infamy.
There are always dropnoses who believe their way to success would lead over dead human bodies.
This is not the useless civil war against meaningless drug dealers as usual, it’s another battle push against immigrants in general, and especially against people from Africa.
Don’t even try to understand austrian inborn politics – they smiling shite on your heads, shadowsurfing an insecure european course.
Here rotates the birth mill of the nazi beast, that assassinated more than six millions of jews, roma and others that wouldn’t fit into their system – which equals the total of austrian inhabitants.
This is bloody political.
For the people in the background are neither blacks nor whites, only criminals – but corruption won’t be discamouflaged by the sonic youth streetshow on the city subway drug scene.
Those on that stage have to trade what has already been seized, ordered by cynically hissing hairbleached pimps, or whatever else disgusting piece of reality turned out from their dream bubble in the golden soap heart of Europe.
What remains is a blaming farce.
They pay creeps like the burglar into our former flat a nose operation and let them furnish their municipal flats with other peoples properties.
Our officials would fire the hydrogene to deflect from that.
Effortfully they are looking for people under psychological pressure to witness lousy trades and light a convenient yellow press bust.
I’ve been repeatedly pushed against this special offer with my muzzle.
I can read the subliminal message.
I consider this a personal insult and a big hammer against the remaining social achievements of this nation.
It’s easy to blackmail people out in the cold.
Asylum seekers are facing a new „Operation Spring“ and it shall either be against the coalition governments credibility or for the neonazi oppositions benefit.
I had been determined to become treadmilled down somewhere between the ministry of interior and the ministry of justice, for being misoverestimated.
The chairman of the oilpumpkinfarmer association and the pronounced-proud-to-be-non-jewish uncle with the lop-sided grin let schejn greet.
They are trying to banish me.
They used a narcotic med, a soldering iron, a fire extinguisher, a cable with blank ends in ‘94.
One tooth with a heavy filling literally exploded, and left a deep hole in the lower jaw.
Someone had placed a bug powder vapourizer under my bed.
They drove me around in a cold car for hours and hung me upside down into a municipial cool house.
Those people infected me, using a butterfly needle from the hospital dirt, cordially wishing me I cought HIV.
I was torturized until my heart stopped beating.
They reanimated me, using an emergency defribillator.
I suffer from a metabolic disease, chronical nervous pain and panic attacks.
That’s why I have today let me title the general befouler of the Heimatnest.
Poco Loco
Where shall it go?
Tiger cub enjoying the fading first sunbeams of the year in the Schönbrunn Tiergarten (01/26, shot through fingertapped glass).
Adult (female) siberian Tigers claim a territory of at least 300 km².
One can perceive how stressed one old tiger (the mother?) turns its two minutes rounds, to the unbroken pleasure of of the highly esteemed public watchers.
I had to remember one guard mention living inventory.
This turned my mood a little sad, regardless my appreciation for the Viennese zoo.
The Man With The Blonde Bread
Silly english - news for the unknown suspicious.
„You can now prepare the pretzels.„
The more we effort to ban them back in past, the closer they come.
When it comes to torture stuff, the tough gets going.
For it happened in the past, the future became more important.
The woman pretended she only acted in aesthetic movies.
It was always the deep conflict with my dad that kept me from other ways.
I like the pink styrofoam balls the most.
The behaviour of the incapables rerolls.
I could never imagine a peepshow from inside.
The typical cop copist copies cops.
A special kind of people see brutality on TV and feel a need to replay.
In the past, motor engines had to be handcranked.
„What you need now is a strong man.“
Ist Onanie schädlich?
Frage in großen Lettern auf einer Ausgabe der Serie „Eltern“, burda-Verlag, späte neunzehnhundertsechziger Jahre.
Als Kind masturbierte ich häufig.
Vor einer Fleischhauerei, in der die Mutter regelmäßig Fleisch mit Zuwaage einkaufte, befand sich ein Hydrant.
Drinnen lag rüschenartig bleicher Rindermagen in der Vitrine, ähnlich altmodischen Damenbadehauben, neben blutigen Innereinen in Blechschalen, was mich abstieß.
In der Nähe des massiven Wasseranschlusses befand sich auch ein Pez-Automat, mit Pez in zwei Geschmacksrichtungen, Haas-Traubenzucker und Pez-Spenderfiguren, weiters ein seltener Bazooka-Kaugummiautomat.
Der Geruch in dem kleinen Fleischerladen war mir nicht angenehm, also hielt ich mich lieber draussen auf, und hoffte immer wieder, die Mutter würde für mich wenigstens 50 Groschen in einen der Automaten werfen, was kaum je geschah.
Einmal klammerte ich mich im Spiel an den Hydranten.
Ich trug eine kurze Lederhose mit Klappe und stellte mir vor, in einem U-Boot das Periskop zu führen.
Der Druck meines Unterleibs gegen den eisernen Pfahl löste nach kurzem Gerucke ein heftiges angenehmes Gefühl aus.
Mit der Zeit fand ich heraus, daß sich die Sensation auch an anderen Objekten auslösen ließ, an Tischkanten, Stiegengeländern und Türen, wenn ich mich an die Schnalle hängte.
Einmal hatte es eine junge Friseurin geschehen lassen, während sich meine Mutter Dauerwellen legen ließ, daß ich mit ihren Zehen spielte, die mir gut gefielen, weil die Nägel hübsch lackiert waren.
In der Teeküche des kleinen Frisiersalons rauchte sie eine Zigarette und ließ zu, daß ich ihr unter den Kittel kroch.
Erst als ich an ihren Strumpfhaltern zog, und dazwischen etwas ersann, was mir äußerst attraktiv erschien, stubste sie mich sanft zurück.
Aber sie zog mich erneut, nach ihrem Willen, an ihren Körper und ich spürte ihren Schoß und ihr Knie, bis das schöne Gefühl kam, und sie streichelte mir schnurrend den Kopf, während ich die Spitze ihres Busens fühlte und in ihrem köstlichen Duft schwebte.
Sie sagte ganz leise zu mir: „Jetzt bist du mein Mecky.“
Später unterbrach ich immer wieder das Aufgabenmachen und klammerte mich für eine halbe Minute an die Säule des Stockbetts im Kinderzimmer.
Als die Mutter das herausfand, schlich sie sich immer wieder an, um mich zu überraschen und zu stören.
Je näher ich der Pubertät kam, umso mehr interessierte ich mich für Mädchen, wagte aber nicht, sie anzusprechen.
Mein Vater las verschiedene Männerzeitschriften.
Als ich herausfand, daß nackte Frauen darin abgebildet waren, wurde ich sehr neugierig und änderte meinen Masturbationsmodus, weil ich schnell Erektionen bekam, wenn ich sie mir ansah.
Dabei wich immer weiter die Vorhaut zurück und es zuckten Tropfen tauartiger Flüssigkeit herauf, während rund um den Penis einzelne Haare auftraten.
Als ich mich in einem Sommerlager an der Adria in ein Mädchen mit langen blonden Haaren verliebte, das junge Brüste hatte, sich die Fingernägel feilte und Pantoffel mit kleinen Absätzen trug, fasste ich bei einem Spaziergang meinen ersten jungen Mut zusammen, sprach sie an und machte ihr ein Kompliment.
Es war eigentlich einfach, und ich fühlte mich danach locker und energiegeladen, wie ein hüpfender Tennisball.
Gegen Ende des Sommers mußte ich häufig an das Mädchen denken.
Ich blätterte in Pappas Männerzeitschriften, wo es zwischen viel politischem Inhalt aus Deutschland, für den ich mich gar nicht interessierte, auch ein Dutzend Nacktfotos zu bestaunen gab.
Eines Tages hielt ich meinen Samen in der Hand und roch daran.
In dem kleinen Roten Schülerbuch stand zu lesen, daß alle Menschen masturbieren, auch Eltern und LehrerInnen.
Ein paar Jahre später später klagte die Mutter der katholischen Sozialarbeiterin Hutterer unter anderem, daß ich als Kind häufig onaniert hätte.
Als ich mir einmal den Inhalt von ein paar Morfiumampullen in eine Vene injiziert hatte und von einem Sofa rutschte, wachte ich der Jugendpsychiatrie auf, mit einem schmerzhaften Blasenkatheter im Unterleib.
Da mich auf Geheiss Frau Hutterers weder meine Mutter noch mein Vater mehr zuhause duldeten, war ich davon zu überzeugen, mich hier eine Zeitlang zu erholen.
Ich war nach einem schnellen unsteten Jahr, wie eine wildes laute Rockmusiktournee, mit langen Ausflügen per Anhalter und allerhand dröhnenden Erlebnissen, aufgerieben, und hatte Existenzängste.
Ich litt zudem unter der Voraussicht, eine Haftstrafe verbüssen zu müssen.
Der Stationsarzt schien für mich Verständnis zu haben.
Er ließ meine Argumente gelten, die dort üblichen schrecklichen Medikamente zu verweigern, und ich durfte nach ein paar miesen Tagen mein wenig Kleidung aus dem Depot holen, damit ich mich wohler fühlte.
Mit entblößtem Oberkörper räkelte ich mich in der Sonne eines milden Herbsttages im ummauerten Garten der Station.
Es gab einen Buben mit Down-Syndrom, der einen Sturzhelm trug, weil er sich gerne Treppen hinunterkugeln ließ, der hob laut schnaufend und sich selber anfeuernd mit einem Spaten Löcher aus dem Rasen, tief wie Gräber.
Mona huschte in einem engen in Regenbogenfarben geringelten Wollkleid in die Abteilung, brachte Bücher und Spiele mit, beschäftigte sich ein wenig mit unterschiedlich behinderten Jugendlichen und schien mich aus den Augenwinkeln zu beobachten.
Ein häufig agitiert umherpolternder Knabe namens Ruediger wurde in ihrer Nähe brav und heiter, und spielte drollig gängige Lieder an, auf einer kleinen Wandergitarre.
In einem hinteren Zimmer lag ein fahler junger Mann im Gitterbett, der während Monas Anwesenheit offensichtlich masturbierte und dabei laut stöhnte.
Nackten Unterleibes entkam er einmal zur Mittagszeit aus seinem Käfig, röhrte tief aus der Brust, riß ein mächtiges Wandkreuz mit einem käsigen Christus aus PVC herunter und ging damit auf zwei Pfleger los, die ihn bändigten und sogleich mit Spritzen ruhigstellten.
Er war ein großer Apparat von Mensch, stark dunkel behaart, und trug einen dichten Gesichtsbart.
Weil mich die juvenile, scheinbar gelassene Mona, die ein ansehliches Profil besaß, anzog, setzte ich mich in die wärmenden Sonnenstrahlen der verglasten Veranda zu ihr, und wir führten eine kleine, aber erfrischend geistreiche Konversation.
Sie bemerkte wohl, daß sie Gefühle in mir erweckte, und erschien regelmäßig.
Etwas abseits von Kindern und Pflegern rauchten wir miteinander eine Zigarette.
Grün zittert.
Gegen die eigenen Windmühlen.
Die österreichischen Grünen versuchten am vergangenen Wochenende, die beinahe einstimmig erfolgte Wahl von Eva Glawischnig zur Parteichefin so zu zelebrieren, als könnten sie regionale Wahlen zu Landtag bzw. Gemeinderat in sechs Wochen zu ihrem Vorteil entscheiden.
Wer kandidiert eigentlich in Kärnten und Salzburg an vorderster Stelle?
Oder im April in Vorarlberg?
Von ungleich schicksalshafter Bedeutung: Im Juni kandidiert Ulrike Lunacek fürs Europaparlament.
Johannes Voggenhuber ist raus.
Lunacek freut sich auf ihr bequemes Bett.
Es liegt die Vermutung nahe, daß der Auftakt zum Untergang der Grünen beim Urnengang in Salzburg erfolgt.
Mit Lunacek setzen die Grünen vornehmlich auf die Stimmen kämpferischer Emanzen mit Neigung zu gleichgeschlechtlicher Dominanz.
Daran kann die langjährig strebsame, glaubwürdig, kompetent und vernünftig wirkende Eva Glawischnig nichts ändern.
Das leichtfertige Jonglieren mit den Gewichten unberechenbarer Randgruppen ist schon hochkarätiger politischen Menschen schlecht bekommen.
Mit Voggenhubers Rückzug wird die langjährige Internet-Aufklärungsarbeit von Peter Pilz, mit dem verbliebenen linksleichten Subkultur-Odeur, zur vergebenen Liebesmüh’, weil eine warme Weiberpartei interessiert keinen Österreicher, und die Innen sind im Durchschnitt leichter zu motivieren, großspurigen Helden wie Heinz-Christian S. voller Entzücken zuzujubeln oder den potentiell wechselfarbenen Harald V. als richtigen Kerl einzuschätzen, der eine Frau auch beschützen kann.
Man resümiere zur Erinnerung das ernüchternde Ergebnis der Wahlen zum Nationalrat.
So könnten die kleinkarierten mittelösterreichischen Landtagswahlen nicht nur ein Familienrutschen am Haushang, sondern eine kontinentale Talfahrt der Grünen einläuten.
Das wäre ein schlechtes Zeichen in Europa.
Prinzessin Löwenherz.
Bussi aufs Wangi vom Onkel Josef.
Mit der Amtseinführung der parteifreien Justizministerin Claudia Bandion-Ortner hat die Sauregurkenzeit im Österreich des Jahres 2009 bereits im Jänner begonnen.
Verbringen Sie einen guten Teil Ihrer Zeit vor einem Computer?
Na? Na? Na also.
Sich den Kampf gegen Korruption mit dem Mut einer Löwin auf das Fähnlein zu heften, hört sich putzig an und passt gut in unsere kleine Welt, die wir lieben schon, aber nicht hassen dürfen.
Wer war in den vergangenen Jahren Justizminister?
Vor der Supplierstunde durch Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) die strengblickende, ansonsten wenig auffällige, ehemalige EU-Abgeordnete Maria Berger von der SPÖ.
Und davor?
Klick auf Karin Miklautsch-Gastinger, von der FPÖ-BZÖ, dem Rufe Jörg Haiders 2004 trotz öffentlicher Abwertung zum Boxenluder gefolgt, 2006 abgeprallt an Peter Westenthaler, der sein hohes Ziel, Innenminister zu werden, auch mithilfe Wiener Twinni-AmbitionistInnen, zur allgemeinen Erleichterung niemals erreichte.
Frau Bandion-Ortner hatte als Richter im Bawag-Prozeß einige Zeit Gelegenheit, sich in die psychologisch komplizierte Realität österreichischer Strick- und Walkwarenwirtschaft auf einem Finanzglobus ohne Rücksichtnahme und Verlass einzulesen.
Wozu sie die Zusatzqualifizierung über das Zauberwort Sittenwidrigkeit zweifellos mit Erfolg abgeschlossen hat.
Wer diesen Begriff gekonnt zu kneten und auszuziehen weiß, macht es sich in der europäischen Musterrepublik nicht allzu schwer.
Das lese ich Ihnen als Laie aller Sparten auf die Hand.
Derweil es der ganz normale jungunternehmende Kaffeesieder auf der andauernden Suche nach seiner politischen Heimat hinter einem niglnaglneuen Klärschlammanalysethermostat mit La-Cimbali-Plakette beim geneigten Einrühren von Nescafé in warmes Wasser im Gesicht brodeln und zischen lässt wie der Schneeberger-Onkel bei der improvisierten Weinverkostung, nachdem er auf einen Trip durch die Häuser Tapler und Trattner einmal bei meinen Eltern gelandet war.
Ich empfehle zum Wochenende einen pikanten Salzgurken-Krautstrudel, den man sowohl als Hauptmahlzeit mit Röstkartoffeln, als auch als Einlage in eine diskret gekümmelte Saure-Milch-Suppe mit Schnittlauchspitzerln genießen kann.
Na? Na?
Mahlzeit und Prost.
Suggestionen?
Nationalsozialismus ist keine Weltanschauung, sondern ein Verbrechen.
Die Gültigkeit dieser Faustregel ist nicht außer Kraft gesetzt worden, obwohl Rechtsextreme auf der ganzen Welt, in Österreich die Jugendorganisation der ganz normalen FPÖ, an diesem Prinzip im Vorfeld einer geforderten Abschaffung des Verbotsgesetzes, wilde hämmern und reissen.
Inzwischen können „alte Herren“ locker die Hand anhebend parlamentarische Gelassenheit zelebrieren, und nur zu Wahlkampfzeiten starten besondere Helden wie der alternde Neo-Pimpf H.C. Strache bierbölkend über die Böschung, daß die Kabel schnalzen.
Dagegen entschieden Stellung nehmen zu wollen, ist bei uns so erfolgversprechend, wie für den „Gaza-Konflikt“ die richtigen Worte zu suchen.
Die Nachrede, der hingeschiedene Wiener Altbürgermeister Helmut Zilk wäre so überväterlich gewesen, für ein paar dumme Buben schulterzuckend eine Hand zu opfern, wäre entweder zu idealisierend oder pietätlos – auf jeden Fall nicht beweisbar.
Per Gerichtsurteile und ORF ist es hierzulande tabu, noch immer an der korrekt recherchierten und judizierten Rekonstruktion der Bombenattentatsserien der Neunzehnhundertneunzigerjahre zu zweifeln.
Interessiert angeblich auch keinen mehr, ist längst schon Zeitgeschichte geworden – und man darf dem üblen Narren Franz Fuchs kein Denkmal setzen.
Daß genau der einer der verklärten Helden des rechten Untergrund-Nachwuchses ist, was kein Rechtsradikaler zugeben darf, ohne von seinesgleichen geächtet zu werden und mit lebenslanger Verfolgung bedroht, mag weit über harmlose Hitlerbubenträume hinausgehen.
Aber ganz genau wissen wir nichts.
Man ist bemüht, Knaben wie Michi W. die gesetzgebenden Hände laut und von Tafelkreide staubend vorm Gesicht zusammenzuklatschen, und sie noch einmal unbehelligt davonkommen zu lassen.
Weil die Vergiftung durch nationalsozialistisches Gedankengut an Grad und Nachhaltigkeit ungefähr jener nach einer gleichaltrigen gruppenspezifischen Drogenexperimentierphase gleichzusetzen wäre.
Das meinen christlich pädagogische SozialpsychologInnen, deren Wissenschaft ein paar Jahrzehnte hinterherhinkt, die ansonsten aber schlicht gutherzig wären, solange es nicht um sehr Persönliches ginge, etwa um blutrünstige Eifersuchtsphantasien.
Mehrfach vorbestraft heisst jedenfalls schnell: ein Verbrecher – und von dieser Brandmarke ist schwer freigesprochen.
Es wurden einmal einem österreichischen Polizeibeamten die Hände durch eine Bombe weggerissen, und er hat damit leben gelernt, daß die eigenen durch nichts zu ersetzen sind:
dem ist wahrscheinlich schon egal geworden, ob Rotlichtmilieu, Rechtsradikale oder ausgerechnet der Fuchs dahintersteckte.
Dass der für ein Privatfernsehen in Cowboystiefeln und Holzfällerhemd durch eine Justizhaftanstalt stöckelnde, politisch faschingströtende FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky für Jugendliche ein schlechtes Vorbild abgibt, müsste man ihm erst beweisen, was schwer fallen könnte, bei einem Nationalratsabgeordneten, der sich auch für Katastrophenalarm und Umweltschutz engagiert hat.
Das ist so ähnlich wie mit den österreichischen Pfadfindern.
Etwas hätten sie den „Roten Falken“ voraus – daß sie eine weltumspannende, überparteiliche, überkonfessionelle Jugendorganisation wären, bei denen jungen Leuten bestenfalls beiläufig beigebracht werden soll, die spätere Absolvierung eines Kriegshandwerkdienstes als normale Vaterlandspflicht zu empfinden.
Und daran kann ja nichts Schlechtes sein, oder?
Die Antwort, indessen, lauert irgendwo da draussen.
Spoekenkieken.

Sie wollen nicht verstehen.
Es gibt Tage, an denen bin ich sprachlos.
Ich öffne die Zeitungsseite und lese die Schlagzeilen, schaue mir Köpfe und Gesichter an, und was Leute daruntergeschrieben haben.
Ich weiß dann nicht mehr, was ich sagen soll.
Ich habe auf einmal kein Interesse mehr, genauer nachzulesen und selber etwas beizutragen.
Ich war bei einer Veranstaltung.
Man hatte alles an Einsatzkräften aufgeboten, als wollte man demonstrieren:
„Schauen Sie, was wir alles tun für Ihre Sicherheit.“
Es waren dort mehr oder weniger verbundene Menschen.
Es gab jedenfalls Gelegenheit für österreichische Politiker, sich zu positionieren.
„Jetzt san’s doch nicht so angerührt! Wir sind hier doch alle für Frieden, oder? Für Ausgewogenheit und Gerechtigkeit. Und weit und breit kein Rechtsradikaler!“
Ich habe über Botschaften, Reihenfolge und Szenario nachgedacht.
Ich muß mich abgrenzen gegen Menschen, die mir zu nahe treten, indem sie mich ständig auf die Probe stellen wollen, weil sie so neugierig sind, und weil sie grobe Theorien haben.
Sie-rufen-mich-in-aller Früh-und-reden-mich-scharf-an.
Meine Eltern gehen mir nicht ab.
Ich bin kein Probierbürschlein.
Ich habe kein Interesse, fremder Leute Wohnungen zu betreten.
Wollen Sie meine Hoden abtasten, wissen, ob ich beschnitten bin, oder meinen Sie wirklich, daß auf der Meile zwischen U1 und U4 geheimnisvolle Kräfte auf mich einwirken, denen ich irgendwann nicht mehr widerstehen kann?
Wir sitzen in verschiedenen Zügen.
Sie interpretieren Nachrichten, die nicht an Sie gerichtet sind.
Ich beschreibe und lichte Dinge ab, die mich beeindrucken, Orte, wo ich nachgesonnen oder mich wohlgefühlt habe – oder was auch immer.
Es sind nicht verzweifelte Botschaften hineingepackt, die sie meinen, herauslesen zu können.
Das ist Spoekenkieken.
Ich verbringe die meiste Zeit zu Hause.
Ich bin Hausmann und paranoid.
Ich habe keine Zeit.
Tim und Struppi.
Im Waldheimat-Kindergarten.
Die österreichische Distanzierung erfolgt beteuernd, repetitiv zeremoniell, während hinter den Kulissen das alte Gespenst erneuert lospoltern kann.
Die Angst vor seiner Anwendung samt Repressalien ist groß – sehr groß – und das politische Bewusstsein des Österreichers dazu ausgeprägt, im allerletzten Moment auf die rechte Seite zu hüpfen, nicht ohne danach zu trachten, schnell noch etwas von drüben an sich raffen zu können.
Das ist bekannt, und deshalb ändert sich nichts.
Eckpfeiler des Nationalsozialismus sind die Blendung, die Einschüchterung, die argumentative Gegenwägung, die mimisch korrekte Lüge, die rhetorische Verdrehung, das aggressive Schmeicheln und das unausgesprochene falsche Versprechen.
Im Prinzip gar nichts Neues, auch wenn man sich heute bemüht, anstelle der in der Hochzeit des Mittelwellenradios ausgereizten Rolle des Pervitinhysterikers einen Typ emotionslosen, sachlichen, kamerastabilen Technokraten auf die Bühne zu rollen, dem außer der Marotte, in seiner Freizeit ein Beatleskapperl zu tragen, gar nichts Außergewöhnliches anhaftet.
Wir können Herrn Graf ruhig glauben, überhaupt kein Nazi zu sein, solange wir Herrn Kier geglaubt haben, ein richtiger Liberaler zu sein, der persönlich lieber lebensfreudig an Strapsen fummelt und sich über die Versammelten abkekst, als bei einer Bildungsveranstaltung einen Vortrag zu halten, deren Honorar er gerade verschwelgt.
Faschisten in allen Erscheinungsformen sind nur Mittel zum Zweck, je dümmer und willfähriger jene ganz hinten in einer immer länger werdenden Reihe, umso besser für die ganz vorne, die einfach wissen, wie man es macht, weil sie es noch bei den Alten gelernt haben, und an die Jüngeren weitergeben, die zu verstehen andeuten, daß sie begriffen haben, worum es geht.
Braun und Blau.
Neues System – wieder durchschaut.
Das Ende meines extramuralen Daseins rückt näher.
Aus dem politischen Sittenbild Österreichs schreit es nach Zwangsverwahrung.
Ich laufe über die frostige Krumme hinter Biedermannsdorf.
Vom Anninger schallt das Signal eines Horns.
Das Gekläffe der Hundemeute durchlichtet den Wald.
Jagdzeit, die Regierung läßt laden.
Dr. Gabriella Frische, Dr. Ewald Stangl-Moser, Primarius Dr. Tertius Gottlieb, der listige Gerichtspsychiater Dr. Dr. Hans-Christian Hoeller, Kreuz am Revers, der grimmige Polizeipsychologe Meier, Frau Psychotherapeut Hutterer, Wetterfleck und Trachtenhut, eine schwere Nashornbüchse geschultert, der eherne Küfer Jaga Hans’l mit der großen Rebscher’, und Reinkoether, der pfiffige Förster vom Silberwald im grünen Gewams – sie alle nehmen daran teil.
Letzter spannt, in sportliche Konzentration vertieft, seine Armbrust.
Der Sozialarbeiter Schulze, im Staubmantel zu grünen Wollsocken, gesellt sich spät zur Gesellschaft.
Er hat in der Eile keine andere Waffe gefunden, und dreht den Playboy vom Dezember zu einer harten Keule.
Am Husarentempel treffen sie sich, bei flackerndem Fackellicht.
Die Ärzte recken Syringen und Spritzen, tragen Impfpistolen und Betäubungsgewehre.
Natriumpentathol und Haloperidol, Therapie statt Freundschaft, Morgensport oder Extrapyrimadon statt Schlafzuschlag und Internet, heisst dieser Leute Munition.
Warnschüsse werden in die Luft gepfeffert.
Sie werden verstärkt von der deutschnationalen Front, die von der Lokalbahnstation Guntramsdorf aus das Gelände Richtung Traiskirchen durchkämmt.
Ihr Anführer, Gothenberger, trägt einen Schuhbürstenhaarschnitt, und hat sich eine magische Kette aus Schrumpfköpfen um den speckigen Nacken gehängt, der wie poliertes Nilpferdleder im Mondschein glänzt.
Scharf singen ihre Sensen, und sie rufen sich von Radius zu Radius den Sprechgesang zu:
„Schwingt, Deutschmeister, schwingt! Lasst keinen aus! Lasst keinen aus!“
Seit Tagen kreuzen Lothrich und Wickenburough in einem mit Felddecken verhängten Lieferwagen langsam durch die Straßen des Viertels.
Sie haben den Entschluss gefasst, mich auf dem Weg zum Einkauf zu überwältigen, in eine Zwangsjacke zu bugsieren und hinter den Semmering zu verbringen.
Nie wieder soll ich Europa verlassen können.
Im Schwanberger Irrenhaus muss ich gebeugt werden, mit Cis-Sordinol, Truxal und Melleril.
Elektroschocks und feuchte Wickel bei geöffnetem Fenster sollen die Wirkung noch verstärken.
Danach soll ich nach Kaltenbach-Hollenegg, nahe dem Stammsitz der Familie, überstellt werden und nach natürlicher Verwachsung gesunder Frakturen, bei heilenden Minusgraden im Heu, endlich als Bursche dienen.
So will es der greise Doktor Heim, der die Ehrenleibarztschaft übernahm und dem Vater das Versprechen in die Hand ablegte, noch eigenhändig diesem Sohn das Kreuz zu brechen.

