CatCam

Der Hund mit der Lederkappe.

Lochstopfen oder: Rechtswählen für 20 Euro.

Soziale Schutzgelderpressung oder nachvollziehbare Erwartung des vom großen Glück verschont gebliebenen Österreichers?

Worum es geht, will ich gern erklären:

Wäre meine Mindestsicherung nicht befristetet durch eine Invaliditätspension abgedeckt, wäre ich beim Stand meiner Behinderung und gesundheitlichen Beeinträchtigung als österreichischer Staatsbürger aufgrund eines Lecks im System ganz und gar von der Großmütigkeit meiner lieben Frau, der Bezieherin eines hart verdienten Einkommens, allein abhängig.

Das theoretische Anrecht auf Sozialhilfe bei Einkommenslosigkeit beider Ehepartner ist dabei kein Trost.

Daß Ähnliches in -zigtausend ähnlich gelagerten Fällen tragisch zu enden droht, liegt auf der Hand:

Auch die Seele ist nur begrenzt belastbar.

Die Menschen leben in Existenzangst, und man sollte darüber keine Witze reissen.

Österreich heute, das ist auch mein Schicksal mit sechs Nullen.

Es gibt Abertausende von weniger oder mehr behinderten Menschen, die hat man über Jahrzehnte man nicht zu beflissen funktionierenden, hyperflexiblen oder abgedreht geschäftstüchtigen Leuten schmieden können, und die sind heute, aufgrund ihres Alters und ihres Gesundheitszustandes, nicht auf blankpolierten Schienen in einem schrumpfenden, persönliche Ressourcen verschlingenden Arbeitsmarkt unterzubringen.

Man könnte tief in die Kiste mit den gußeiserrnen Sprüchen greifen und sagen – ja, ja – jeder wäre allein seines Glückes Hämmerer, die Augen verschließen, die Arme verschränken und den Drehsessel um 180° Karrussell fahren lassen.

Soziale Probleme mittels kommunalpolitischer Frühstücksxperimente durch behördlich verordnete Hausstandsauflösungen mit anschließendem Therapiezwang – weit gefehlt – persiflieren zu trachten, zeugt von der überstrapazierten Lust an persönlicher Machtausübung seitens einer Gruppe, die sich durch soziale Kompetenz und den Willen, Verantwortung zu übernehmen, auszeichnen wollte, und nicht durch Einmischung in anderer Leute Privatleben, bei gleichzeitiger ungenierter Verstricktheit in Geschäfte und unpassende Verschwisterungen aller Art.

Ich erinnere einmal mehr an seriös anmutende Jobangebote bei „Fix und Fertig“, die in österreichischen Tageszeitungen geschaltet werden und dazu dienen, als „politisch“ markierte Menschen in die Mangel der Wiener Drogenkoordination als Instrument der Wohnraumbeschaffung für Kommunalpolitiker, des Psychoterrors und der allerniederträchtigsten Einmischung in Privatangelegenheiten – als Versuch der Vertreibung – zu befördern.

Wer aber, der prophylaktischen Bestrafung des Weichenmüssens nach nirgendwo, um des lieben Friedens willen ausgesetzt, könnte noch auf eine positive Zukunft setzen, und weiter dieser Republik als gesetzgebendes Elternland Verständnis und Respekt entgegenbringen?

Wer würde noch die Hausordnungen einhalten und seinen Staatsbürgerpflichten nachkommen – können?

Wieviel Zehntausende Österreicher müssen sich bis zu den nächsten vorgezogenen Nationalratswahlen ein Dasein in Obdachlosencamps und die Ausspeisung durch wohltätige Vereine vorstellbar machen?

Es geht jetzt darum, ein phänomenal psychosoziales Disaster zu verhindern, das der österreichischen wie der gesamteuropäischen Bevölkerung enormen Schaden zufügen und der epidemischen Ausbreitung von Extremismus durch käufliches Wählerverhalten Vorschub leisten würde.

Wer die Hoffnung hinter die Explosion verdonnert, tut seiner Heimat nichts Gutes.

Die Österreicher meiner Generation sind auch an der Kante des erwerbsfähigen Daseins durchschnittlich besser gebildet und weitaus auffassungsfähiger, als behördliche Standesbezeichnungen ausweisen und eine herrschsüchtige Politikerkaste wahrhaben will.

Dieses Land darf kein Alpen-Adria-Waldwurzelpatriarchat mit totgeschwiegender Breitenarmut werden.

Das ist die Erwartung politisch mündiger wie verdrossener österreichischer Menschen an ihre Volksvertreter.

Juni 28, 2009 - Verfasst von morath | Austria, Drogenpolitik, Education, Europe, Europia, Experience, Politics, Politics In The Chestnut, Summertime, Vienna | , , , , , , , , , , , , , , , | Noch keine Kommentare

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