Liberal ist nur der Westerwelle.
Ich erzähle kurz von meiner Erfahrung beim Liberalen Forum gegen Ende der neunziger Jahre, wo ich als Büroangestellter der Fa. Liberales Forum Steiermark verschiedene Aufgaben zu erledigen hatte, unter anderem die Betreuung der Homepage, das Verfassen von Pressetexten, und die gelegentliche Unterstützung der Geschäftsführung.
Die Möglichkeit dieses Praktikums ergab sich mehr zufällig, nachdem ich via AMS eine Ausbildung zum PC- und Netzwerktechniker absolviert hatte.
Jedenfalls konnte ich Erfahrungen sammeln, wie chaotisch es bei einer Abspaltungspartei zugeht, wie viele Menschen dort mit falschen Erwartungen auftauchen, und wie weit man bereits vier Jahre nach Gründung von der einstigen Zielsetzung, neue Kraft der Mitte werden zu wollen, abgedriftet war.
Gemeinderat zu Graz im kärglich honorierten Ehrenamt, ins große Jagdhorn posaunender Rechtsanwalt vom werten Rebstöckl, ein weinselig-wissender Abgeordneter zum Landtag, dem universitären Freidenker-Tabernakelschrank der ÖVP entliehen, nebst listig-knistrigem Präbichler Counterpart mit eigenem Landhaus-Sekretariat, auf Gedeih und Verderb, eine goldfarben mondphasig luminiszierende Geschäftsführung, die Interessenten gesellig zum Abrastern hereinbat und mit personalisiertem Feingefühl wieder hinauskomplimentierte, nervös trippelnde Partnerschaft-AspirantInnen, pixelgenau von der Bundeszentrale auf Kompatibilität gescannt, schnelle Verbindungen zum Automobil-, Immobilien- und Nahrungsmittelergänzungsbusiness, ein praktischer Sommerkindergarten, eine liberale Bibliothek mit Stehleiter und IKEA-Lottersofa, hintergründige Bildungs- und Kulturveranstaltungen, Sekt-Kühlschrank und Buffet-Küche, ein paar frühsemestrige Studenten für den urbanen Aktivismus - alles da, um dem advanced citizen den Blick zu verwässern, und jenseits des Semmering - viel größer als der Grazer Schloßberg - das Idol Heide, Heide, als Glock’n, die 24 Stunden läut’.
Das einzige verständlich formulierte Ziel des Liberalen Forums war gewesen, die österreichische Sozialdemokratie in ihren Grundfesten zu erschüttern, wie es Heide Schmidt am Bundesparteitag im Wiener Kolpinghaus forderte, was tosenden Applaus zur Folge hatte.
Im Jahr darauf waren die Weichen auf schwarz-blau gestellt.
More appetite for destruction?
Es tut nichts zur Sache, daß der persönliche Konflikt zwischen Jörg Haider und Heide Schmidt echt gewesen sein mag.
Daß das LIF „geheimen Auftrags“ zur Unterstützung der ÖVP der Haider-Partei als Steigbügelhalter dienen mußte, war vorherzusehen gewesen, da zeitgleich auch im Wiener LIF peinliche Flügelkämpfe tobten, wobei die Wählbarkeit einer Fraktion in den Schnee rieselte, deren Corporate Design gerade unauffällig von blassblau zu orange mutierte.
Angesichts der Tatsache, daß Infrastrukturen des LIF österreichweit von den Orangen (z.B. Plakatständer) übernommen wurden, offenbart sich der Ringelpietz rechts vom Eichstrich vor bevorstehenden Nationalratswahlen am Zahnrad eines europäischen Störwerks an der Achse Merkel/Westerwelle.
Gordisch verknotet bleibt die Unvereinbarkeit der polternd kartenschnalzenden FPÖ als auch der Truppe abgehalfterter Pop-Politiker „ Jörg H. Kompo“ mit der deutschen FDP unter Guido Westerwelle.
Diesem BZÖ mit dem Klotz Hypo-Alpe-Adria am Bein wird in den kommenden Jahren niemand den liberalen Kostümschneider löhnen, auch wenn Josef Bucher ganz auf die Betonung rechts-liberal setzt.
Ein vergleichbares Hütchenspiel hatten wir schon im vergangenen Jahrhundert – es darf nicht noch einmal die selben Früchte tragen.
„Wo werden wir in 10 Jahren stehen?“ – fragte am 27.11.1998 der für das Steuerland Österreich schwer verzichtbare Industrielle Hans-Peter-Haselsteiner anläßlich Heide Schmidts Geburtstag. 11 Jahre sind seither vergangen – und alles ist für alle ganz anders gekommen.
Eines Tages im folgenden Sommer rief mich der Ferdl an.
Unser Freund Klaus wäre aus dem Fenster gesprungen, aus dem neunten Stock.
Der 21-jährige Student wäre drogensüchtig und in psychiatrischer Behandlung gewesen, stand in einem briefmarkengroßen Artikel unter „Lokales“ in der Kleinen Zeitung zu lesen.
In der Folge dieses denkwürdigen Ereignisses zeigte sich mir manchmal im Mond das spöttische Lächeln einer raffinierten Sadistin.
Im Verlauf ausgedehnter Geschwindigkeitseskapaden war ich von einem exzentrischen, romantischen, lässigen Jugendlichen zu einem aufgeregten, androgynen, manisch-depressiven Drogenfreak mutiert.
Irgendwann standen uns sogar Specialitäten wie Opiumtinktur zur Verfügung, und Morphinhydrochlorid fiel wie reiner weißer Schnee aus bunten Plastikröhrchen.
Das überzeugte weit über jede Vernunft.
Weil mein Versagen auf lange Zeit programmiert war, konnte ich nicht mehr konstruktiv handeln.
Lieber verkaufte ich alles, was mir in die Hände kam: Stereoanlage, Langspielplatten, eine afrikanische Vase aus Kupfer und Messing.
Kurz vor Weihnachten fuhr ich mit einem Bekannten mit dem blauen “Mozart“- Intercity nach Wien.
Wir wollten uns schnell etwas zum Abfeiern besorgen, nachdem wir in Graz schlecht aufgefallen und einige Mal böse in Fettnäpfchen getreten waren.
Wir kauften irgendwo an der Wienzeile von einem Unbekannten schlechten teuren Stoff, raunzten am Abend im Camera-Club herum, scheiterten bei dem Versuch, wenigstens Captagon-Pillen aufzustellen.
Die Gier nach der Zeremonie mit Löffel und Spritze war kaum zu beschreiben.
Am liebsten hätten wir uns den Lebenssaft sechzehntelliterweise aus den Armvenen gezapft und am Südbahnhof die entgegenkommenden Rollbandfahrer bespritzt, nur um mit den Werkzeugen hantieren zu können.
Wir versuchten unterwegs sogar, feinen blonden Libanesen aufzukochen, und uns die Brühe mit den Goldaugen zu injizieren.
Angetrunken und weichgekifft gleisten wir unerreichter Dinge zurück, und besuchten zum Absacken einen abgedrehten Kochguru, der mit augenzwinkernder Bosheit junge Leute mit krümeligem Hasch über den Tisch zog.
Übernächtig, aus blöder Gier, schluckte ich dort zwei „Rote Sterne“-LSD-Mikros.
Ich dachte, vielleicht käme ich so auf Speed.
Später nahm ich ein Bad in der Wohnung meiner Eltern und sah mich im Spiegel an.
Das Bild war in höchstem Maße alarmierend.
Ich war voller blauer, grüner, gelber Flecken und hässlichen Nähten von Einstichen, wie ein Sterbenskranker.
In den Spiegelkaskaden des Allibert-Schrankes sah ich mich tausendfach aufgespalten in Totenmasken aller verstorbenen Schneeberger- und sonstigen Onkel, bleich wie die Spirituspräparate von Geburtsanomalien am vorklinischen Institut.
Nie zuvor hatte ich mich so abstoßend, zerstört und hilflos wahrgenommen.
Dann rannte ich los in Richtung Eggenberger Gürtel, froschköpfiger Alien inmitten einer zerbröselnd biedermeierlichen, oszillierenden Häuserschlucht, vorbei an der alten Volksschule, in Richtung Hauptbahnhof.
Mein Herz raste, gebieterisch wie die Trommel eines sibirischen Schamanen.
Ich betastete meinen Brustkorb, der sich in der Kälte hob und senkte wie ein fauchender Blasebalg.
Ich trug nur Jeans und ein T-Shirt am Leibe.
Mein Gehirn war gelähmt.
Das Hochhaus am Eggenbergergürtel schien mich magnetisch anzuziehen, doch Freund Klaus lebte nicht mehr.
Ich sollte nicht mehr weiterrennen.
Ich könnte mit dem Lift ganz nach oben fahren und hinaus aufs Dach steigen.
Das dürfte keinesfalls geschehen.
Ich drehte um und rannte nach Hause zurück, verfolgt von der nachrutschenden Lawine meines verdorbenen Karmas.
Vor der Mutter hatte ich – hyperventilierend – einen hysterischen Zusammenbruch.
„Mein Leben ist ver-kackt“, brach es aus mir heraus: „Ich muss sterben!“
Die Mutter drückte mich schluchzend an ihren Busen und begann Vaterunser zu beten.
Sie wollte ersthaft nach einem Pfarrer telefonieren, damit ich die letzte Ölung bekäme.
Die kleine Schwester weinte.
Mutter wies sie an, gefälligst mitzubeten.
Ich hatte furchtbare Angst davor, noch einmal in der Psychiatrie zu landen.
Schreckliche Worte rasteten wie Symbole auf dem Display eines Spielautomaten vor mir ein:
STRYCHNIN
KALIUMZYANID
KOLCHIZIN
SPASTISCHE PARALYSE
IRREVERSIBLE DEMENZ
MULTIPLES ORGANVERSAGEN
Ich verdrehte die Augen, meine Glieder zuckten wie die eines angefahrenen Stückes Wild.
Ich sah mich als wachspapierener Greis auf dem Förderband ins Krematorium.
Ich konnte nicht mehr sitzen, liegen oder stehen.
Völlig zerknüllte Verplanschaltung meines zentralen Nervensystems.
Ich schlug hart auf, vielleicht ein epileptischer Anfall.
Ich strampelte am Boden herum, brüllte auf wie ein Säugling am Spieß.
Zum Glück erschien mein Freund Heribert.
Er sah mir ins Gesicht.
Zuerst beschimpfte ich ihn, grundloser Eifersucht.
Er schien mehrere Augenpaare übereinander zu haben, und seine Gesichtszüge morphten heftig.
Langsam begann ich mich zu entkrampfen, Singsang und Verhalten der Mutter hatte ich als schaurigen Ansatz von Aberglauben und Exorzismus empfunden.
Nach ihrem Willen wäre mein Tod in dieser Stunde beschlossene Sache gewesen.
Ich begleitete Heribert in seine Wohnung.
Wir hörten „Supertramp – Breakfast in America“, rauchten selbstgedrehte Zigaretten, und tranken ein Mischbier.
Der Schock saß noch, aber ich war froh, daß nicht mehr passiert war.
Vergangen 30 Jahre Zeit.
Den Schluszstrich zieht der Tod.
Leistungsbereitschaft: hier unterschreiben.
Die Verstaatlichung der Kärntner Hypo-Alpe-Adria-Bank besticht durch Mut zur Größe.
Symbolisch stellt damit das BZÖ einen Betonstampfer in unser Wohnzimmer, der andere, ein EU-Mandat, war nachkäuflich.
Die verbliebenen Stammwähler eines Flügels der großen Koalition fühlen sich vor den Kopf gestoßen und bezweifeln erneut, daß es überhaupt noch Sinn macht, wählen zu gehen, zu groß die Gefahr, daß uns auf dem Weg ins Wahllokal ein Jugendlicher ins Gesicht spiet – ob auf Order des Älteren, farblich eher Zuordbaren, weiß man nicht.
Das BZÖ ist, was Österreich für Österreicher schwer bekömmlich macht – ich könnte dazusagen, die FPÖ auch, weil die beiden Gruppierungen ursächlich zusammengehören, auch wenn die Medien samt und sonders bemüht sind, diesen Gedanken auszublenden.
Die Jugendlichen, in einschlägigen Organisationen einig zusammengefaßt, wissen noch nicht um die Feinspitzigkeiten des übergeordneten Schizmas, sie betrachten es als Mutprobe und Sport, einem Rentner ein Glasaug’ zu spucken.
Der gab sich mit einer Tachtel zufrieden, verzichtete darauf, lebenslängliche Feindschaft vom Zaun zu brechen, und wünschte den Jungen Glück auf ihren Lebenswegen, denn davon werden sie einiges brauchen, wenn sie in ihrer Freizeit nichts Besseres mit sich anzufangen wissen.
Das BZÖ also, das sich in Kärnten im Schatten Jörg Haiders sonnt, Geldscheine verteilt, und ansonsten versucht, sich den zeitgeschichtlich blauäugigen Jungwählern als neue liberale Partei anzudienen, scheinbar sympathische, vernünftig wirkende Gesichter in der vorweihnachtlichen Röhre, voll der Hoffnung, daß bis zu den nächsten Wahlen genügend Gras über die bisherigen Selbstentblößungen gewachsen sein wird, wie den zeitlosen Wahlkampfschlagerhit „Kein’ Bock“.
Österreich ist das einzige Land Europas, in dem der Bürger zwischen zwei Gesichtern des Faschismus die Wahl hat, zwischen der Perpetuation des klassischen Nationalsozialsimus oder seiner italofaschistischen Abart – zwei Gesichter einer kläglichen Figur, die beide Hände aufhält.
Das gibt es wirklich nur bei uns – und das tut weh.
Der Kärntner-Hypo-Alpe-Adria-Bank-Deal zeigt, daß wir bei angeblich vorbildlichst praktizierter Demokratie keine Wahl haben – die Regierung trifft Entscheidungen, die sie als kleiner europäischer Mitgliedsstaat treffen muß, auch eine Entscheidung, die nach einer Volksbefragung zum Thema kaum getroffen worden wäre.
Freilich, für Nichtwirtschaftsexperten ist anläßlich Geschäften dieser Kategorie schwer mitreden - aber jeder Einzelne muß spüren, daß etwas in der Luft liegt.
Bleibt das BZÖ als Ärgernis des kleinen Menschen, eine Partei, die niemand braucht, und die es trotzdem gibt.
Im endlosen Krieg der Österreichischen Volkspartei um laufende Einsparungen kennt man bis heute den Kampf Mann gegen Mann - und diesen rekrutiert man am besten aus den Reihen jener, die bekunden müssen, wie tief sie sich für ihr eigenes Überleben zu bücken bereit sind: Ein wenig tiefer geht noch.
Die Fraktion der Personalbereitsteller stellt der Pensionsversicherung externe Gutachter zur Verfügung, welche die überflüssigen Kostenverursacher mittels psychologischer Beinfallen („neurologische Gutachten“) direkt zurück ins Erwerbsleben hebeln sollen – als Personalbereitstellungsagenturbeschäftigte.
Die Betroffenen erhielten auf diese Weise die Chance, ohne weitere medizinische Untersuchungen – und sogar ohne Umweg über das AMS – als Teilzeitkräfte beim Magistrat unterzukommen.
Daß diese Vereinfachung Schwindel wäre, und PensionistInnen gleichmachte mit Amnestieentlassenen und Beschäftigungslosen, dagegen bestünde in der trostlosen Welt zwischen BZÖ und anderen kein Einwand.
Hier liegt die Kehrseite der Demokratie bloß – weil die, die vorne mit zwei Fingern die Einhaltung der Spielregeln beschwören, begünstigen, daß hinten Behinderte, die sich kaum wehren können, einzeln übers Knie gebrochen werden.
Auftrag: Auf Kosten der Bedürftigen jene Vorkehrungen umgehen, zu deren Schutz sie getroffen worden sind.
Fazit: In persönlicher Ergebenheit die Drecksarbeit erledigen für die Volkspartei - das sind bei uns die Dienstleistungen des BZÖ.
„Rache nehmen am weißen Mann.“
Gestern schenkte ich einem unbekannten jungen Mann, der mich bei der Urania ansprach, zehn Euro.
Er schien zu weinen - begann, mir in erbärmlichem Deutsch eine traurige Geschichte zu erzählen, von Frau und Kindern, einer Ausbildung, die er gerne machen würde, Miete, die er für seine kleine Familie nicht aufbringen könnte, weil er nicht arbeiten darf.
Zuerst versuchte ich, seine Worte skeptisch auf deren Wahrheitsgehalt zu überprüfen, dann fiel mir ein, daß wir beobachtet und fotografiert werden könnten.
Der Mann sagte mehrmals : „Frau Bock. Bitte.“.
Er tat mir leid.
Ich gab einem Gedanken von mehreren den Vorzug, daß der Mann sich in einer Misere befinden könnte, in der das Betteln die einzige Möglichkeit wäre, zu etwas Geld zu kommen.
In meiner Börse befanden sich gerade 20 Euro, und ich gab ihm zehn, in der Hoffnung, ihm damit schnell und ohne große Peinlichkeit weiterzuhelfen.
Wir reichten uns die Hände.
Seine war rauh, rissig von der Kälte.
Dies und jenes hätte sein können.
Manchmal verkaufen Menschen in Notlagen kleine Drogenrationen, weil sie Leibeigene von kriminellen Organisationen sind, mit ihrer Notlage erpresst werden, Hunger und Angst haben.
Möglicherweise mißbrauchen bei uns Behörden gezielt Menschen im Niemandsland zwischen Untersuchungs- und Schubhaft – die Drogenkoordination, die Stapo, die Justiz - Leute, die ständig den Wagen vors Pferd spannen wollen.
Ich kann so etwas leider nicht ausschließen – es gibt Hinweise darauf, daß die Methoden immer bösartiger, heimtückischer, menschenverachtender werden.
Ich hoffte, durch die schnelle Gabe einer kleinen Summe, was ich mir aus Vernunftgründen eigentlich gar nicht leisten sollte, einem fremden Menschen einen Augenblick lang Freude und einen Funken Hoffnung vermittelt, ihm ein paar Schritte weitergeholfen zu haben.
Die Menschen tun mir leid, die ihr Leben verpfändet haben an Verbrecherbanden, um falscher Hoffnungen nach Europa zu kommen, und ahnungslos in Österreich landen.
Haben Sie gestern wieder ein Video gedreht, als Vorwand, in Begleitung eines Hundes unsere versperrte Wohnung öffnen zu müssen?
Kommen Sie ruhig.
Ich bin zu Hause.
Tipp: Mr. Randy Newmann
Ein Transferkonto für Häusleanzünder.
Bei uns geht es schon lange nicht mehr um „Helfen statt Strafe“, sondern um den Umgang mit Menschen, mit denen der Schatzkanzler nichts anderes anzufangen weiß, weil sie einer Kostenstelle zu viel Geld kosten - und weil einzelne Personen, die der Volkspartei ein Dorn im Auge sind, traditionell der Psychiatrie zu überantworten wären.
So wie das jahrzehntelang üblich war in Österreich, seit Zeiten der ersten Republik, bis zu einer Reform Ende der siebziger Jahre im vergangenen Jahrhundert, lästige Erbverwandte, faule Behinderte - alle, die sich nicht anstandslos knechten ließen, hinter Anstaltsmauern zu verbannen, wegen … Selbstgefährdung und Fremdgefährdung.
Es stünde ihnen allerdings frei, in den Freitod zu rennen.
Deshalb ist hier der Alkohol so billig und das in Österreich raffinierte Morfium so leicht erhältlich, für Jugendliche.
Inzwischen wurde in der hinteren Leopoldstadt ein brandneues Lokal adaptiert, ein europäisches Joint-Venture zur Kriminalitätsbekämpfung, dorthin sollen die Scheinankäufer die Drogenverkäufer locken – zugriffsoptimiertes Stammlokal als Zentrale für den Handel mit illegalen Drogen.
Seit der Operation Spring weiß man, daß schwarze Drogenhändler exotisches Ambiente schätzen - und abends gerne beim Chines’ zusammensitzen, um sich einen heißen Pflaumensschnaps auf die Tageslosung einzupfeifen.
Diesmal ist schon alles fix und fertig: Kameras, Mikrophone, Mobilfunk und Zentralverriegelung.
Die wahrscheinlich tollste Erfindung seit Einführung der ökosozialen Marktwirtschaft.
Und später wird einmal McDonalds einziehen.
Was noch fehlt, sind die Dealer, und um die anzulocken, hätte eine zart orange getoente Volkspartie gerne mich.
Das wäre ein verantwortungsvoller Job, den man mir und meinesgleichen ohne weiteres zutrauen würde.
Ich könnte mir dabei Freispiele erflippern, und wenn ich vifzack genug wäre, vor dem ganz großen Zugriff noch schnell den goldenen Abgang machen.
Mit echten, harten, illegalen Drogen vom wilden Mann aus Afrika.
Herzlichen Dank für den höchst deliziösen Wind an der Semmelbox in einem nahen Einkaufsmarkt.
Und fröhliche Weihnachten.
Suchtgiftkriminalität oder Tranquilizerproblem?
Der österreichische Benzodiazepinkrieg bleibt ein Kampf gegen Windmühlen – geht es dabei doch ausschließlich um eine sture Justamenthaltung, Personen politischer Missfälligkeit auf Dauer hinter den Mauern der Psychiatrie verschwinden sehen zu wollen.
Es kann dem Gesetzgeber völlig wurscht sein, wieviel Milligramm Benzodiazepin’ jemand verschrieben bekommt, solange der Patient weiß, was er nimmt.
Man gibt Jahr um Jahr dieselbe Revolverpistole: Wer hat die besseren Argumente, wer hat mehr Erfahrung - und wer kann schließlich wen verzerrter Miene doch noch über die Kante der persönlichen Bilanz drücken.
Der weitaus überwiegende Großteil der Benzodiazepin-Klientel verhält sich unauffällig und ist mit therapeutisch sinnvollen Dosen beschwerdefrei und lebensfähig.
In der Regel tritt überhaupt kein GAU ein, obwohl Phasen des völligen Verzichts häufig zu einem Rebound-Phänomen führen, d.h. die ursprünglichen Krankheitssymptome treten wieder hervor, und bedingen erneute Selbstverordnung, was andererseits die Determinierung „Rückfall“ als einseitige Behauptung entblößt.
Kein ernstzunehmender Spezialist konnte sich noch auf diesem Gebiet gülderne Lorbeeren einheimsen.
Tatsächlich ist versucht worden, in Kainbach/StEiermark die erste europäische Spezialklinik zur Behandlung von Lebensuntüchtigkeit aus dem Boden zu stampfen – das Konzept ist mangels wissenschaftlicher Seriosität - schildbürgerisch – gescheitert.
Es herrscht – grundsätzlich doch – ein anderes Szenario als auf der Substitutionsbühne.
Gefährlicher Mischkonsum auf Drogenszenen hat eine Ursache in der Praxis der Opiatsubstitution, und nicht in der Pharmakodynamik von Benzodiazepinen.
Interessanterweise ist die Verschreibung von anwenderfreundlichen Psychopharmaka an Frauen immer toleranter gehandhabt worden als gegenüber Männern.
Warum eigentlich?
Das böshaftige Bild einer Spielburg für bauchlang rauschebärtige, feuerwasserflammenspeiende Vagabunden, die man am besten hinterm Semmering halten müsste, wurde dereinst noch von SpezialistInnen am Anton-Proksch-Institut anskizziert – und ist bis heute nicht fertig geworden.
Neurotische Ticks als Reaktion auf Isolationshaft zu erschwerten Bedingungen.
Mein Zustand ist stabil.
Nach dem zweiten Kaffee fühle ich mich einigermaßen wohl, und kann einen verständlichen Eintrag verfassen.
Ich nehme abends 22,5 mg Oxazepam, ein Benzodiazepin, zum Einschlafen, morgens 10 mg Escitalopram, ein Antidepressivum vom Typ SSRI.
Die Öffentlichkeit soll wissen, daß man für die Einnahme dieser Medikation behördlicherseits mit herumstrolchenden Drogensüchtigen über einen Kamm geschoren werden kann, spätestens per Datum der Arbeitslosmeldung.
Datenschutzparadies Österreich.
Ich unterschreite jedoch die Grenze der Erpressbarkeit, und das stört manche Spezialisten – und Vertreter der österreichischen Volkspartei.
Es kann vorkommen, daß ich Panikattacken bekomme, zumeist spätnachmittags, deren Folgen für den Stoffwechsel mehrere Tage lang andauern können.
Symptome dieser Phasen sind: Dysphorie und Anhedonie, Müdigkeit, Rastlosigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Zerfahrenheit des Denkens, Logik blockierende Schlußfolgerungen, verstärkter Tinnitus, Phantomschmerzen, Rückenschmerzen, Nierenschmerzen, nervöser Harndrang.
Ich leide generell an Antriebsschwäche, Dopaminmangel.
Am frühen Nachmittag trinke ich zwei Tassen schwarzen oder grünen Tee, worauf mir die anfallenden Aufgaben, wie Einkaufen und Haushalten leichter von der Hand gehen.
Ein wesentlicher Energieanteil wird mir bei der gelegentlichen Selbstgeisselung zum Erhalt des häuslichen Friedens abgezogen.
Konfliktvermeidung ist dennoch Privatsache, auch im schwarzen Goldfischglas.
Da die Panikattacken von objektiv wahrnehmbaren Ereignissen in meiner Umwelt (Trigger) ausgelöst werden, die subjektiven Wahrnehmungen jedoch keine zeitlichen Regelmäßigkeiten (Mondphasen etc.) aufweisen, kann ich sie nicht als Schübe ausweisen - vielleicht würden sie unter stationärer Beobachtung, ohne das Einfließen meiner eigenen Beschreibungen, so bezeichnet werden.
Man kann sie nicht wegtrainieren, oder einfach: wegwollen (Gedanke von der Überwindung eines inneren Schweinehundes).
Unter dem Wetterfleck (*) Psychiatrie/Psychotherapie läuft hier ein großangelegter Schwindel zwischen politischer Willkür und elitären Verrechnungsgaunereien zu Lasten der Öffentlichkeit, mit dem Ziel, Lebensuntüchtige auszusondern und zu günstigsten Konditionen für den Gesetzgeber unterzubringen.
Es geht heute vermehrt darum, Menschen aktiv zu terrorisieren, um in ihnen den Wunsch zu erwecken, sich unter stationäre Bedingungen zurückziehen zu wollen, oder sich in einer Art und Weise gehen zu lassen, die ein klassisches „Parere“ rechtfertigt.
In der Psychiatrie hat niemand Einfluß auf das Ergebnis von Begutachtungen, wer mit „Parere“ zwangsverpflichtet wird, bekommt nach sechs bis acht Wochen ein amtstaugliches Gutachten – durch ein „Gerichtstribunal“.
Als Behandlung erwartet die Leute dreimal täglich warmes Essen und eine Handvoll unbekannter Medikamente, und es wird beobachtet, wie sie darauf reagieren.
Von Anfang an wird regelmäßig auf sie eingewirkt, sich für eine Langzeittherapie beim Grünen Kreis oder den Barmherzigen Brüdern zu entscheiden.
Es soll auch schon dafür plädiert worden sein, besonders hartnäckige Zeitgenossen an Narconon abzutreten.
Die Dreckarbeit im Vorfeld erledigt in Ostösterreich die Drogenkoordination, die den Handel mit Drogen aller Art mitkontrolliert und dazu beitragen soll, Mängel und Schwächen des österreichischen Modells „Substitution“ zu vernebeln – eine der raffiniertesten Betrügereien an der Weltöffentlichkeit innerhalb Europas.
Menschen werden auf offenen Treffs oder über Beratungsstellen in die Szenen geködert, auch über mediale Ankündigungen von „Hanfmessen“ und angebliche medizinische Trials mit Cannabis-Medikamenten.
Sobald Gesetzesbrüche vorliegen, kann die Kriminalpolizei eingreifen – der Versuch, auf bestimmte Leute provozierend einzuwirken, setzt allerdings schon beim Verlassen der Wohnung ein.
Ausgenommen ist ein kontrolliertes Netzwerk von InformantInnen unterschiedlicher Bedeutungslosigkeit.
Gestern hat mir einer der Ganslwirt - Streetworker, von denen es in der hinteren Leopoldstadt gerade wimmelt, im SPAR-Markt ein Fläschchen Schnaps – oder Likör - vor die Füße gekickt, wahrscheinlich, um mich vor Publikum einem falschen Verdacht auszusetzen, auf einer Fläche regelmäßigen sozialen Kontakts zu diskreditieren.
Ich trinke aus Gewohnheit kaum Alkohol – und wenn, dann keine Schnapserln von der Supermarktkasse.
Ich glaube auch nicht an den Suchtmechanismus, der als aufgesprochenes Damoklesschwert über den Therapiegeschädigten hängt - deshalb bin ich davon erlöst.
Sommers geht es mir relativ besser, das Sonnenlicht wirkt antriebssteigernd, ich fühle mich ungleich wohler und genieße die Sonnenstrahlen – fast wie ein Opiumraucher die kostbaren Dämpfe aus seiner Pfeife.
In letzter Zeit stelle ich fest, daß ich Ähnlichkeiten von Gesichtszügen von Menschen stärker wahrnehme, d.h. ich nehme mehr Gemeinsamkeiten wahr, fast zu jedem Gesicht könnte ich eine Reihe von Verwandtschaften aufzählen, eine beinahe mysteriöse Wahrnehmungsgabe, die nichts mit Hautfarbe zu tun hat.
Es könnte allerdings sein, daß es sich dabei um erste Symptome einer Alterserkrankung handelt, was wie beim Typus Alzheimer bis hin zur Unfähigkeit, Gesichter auseinanderhalten zu können, führen könnte.
Nur strenge Selbstkontrolle ermöglicht mir ein Überleben unter den gegebenen Umständen.
Jeder Tag ist eine lächerliche Schau der arroganten, dämlichen Visage des Austrofaschimus.
Wir werden uns wohl auf noch schlimmere Zeiten gefaßt machen müssen.
* Wetterfleck: breiter Deckmantel, Überwurf, eine Art Offroad-Hubertusmantel für Kutscher und Reiter.
Ergeht: Kanzlei Kniepeisz.
Eine Anstalt kennt keine Emotionen.
Der Eingang erfolgt pünktlich zum ersten des Monats.
Hätte ich die bescheidenen Finanzen nicht auf diesem Wege unter Kontrolle, wäre ich längst im Chaos untergegangen, an der Unverwaltbarkeit des Daseins am Minimum gescheitert.
Meine Dankbarkeit, die unterschiedlich heimattümelnde Führer dieses Landes gerne intensiver, glaubwürdiger – inbrünstiger ausgedrückt sähen, erschöpft sich in der unregelmäßigen Wiedergabe meiner Wahrnehmungen.
Ich bin davon überzeugt, daß das Versetzen des Überweisungstermines in vereinsamten, an technischen Möglichkeiten ärmeren Seelen tausendfaches Entsetzen ausgelöst hat, und es ist nicht auszuschließen, daß Menschen deswegen Selbstmord begangen haben.
Unseren prominenten, medienpräsenten Pensionistenvertretern sollte das bewußt sein.
Ich habe keine Benachrichtigung erhalten, und es waren vier lange Tage der Unsicherheit, der Angst, an der hinterfotzigen Fingerfertigkeit einer in die Überweisung von Geldern involvierten Person zu ersticken, wenn nicht im Umbruch eines ganzen Systems zerrieben zu werden.
Alte Menschen – im Vergleich mit den potentiellen JungwählerInnen dieses Landes bin ich ein alter Mann – haben solche Ängste.
Sie haben mehrmals erleben müssen, wie Menschen Menschen wider die Abmachungen vorsätzlich täuschten, und welches Schicksal für die ganze Welt aus solchen Gemeinheiten entstehen kann.
Die Medien dieser Nation reflektieren nicht die ganze Wahrheit.
Sie beschwören immer feierlicher die in die Ferne rückende Vergangenheit, während von dort eine scharfe Lunte rund um den Erdknäuel zischt.
Der Wellensittichmann steht mit angehobenen Ellenbogen am Fenster:
„Schabe! Wo ist denn der Schabel? Kommt der Schaberl nix mehr ham?“
(Dorfdepp.)
Berufsunfähigkeitspension – ein tickendes Geschenkpaket?
Werden die Leiden, die einst zur Gewährung einer Invaliditätspension führten, aufgrund ihrer gesamtmedizinischen Komplexität unbeschreibbar, wäre damit eine kaum benennbare Erkrankung als unheilbar einzustufen, finden sich schnell erzpolitisch beflügelte Handlanger bereit – tutender Posaunen und toenender Schalmeien – einen trotzigen Buben mittels beinharten psychologischen Krippenspiels zurück aufs Kreuz nageln zu wollen.
Zu groß ist die Angst, die Verantwortung für die Durchfütterung eines kerngesunden, kraftkesselnden Tippelbruders alleine tragen zu müssen, könnte doch eine große Karriere an diesem offensichtlichen Fehlbescheide scheitern.
Ohne die Leiden und Behinderungen, die zur Gewährung führten, weiter zu beachten, sollen generell einfachere Wege geschlagen werden, die organisierten Sturmtrupps anonymer Behinderter gefälligst in die Wartesäle des Arbeitsmarkts zurückzudrängen.
Eine Aufgabe für jene Spezialisten der Parlamentsfraktionen, nach denen gerade kein Bedarf besteht, Besenkammerreservisten für den Endkampf – Mann gegen Mann.
Motto: Wir lassen die Spielregeln beiseite und drehen einfach den Geldhahn zu.
Thema: Politische Einflußnahme auf die Pensionsversicherungsanstalten, deren guter Ruf in strenger Regeltreue ankert.
Es liegt in der Natur des faschistoiden Territoriums Österreich, Situationen entstehen zu lassen, die einzelnen Bürgern, deren Art zu denken, sich psychologisch nicht unterwerfen zu wollen, keine Möglichkeit als die der Selbsttötung offenläßt, das heisst, ein beträchtlicher Teil der Berufsunfähigkeitspensionisten säuft sich zu Tode.
Das macht prognostizierende Kalkulationen leicht.
Führte einst Mobbing am Arbeitsmarkt zu Depressionen, Burnout und Invalidität, findet, bei Nichtannahme der mittels der Strahlkraft dekorierter Fachmedienprimissimi zu erzwingenden Dressurhaltung, eine großangelegte Fortsetzung der Schikanen statt, die wenig Hoffnungen offenläßt.
Es wird auf diese Weise das Heilungspotential der Auszeit zur Krankheit gemacht.
Schlußfolgerung: Die PVA soll einzelne Kunden nicht länger anerkennen, sobald sich diese in politischer Weise äußern, weil sie etwa einen Weblog führen.
Es wäre diese Art, mit sich selber umzugehen, nicht gutzuheissen, und stünde einer Heilung im Wege, wäre … Therapieverweigerung.
Welche Wege der Versuch der Umgehung der Vorschriften beschreitet, lesen Sie an diesem Ort.
Der Rentenklau läßt grüßen.
Das Hinauszögern der Zahlungen bis zum Letztmöglichen trifft nervlich angeschlagene Menschen zu diesem Wochenende wie ein brutaler Magenstrudel.
Wer sich nicht daran gewöhnt hat, sein wenig Budget einzuteilen bis Ultimo, wird es lernen müssen, und kann außerdem erkennen, daß alles seinen Preis hat, auch eine Pensionserhöhung von 1,5 Prozent.
Vorsätzliche Überlegungen, einen Transferquotienten zwischen Pensionsversicherung und Anschriftspostamt mittels Orientierungskompaß und TI-30Xa Solar zu ermitteln, scheitern, wahrscheinlich aufgrund sich überlagernder elektromagnetischer Felder.
Am Mexikoplatz will sich ein winterlich wattiertes Mädchen an meine Seite heften, von einer Begleiterin an der Ecke Ennsgasse abgespalten, die ihr Haar zu einem maiskolbendicken Zopf verarbeitet trägt.
Das Kind sieht aus wie ihre pausbäckige Kleinausgabe.
Ich bleibe stehen und schaue zurück, um sicherzustellen, daß es noch einen Begleiter gibt, der von weiter hinten fotografiert.
Diese Inszenierung hat vielleicht mit einem hochinteressanten Aktenvermerk zu tun, und einer goldenen Uhr der Marke Helvetia, die auf mysteriösen Wegen in den Besitz einer Sozialarbeiterin gelangt ist.
Während das junge Fräulein in Richtung seiner Begleiterin weitertrottet, die einen Umweg nimmt, betrete ich das Postamt, um unsere Briefsendungen abzuholen.
Post von Herrn Strache, aber auch Wichtigeres.
Am Platz vor der Franz-von- Assisi-Kirche funktioniert mein improvisiertes Erdfeldmagnetoskop - die Nadel richtet sich auf drei unterschiedlichen Standpunkten verschieden gleich aus.
Beim Mexikogedenkstein sitzt ein Mann, in Gram versunken, auf der feuchten Parkbank und seufzt.
Er sieht aus wie der Seelsorger der armen Familie Zogaj, Pfarrer Friedl.
Das österreichisch-volksparteiliche Don-Camillo-Spiel ist ganz schön aufwändig.
Rund um das Denkmal krausen bunte Köpfe Blumenkohl.
Ein paar Schritte weiter hebe ich einen abgeschlagenen Flaschenhals vom Asphalt und werfe ihn in den nächsten Abfallkorb.
Beim Einkauf im Spar-Markt werde ich von einer blonden, eleganten Dame genau beobachtet, und muß an der Kassa mein gratis DM-Sackerl einsehen lassen.
Mein Bestes, die Hausmarke: für unsere Katzen.
Für uns Menschen gibt’s heute
Vegetativ’ Induktionsplattenkartofferl
Mit Broccoli.
Ein paar Schnitten Fetakäse vom Block anrösten, bis er ordentlich ausgelaufen ist, gekochte Erdäpfel in Scheiben goldbraun rösten, in Salzwasser blanchierten Broccoli darunter, etwas feingehackten Knoblauch, den weichen Feta drüber, ein Schnippchen Kräuter aus Griechenland.
Pfanne bis zum Servieren geschlossen halten.
Aus der Mühle leicht anpfeffern.
Der Faschismus kann das Prinzip Hoffnung nicht ersticken.
Die Mittelschicht hat Internet.
Sie ist anders strukturiert - vielfältiger, bunter, offener und demokratischer als vor fünfzig Jahren.
Der katholische Moralismus befindet sich mit seinen Wertvorstellungen im vergangenen Jahrtausend.
Das Internet als Informationstransmission überträgt auch die Schattenseiten: psychologische Manipulation, Ablenkung und Täuschung – emotional engineering.
Kommunikation im herkömmlichen Sinn wird abgelöst von Peil- und Sondiersendungen durch eine drängende Flut von Eindrücken, die es im eigenen Bewußtsein zu filtern gilt, auch um die Umsetzung von Plänen, um Ziele zu erreichen.
Das ist eine intellektuelle Herausforderung - auch wenn die Anforderung zur Multitaskingfähigkeit nach wie vor an die Maschine gestellt wird, wodurch in absehbarer Zeit kein sozialpsychologischer Multigau auszubrechen droht.
Je mehr Informationsbeschaffung über das Internet stattfindet, desto zahlreicher sind auch die Möglichkeiten, in Sackgassen zu geraten, die einen persönlich nicht weiterbringen.
Dennoch ist das Internet viel wert: Wer trotzdem damit umgehen kann, hat auch in der Wirklichkeit des Daseins mehr Chancen.
Man kann am kulturellen Weltgeschehen nach eigenen Vorstellungen teilnehmen.
Früher hatte der mittelständische Patriarch die Möglichkeit, sich am Wochenende über einem dicken Pack Zeitungen und Zeitschriften tiefer in das Weltgeschehen einzulesen.
Es gab die Radionachrichten, die Zeit im Bild als Nachfolgerin der tönenden Wochenschau im Kino, und Fischers Weltalmanach.
Hintergrundinformationen waren lexikalischen Ursprungs, kolonialistisch-missionskatholisch kupferstichig.
Gläubige Menschen wurden durch die Sonntagspredigt beeinflußt, die Erwerbstätigen am Arbeitsplatz politisiert.
Der Urlaub wurde vom Reisebüro der Gewerkschaft vermittelt.
Das Internet stellt heute einen Großteil der weltwiedergebenden Informationen gratis zur Verfügung, einfacher Gedankenaustausch muß nicht als Konsultation teuer verrechnet werden.
Es ist jenes Netzwerk, das – im Prinzip – allen Usern auf dem Planeten gleich viel Bildungspotential zur Verfügung stellt, und deshalb als höchste Errungenschaft demokratischer Gesellschaften gelobt werden könnte.
Man muß nicht über heiligen Schriften meditieren – man braucht keine Mittler eines religösen Glaubens, um die ungefähre Mitte zu sehen.
Kein Wunder, wenn es Stimmen gibt, die das Internet in offener Form nicht akzeptieren, es für sich selber beanspruchen, oder nur mißbrauchen wollen, als Mittel der Überwachung, der Inquisition.
Es gibt Ansätze, das Internet mit Drogen und Glücksspiel vergleichen zu wollen – oder mit Sodom und Gomorrha.
Das vorsätzliche Legen von Irrspuren, Versuche der Fallenstellung, der suggestiven Negativbeeinflussung, bis hin zur Gefahr der Abzocke von Konto und Kreditkarte sägen an den Nerven vieler User.
Die Freigabe von eigenen Beiträgen zur allgemeinen Unterhaltung unterschiedlichen Gewichts, zur Reflektion der eigenen Befindlichkeit, ist hingegen eine Art friedlicher Kompensation.
Man könnte sonst allzu depressiv werden.
So gesehen kann das Internet ein Beitrag zum Wohlbefinden und zur Gesundheit einer Gesellschaft sein, weil es auch die Mauern politisch verordneter Isolationshaft durchlässig macht.
Ich bin froh, ein Teilhaber und Mitmensch zu sein.
Ich kann von den Möglichkeiten des Internet profitieren.
Der Wert wiegt den Preis auf.
Besser Internet als Prof. Mastopius.