Hans Peter Martin verkauft sich gut.
Hans Peter Martin hat den österreichischen Politikern, Parteien und allen WählerInnen gezeigt, wie man es richtig macht.
Es dauerte ein paar Tage, bis ich die Bedeutung seiner 17,9 Prozent bei der österreichischen EU-Parlamentswahl richtig einordnen konnte.
Im Gegensatz zu den Spitzenkandidaten musste Martin weder aufschneiden, noch hetzen, noch lamentieren.
Dem mehrfachen Gejammer über die außerordentliche, unfaire, unsportliche Rückendeckung durch die Kronen-Zeitung kann ich nicht beifallen.
Hans Peter Martin kann seinen persönlichen Gewinn anlegen und verbrauchen.
Er hat durch die Teilnahme als Kandidat zur österreichischen EU-Parlamnentswahl durch die zu errechnende Wahlkostenrückerstattung nennenswert Geld verdient.
Ein Schelmenstreich, wie ihn die Leute gutzuschätzen wissen.
Hans Peter Martin weiß sich gut zu verkaufen, trotz Wirtschaftsflaute, trotz Krise.
Wenn er dafür eintreten will, daß sich die europäische Demokratie durch mehr Bürgernähe auszeichnet, so ist das ein durchaus positiver, glaubwürdiger und lobenswerter Vorsatz.
Er wird damit keine Revolution vom Zaun brechen, er muß nicht grundlegend das System ändern und keine Schlachten schlagen.
Ob er auf nationaler Ebene ähnlich teilhaben kann, wird sich zeigen.
Ein politischer Querkopf, dessen Auftreten mir nicht besonders sympathisch ist, und den ich wahrscheinlich niemals wählen würde, macht es bei Maßgabe widriger Umstände immerhin gescheit.
Daß aus seiner Einzelkämpfer-Demo Verbesserungen sozialer Mißstände erwachsen werden, glaube ich nicht, aber vielleicht können österreichische Parteien von ihm lernen.
Das allmähliche Verdauen des Wahlergebnisses hat meinen verdüsterten Alltag, mein beschattetes Leben, etwas aufgehellt, und zu einer persönlichen Entscheidungsfindung beigetragen.
Ich werde nicht als Versuchstier an einer pharmakologischen Studie teilnehmen, deren Wert mir fragwürdig erscheint, und deren Auswirkungen meine Lebenssqualität zu sehr einschränken würden.
Ich kann dem Gesundheitssystem und der Wiener Gebietskrankenkasse die Kosten für eine Leberbiopsie einsparen helfen.
Die Creme, die mir eine sympathische Frau Doktor, die ich gerne sehe, gegen eine „Kontaktreaktion“ an einem empfindlichen Körperteil verschrieben hat, hat über Tage nicht so gewirkt, wie sie sollte.
Es ist wohl eine Salbe, die in ähnlichen Fällen klinisch aufgetragen wird, damit gut versicherte Patienten länger auf Station bleiben.
Ich applizierte am Abend des dritten Tages zur Abwechslung ein Wundgel, das man gerne an den Ambulanzen verordnet – es brennt ein wenig, zeigte aber schon über eine Nacht mehr Wirkung.
Da ist Jod drin.
Demnächst muß ich mir ein Auge operieren lassen.
Ich hoffe, ich werde danach besser sehen.
(In Österreich passieren unterm Tisch Dinge, die sind dem Durchschnittseuropäer unvorstellbar.)
Tags: Europa, Europe, European Union, Gesundheitssystem, Satire, Social Democrats, Sozialdemokratie, Torture
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Aufzeichnungen eines Schizophrenen.
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