CatCam

Vielen Dank.

Eine Anstalt kennt keine Emotionen.

Der Eingang erfolgt pünktlich zum ersten des Monats.

Hätte ich die bescheidenen Finanzen nicht auf diesem Wege unter Kontrolle, wäre ich längst im Chaos untergegangen, an der Unverwaltbarkeit des Daseins am Minimum gescheitert.

Meine Dankbarkeit, die unterschiedlich heimattümelnde Führer dieses Landes gerne intensiver, glaubwürdiger – inbrünstiger ausgedrückt sähen, erschöpft sich in der unregelmäßigen Wiedergabe meiner Wahrnehmungen.

Ich bin davon überzeugt, daß das Versetzen des Überweisungstermines in vereinsamten, an technischen Möglichkeiten ärmeren Seelen tausendfaches Entsetzen ausgelöst hat, und es ist nicht auszuschließen, daß Menschen deswegen Selbstmord begangen haben.

Unseren prominenten, medienpräsenten Pensionistenvertretern sollte das bewußt sein.

Ich habe keine Benachrichtigung erhalten, und es waren vier lange Tage der Unsicherheit, der Angst, an der hinterfotzigen Fingerfertigkeit einer in die Überweisung von Geldern involvierten Person zu ersticken, wenn nicht im Umbruch eines ganzen Systems zerrieben zu werden.

Alte Menschen –  im Vergleich mit den potentiellen JungwählerInnen dieses Landes bin ich ein alter Mann – haben solche Ängste.

Sie haben mehrmals erleben müssen, wie Menschen Menschen wider die Abmachungen vorsätzlich täuschten, und welches Schicksal für die ganze Welt aus solchen Gemeinheiten entstehen kann.

Die Medien dieser Nation reflektieren nicht die ganze Wahrheit.

Sie beschwören immer feierlicher die in die Ferne rückende Vergangenheit, während von dort eine scharfe Lunte rund um den Erdknäuel zischt.

Der Wellensittichmann steht mit angehobenen Ellenbogen am Fenster:

„Schabe! Wo ist denn der Schabel? Kommt der Schaberl nix mehr ham?“

 

(Dorfdepp.)


Selbstmordkommando Österreich.

Berufsunfähigkeitspension – ein tickendes Geschenkpaket?

Werden die Leiden, die einst zur Gewährung einer Invaliditätspension führten, aufgrund ihrer gesamtmedizinischen Komplexität unbeschreibbar, wäre damit eine kaum benennbare Erkrankung als unheilbar einzustufen, finden sich schnell erzpolitisch beflügelte Handlanger bereit – tutender Posaunen und toenender Schalmeien – einen trotzigen Buben mittels beinharten psychologischen Krippenspiels zurück aufs Kreuz nageln zu wollen.

Zu groß ist die Angst, die Verantwortung für die Durchfütterung eines kerngesunden, kraftkesselnden Tippelbruders alleine tragen zu müssen, könnte doch eine große Karriere an diesem offensichtlichen Fehlbescheide scheitern.

Ohne die Leiden und Behinderungen, die zur Gewährung führten, weiter zu beachten, sollen generell einfachere Wege geschlagen werden, die organisierten Sturmtrupps anonymer Behinderter gefälligst in die Wartesäle des Arbeitsmarkts zurückzudrängen.

Eine Aufgabe für jene Spezialisten der Parlamentsfraktionen, nach denen gerade kein Bedarf besteht, Besenkammerreservisten für den Endkampf – Mann gegen Mann.

Motto: Wir lassen die Spielregeln beiseite und drehen einfach den Geldhahn zu.

Thema: Politische Einflußnahme auf die Pensionsversicherungsanstalten, deren guter Ruf in strenger Regeltreue ankert.

Es liegt in der Natur des faschistoiden Territoriums Österreich, Situationen entstehen zu lassen, die einzelnen Bürgern, deren Art zu denken, sich psychologisch nicht unterwerfen zu wollen, keine Möglichkeit als die der Selbsttötung offenläßt, das heisst, ein beträchtlicher Teil der Berufsunfähigkeitspensionisten säuft sich zu Tode.

Das  macht prognostizierende Kalkulationen leicht.

Führte einst Mobbing am Arbeitsmarkt zu Depressionen, Burnout und Invalidität, findet, bei Nichtannahme der mittels der Strahlkraft dekorierter Fachmedienprimissimi zu erzwingenden Dressurhaltung, eine großangelegte Fortsetzung der Schikanen statt, die wenig Hoffnungen offenläßt.

Es wird auf diese Weise das Heilungspotential der Auszeit zur Krankheit gemacht.

Schlußfolgerung: Die PVA soll einzelne Kunden nicht länger anerkennen, sobald sich diese in politischer Weise äußern, weil sie etwa einen Weblog führen.

Es wäre diese Art, mit sich selber umzugehen, nicht gutzuheissen, und stünde einer Heilung im Wege, wäre … Therapieverweigerung.

Welche Wege der Versuch der Umgehung der Vorschriften beschreitet, lesen Sie an diesem Ort.


Knueppeldick.

Der Rentenklau läßt grüßen.

Das Hinauszögern der Zahlungen bis zum Letztmöglichen trifft nervlich angeschlagene Menschen zu diesem Wochenende wie ein brutaler Magenstrudel.

Wer sich nicht daran gewöhnt hat, sein wenig Budget einzuteilen bis Ultimo, wird es lernen müssen, und kann außerdem erkennen, daß alles seinen Preis hat, auch eine Pensionserhöhung von 1,5 Prozent.

Vorsätzliche Überlegungen, einen Transferquotienten zwischen Pensionsversicherung und Anschriftspostamt mittels Orientierungskompaß und TI-30Xa Solar zu ermitteln, scheitern, wahrscheinlich aufgrund sich überlagernder elektromagnetischer Felder.

Am Mexikoplatz will sich ein winterlich wattiertes Mädchen an meine Seite heften, von einer Begleiterin an der Ecke Ennsgasse abgespalten, die ihr Haar zu einem maiskolbendicken Zopf verarbeitet trägt.

Das Kind sieht aus wie ihre pausbäckige Kleinausgabe.

Ich bleibe stehen und schaue zurück, um sicherzustellen, daß es noch einen Begleiter gibt, der von weiter hinten fotografiert.

Diese Inszenierung hat vielleicht mit einem hochinteressanten Aktenvermerk zu tun, und einer goldenen Uhr der Marke Helvetia, die auf mysteriösen Wegen in den Besitz einer Sozialarbeiterin gelangt ist.

Während das junge Fräulein in Richtung seiner Begleiterin weitertrottet, die einen Umweg nimmt, betrete ich das Postamt, um unsere Briefsendungen abzuholen.

Post von Herrn Strache, aber auch Wichtigeres.

Am Platz vor der Franz-von- Assisi-Kirche funktioniert mein improvisiertes Erdfeldmagnetoskop -  die Nadel richtet sich auf drei unterschiedlichen Standpunkten verschieden gleich aus.

Beim Mexikogedenkstein sitzt ein Mann, in Gram versunken, auf der feuchten Parkbank und seufzt.

Er sieht aus wie der Seelsorger der armen Familie Zogaj, Pfarrer Friedl.

Das österreichisch-volksparteiliche Don-Camillo-Spiel ist ganz schön aufwändig.

Rund um das Denkmal krausen bunte Köpfe Blumenkohl.

Ein paar Schritte weiter hebe ich einen abgeschlagenen Flaschenhals vom Asphalt und werfe ihn in den nächsten Abfallkorb.

Beim Einkauf im Spar-Markt werde ich von einer blonden, eleganten Dame genau beobachtet, und muß an der Kassa mein gratis DM-Sackerl einsehen lassen.

Mein Bestes, die Hausmarke: für unsere Katzen.

Für uns Menschen gibt’s heute

Vegetativ’  Induktionsplattenkartofferl

Mit Broccoli.

Ein paar Schnitten Fetakäse vom Block anrösten, bis er ordentlich ausgelaufen ist, gekochte Erdäpfel in Scheiben goldbraun rösten, in Salzwasser blanchierten Broccoli darunter, etwas feingehackten Knoblauch, den weichen Feta drüber, ein Schnippchen Kräuter aus Griechenland.

Pfanne bis zum Servieren geschlossen halten.

Aus der Mühle leicht  anpfeffern.


TUVALU

Der Faschismus kann das Prinzip Hoffnung nicht ersticken.

Die Mittelschicht hat Internet.

Sie ist anders strukturiert - vielfältiger, bunter, offener und demokratischer als vor fünfzig Jahren.

Der katholische Moralismus befindet sich mit seinen Wertvorstellungen im vergangenen Jahrtausend.

Das Internet als Informationstransmission überträgt auch die Schattenseiten: psychologische Manipulation, Ablenkung und Täuschung – emotional engineering.

Kommunikation im herkömmlichen Sinn wird abgelöst von Peil- und Sondiersendungen durch eine drängende Flut von Eindrücken, die es im eigenen Bewußtsein zu filtern gilt, auch um die Umsetzung von Plänen, um Ziele zu erreichen.

Das ist eine intellektuelle Herausforderung - auch wenn die Anforderung zur Multitaskingfähigkeit nach wie vor an die Maschine gestellt wird, wodurch in absehbarer Zeit kein sozialpsychologischer Multigau auszubrechen droht.

Je mehr Informationsbeschaffung über das Internet stattfindet, desto zahlreicher sind auch die Möglichkeiten, in Sackgassen zu geraten, die einen persönlich nicht weiterbringen.

Dennoch ist das Internet viel wert: Wer trotzdem damit umgehen kann, hat auch in der Wirklichkeit des Daseins mehr Chancen.

Man kann  am kulturellen Weltgeschehen nach eigenen Vorstellungen teilnehmen.

Früher hatte der mittelständische Patriarch die Möglichkeit, sich am Wochenende über einem dicken Pack Zeitungen und Zeitschriften tiefer in das Weltgeschehen einzulesen.

Es gab die Radionachrichten, die Zeit im Bild als Nachfolgerin der tönenden Wochenschau im Kino, und Fischers Weltalmanach.

Hintergrundinformationen waren lexikalischen Ursprungs, kolonialistisch-missionskatholisch kupferstichig.

Gläubige Menschen wurden durch die Sonntagspredigt beeinflußt, die Erwerbstätigen am Arbeitsplatz politisiert.

Der Urlaub wurde vom Reisebüro der Gewerkschaft vermittelt.

Das Internet stellt heute einen Großteil der weltwiedergebenden Informationen gratis zur Verfügung, einfacher Gedankenaustausch muß nicht als Konsultation teuer verrechnet werden.

Es ist jenes Netzwerk, das – im Prinzip – allen Usern auf dem Planeten gleich viel Bildungspotential zur Verfügung stellt, und deshalb als höchste Errungenschaft demokratischer Gesellschaften gelobt werden könnte.

Man muß nicht über heiligen Schriften meditieren – man braucht keine Mittler eines religösen Glaubens, um die ungefähre Mitte zu sehen.

Kein Wunder, wenn es Stimmen gibt, die das Internet in offener Form nicht akzeptieren, es für sich selber beanspruchen, oder nur mißbrauchen wollen, als Mittel der Überwachung, der Inquisition.

Es gibt Ansätze, das Internet mit Drogen und Glücksspiel vergleichen zu wollen – oder mit Sodom und Gomorrha.

Das vorsätzliche Legen von Irrspuren, Versuche der Fallenstellung, der suggestiven Negativbeeinflussung, bis hin zur Gefahr der Abzocke von Konto und Kreditkarte sägen an den Nerven vieler User.

Die Freigabe von eigenen Beiträgen zur allgemeinen Unterhaltung unterschiedlichen Gewichts, zur Reflektion der eigenen Befindlichkeit, ist hingegen eine Art friedlicher Kompensation.

Man könnte sonst allzu depressiv werden.

So gesehen kann das Internet ein Beitrag zum Wohlbefinden und zur Gesundheit einer Gesellschaft sein, weil es auch die Mauern politisch verordneter Isolationshaft durchlässig macht.

Ich bin froh, ein Teilhaber und Mitmensch zu sein.

Ich kann von den Möglichkeiten des Internet profitieren.

Der Wert wiegt den Preis auf.

Besser Internet als Prof. Mastopius.


„ … dann mach Schluß!“

Pilzdroge als deus ex machina für eine spätmittelalterliche Ziviljudikatur?

Der eingestandene Konsum von LSD gibt in Österreich bis zum heutigen Tage Anlaß zu lebenslanger Verfolgung durch politische Kräfte und ihre scheinheiligen Hinterorganisationen.

Einer der Hauptgründe, warum man während meiner Jugend darauf bedacht gewesen war, mich durch allerlei psychotaktische Beeinflussung zu einem stationären Therapieaufenthalt hinzulenken, waren geheime LSD-Experimente gewesen – jenseits der kümmerseligen Vorstellung, die etliche AbsolventInnen der katholischen Sozialakademien über Wirkung, Gefahr und Langzeitfolgen von Rauschgift hatten.

Die häufigste Erklärung für sogenannte Flashbacks ist jedenfalls der Konsum anderer Drogen, darunter Amphetaminartiges und Cannabis - es gibt aber auch psychedelische Erlebnisse oder psychotische Episoden ohne Intoxikation.

Es ist schon vorgekommen, daß prominente Zeitgenossen Opfer einer mit der Nachflüsterung von LSD-Konsum verbundenen Rufschädigung wurden, indem man sie systematisch zu terrorisieren begann, eine Verfolgung durch die Stapo auslöste, und ihre Karrieren sabotiert wurden.

Ich glaube nicht, daß man Jugendliche heute wie einst durch Ammenmärchen davon abhalten kann, mit verfügbaren Drogen zu experimentieren.

Es ist festzuhalten, daß es sich bei LSD um keine spirituöse Sondersubstanz handelt, sondern nur um eine von vielen Drogen mit Risiken und Nebenwirkungen, und daß LSD, wie andere Drogen auch, aus asservierten Beständen oder dem Sondermüll in die Hände von KonsumentInnen, auch solche mit unreifen Persönlichkeiten, gelangen kann.

Sadistische, pädophile Interessen, oder einfach Sensationsgier, können Anlaß für die Weitergabe verschiedenster Drogen sein.

Sicher ist, daß Mißverständnisse lange unerwidert geblieben sind, und Ammenmärchen von Anfang an absichtlich in die Welt gesetzt wurden, und daß Albert Hofmann selber mit heftigen Anwerfungen aus der Welt der katholizistisch-kreationistischen Krämerlädenwissenschaft konfrontiert gewesen war, ein Mensch, dessen bedeutendes Lebenswerk außerhalb des Zusammenhangs mit LSD bei uns weniger gewürdigt worden ist.

Wer sich dafür interessiert, liest am besten Dr. Albert Hofmann.

Eine falsche Information, die wahrscheinlich noch heute von manchen Chefpsychiatern und ihrem bigotten subakademischen Hofstaat freigesetzt wird, betrifft Schädigungen des menschlichen Erbguts, hervorgerufen durch LSD.

Ein von Dr. Hofmann entwickeltes Pharmazeutikum, das in der Geriatrie zur Verbesserung von Demenzzuständen eingesetzt wird, ist Hydergin (Dihydroergotoxin).

Hofmann war auf dem Weg seiner Forschungen für Sandoz eher zufällig über das Lysergsäurediethylamid gestolpert.

HYDERGIN wirkt nicht psychoaktiv, nur peripher gefäßerweiternd, und wird bei der Behandlung von Bluthochdruck, Migräne und gegen sklerotische Altersbeschwerden eingesetzt.

Die Verteufelung von Hofmanns Arbeit fand ihren ersten Höhepunkt in den fünfziger Jahren vorigen Jahrhunderts, durch die Verbreitung des Schlafmittels Thalidomid mit dem irreführenden Marktnamen CONTERGAN.

Dr. Albert Hofmann war an der Entwicklung von Thalidomid nicht beteiligt gewesen, und trug keine Verantwortung an den als Contergan-Skandal bekanntgewordenen hunderttausendfachen embryonalen Mißbildungen.

Dieses hartnäckige Mißverständnis wurde durch die populäre, aber unverwandte Charles-Manson-Story der späten Sechzigerjahre angefeuert, und wuchs durch legendäre Berichte von wiederholten Fensterstürzen unter LSD-Einfluß zu einem advokablen Monster von Falschinformationen heran, auf das auch heute noch Entscheidungsträger deuten, wenn es um eine griffnahe, billige Rechtfertigung von moralinsauer vergällten, stuhlpatriachalischen Vergeltungsurteilen im Zivilrecht geht.

Konsum von LSD, unter großem Tränenstrom vor den Richtertisch geschleudert, wiegt aufgrund vorherrschender Abergläubigkeiten fast so eindrucksvoll wie das Aufschlitzen einer Waschpulvertrommel voll weißem Pulver und das Emporhalten eines abgetrennten Schädels.

Man bedient sich des grundfalschen, aber leichtverkäuflichen Arguments, die Einnahme von LSD hätte eine Schädigung der Erbanlagen sowie schreckliche Mißbildungen bei nachfolgenden Generationen bewirken können.

Ähnlich roßtäuscherisch der Versuch, LSD-Experimente zur Erklärung von geförderter Eitelkeit und der Teilnahme an zweifelhaften Expositionen heranziehen zu wollen, zur Begründung von geleiteten Depressionen, Arzneimittelsüchten und Alkoholismus, oder zur billigenden Verschleierung von kriminellen Handlungen, sowie tabuisierten Beziehungskrankheiten im Hintergrund, etwa vom Typ Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom.

Sicher ist, daß ich am Faschingsdienstag des Jahres 1994 nicht LSD genommen hatte – und daß die Folgeschäden, die der Gesellschaft und den nachfolgenden Generationen durch schlechte Aufklärung und kalkulierbare Bildungsmängel entstehen, schwerwiegender sind als zwei Monate Mindestsicherung, und die Akzeptanz psychosozialer Behinderung ohne notorische Unterstellung von Selbstverschulden.

Wertvolle Punkte für Studium und Führerschein:

Sag in Österreich besser niemals, du hättest LSD probiert, oder sonst etwas.


Wiegeleid.

Üwa d’huatschnua.

In zwoa stind muaschd gea.
Du deafsch dein voda ned widasprecha, vasteast.
Du deafsch nid song, woa woa.
Wei dia des in die wiege glegt.
Gschribn schdeds aufd stoa.
Es gibt gsetz, gegn die begeat ma nid nia auf.
Wäu dem so is, wäu I des sog.
Boid muaschd gea.
Du deafschds ned sogn, vasteast.
Dem kutnbrunza do geht unsa gschefft nix o.
Gscheng is gscheng.
Muaschz midnehma, vasteast.
Sunsz leanschd mi no kena.
Sonsz kemi dia noch, des sog I dia.
Woaschd eh, du.


Posted in Faith, State Of Mind

Was gewesen wäre, wenn.

Vielleicht.

Zwischen zwei Gefängnisaufhalten von einem Jahr Dauer verbrachte ich drei Jahre in völliger Planlosigkeit.

Ich hatte kein richtiges Zuhause und wußte wenig mit mir anzufangen.

Ich hatte nicht einmal mehr einen gültigen Reisepass, obwohl ich davor schon in London, Paris, Südfrankreich, Rom, Athen, Istanbul, und sogar in Ägypten gewesen war.

Hin und wieder ließ mich die Mutter ein paar Tage lang bei sich wohnen, später gelegentlich der Vater.

Die Eltern waren sich darüber einig, daß ich längst erwachsen wäre.

Die praktische Unmöglichkeit, einen tragbaren Job zu ergattern, hing mir wie eine eiserne Kugel am Fußgelenk.

Ich trank Bier um Bier, schluckte Aufputschpillen, griff mir ein Moped, stellte mich an die B 54 und stoppte nach Wien, schluckte mehr schnelle Pillen, kiffte, verkaufte ein paar Plätzchen Haschisch weiter, und trieb mich herum.

Da und dort fand ich für ein paar Tage oder Wochen Unterschlupf.

Bei Gelegenheiten nahm ich  Heroin und andere Drogen, und kochte später Mohnkapseln aus.

Wenn die Akkus leer waren, nahm ich manchmal zwei, drei Barbiturat-Tabletten gegen den sich aufblähenden Horror und vergaß, wer und wo ich war.

Mehrmals landete ich in psychiatrischen Stationen, wo ich mit starken Neuroleptika zwangsbehandelt wurde und nach ein paar Tagen wieder über die Mauer kletterte.

Vor gravierenden kriminellen Handlungen schreckte ich zurück, gerade einmal stieg ich bei einem Arzt auf den Balkon, schlug eine Scheibe ein und stahl zwei Hände voll Suchtgiftampullen und ein Sackerl rezeptpflichtige Medikamente.

Ein Bekannter, der mir den Tipp gegeben hatte, verriet mich, und ich wurde zu einem Jahr Haft verurteilt.

Später ließ ich mich zu einer Langzeittherapie überreden, die ich unterbrach und im folgenden Jahr noch einmal begann, bis ich schließlich erkannte, daß dort niemanden geholfen wurde.

Wenn ich als Kind oder Jugendlicher darüber in Kenntnis gesetzt worden wäre, daß es jüdische Verwandte gab, hätte ich möglicherweise mehr Wertschätzung für mein Dasein und andere Menschen entwickelt.

Vielleicht hätte ich in einem anderen Schultyp etwas darüber erfahren.

Hätte sein können.

(Der Vater sagte einmal über Juden, daß  man von Juden nichts haben könnte. Er empfahl mir in späteren Jahren einmal das Buch „Memoiren eines Antisemiten.“ von Gregor von Rezzori.)


Endkampf Turmzimmer.

Psychogeriatrisches Hampelspiel um Ehrgeiz und Eifersucht unter den Gescheiterten.

„Der Joe dämpft alle Ratten aus – wie die Bazillen!“ beschied Heuer voll Überzeugung, und schlug mit der Faust in die offene Hand.

Er war mit dem Mittagessen aus dem Grazer Landesgericht für Strafsachen gekommen, um ein paar Monate abzubrummen, wuchtete seinen Binkel in den Haftraum und wußte seufzend mittels einer Handvoll jämmerlicher Zigarettenstummel in einer zerknüllten Packung „Spezial Landtabak“ Versorgerinstinkte zu wecken.

Er erschien allerdings in geheimnisvoller Mission, die Lage zu erkunden, Neuigkeiten von draussen und drinnen zu verbreiten, und dabei Unfrieden auszustrahlen.

Im Laufe von ein paar Tagen gelang es ihm, sich wieder aufzurichten.

Wenn er in einer anderen Zelle eine bessere Partie finden konnte, begehrte er Verlegung, und stand im lockeren Drillich, mit Geschirr und Bettzeug in der Justizwachekotze, für einen neuen Tag lang im Mittelpunkt.

„Ihr seid’s leiwande Hawara.“

An dem Finger, mit dem er herüberzeigte, fehlte ein Glied.

Daß sich ein Vierteljahrhundert später das politische Österreich ähnlich präsentieren könnte, wie es im kleinen Mustergefängnis am Hange des Grazer Schloßbergs skizziert wurde, war damals nicht absehbar gewesen.

Heute beschäftigt der Staat  in aller Öffentlichkeit Rechte, um gegen Linke vorzugehen, und Menschen, gegen die justament zivilgerichtliche Todesurteile verhängt worden sind,  müssen zur Wahrung der schiefen Optik zu Staatsfeinden erklärt und langsam zwischen den Wänden ihrer Zellen zermalmt werden.

Jeder Tag ist ein Provokationsmanöver durch das Bureau für Innere Angelegenheiten, das zur Zeit über keine feste Adresse verfügt.

Übergriffe kann man nicht ausschließen.

Die Wahrnehmung dieser Wirklichkeit vexiert zwischen Traurigkeit und Aberwitz.

Ich hätte in Untersuchungshaft, Anfang der achtziger Jahre vorigen Jahrhunderts, das Babygesicht einer Milupa-Werbung in einem Büchlein der Serie Readers Digest Best in diabolischer Weise übermalt.

Weiters hätte ich LSD-Trips häufig genommen.

Es gibt Einzelschicksale, die von den Studierenden ferngehalten werden müssen.

Ihr Vaterland soll ihnen erscheinen wie es der ORF retouchiert.

Die Position dieser kleinen Wohnung entspricht der eines Staubfängersackes an einem pneumatischen System.

Man wird chronisch krank.

Die Entlüftungsanlage saugt im Sommer wie im Winter aus dem Müllraum an.

Die Belastung durch Bakterien, Pilzsporen und Keime kumuliert, und stellt das Immunabwehrsystem auf Dauerbelastung.

Unter solchen Bedingungen lebten Menschen nicht lange, sie wurden krank und starben bald.

Hinter dem Holz, das gemütlich machte, verbargen sich Wanzen.

Eines Tages lag jemand mit Lungenentzündung im Fieber, und ein anderer stellte ihm eine entsicherte Kartusche mit Ungeziefer-Ex unters Bett.

Nach einer solchen Kur bleibt etwas zurück, das sich anfühlt, als wäre der Kopf in einem Schraubstock festgehalten worden, und weitergedreht, bis es knackte.

Sind Sie vielleicht aus der katholischen Kirche ausgetreten?


E Pluribus Unum

Einfach keine Rechtfertigung.

Wer mehr als einmal von sich gibt, Österreicher zu sein und sich trotzdem links der Mitte einreiht, muß sich bald den Vorwurf gefallen zu lassen, kleinkariert und selber ein Nationalist zu sein.

Wenn ich betone,  Österreicher zu sein, will ich darauf hinweisen:

Daß der Gedanke, Europäer und Weltbürger zu sein, aufgrund der eigenen Geschichte und Selbstwahrnehmung nicht fremd sein muß.

Daß man die österreichische Identität nicht als Derivat eines superioren Deutschtums oder Seppelknechtschaft des organisierten Verbrechens wahrnehmen darf.

Daß ein Österreicher einen anderen Glauben haben kann.

Daß österreichische Europäer kulturell tolerant und dem Ideal des Friedens zugeneigt sein können, ohne sich von angedrohten Gewalten einschüchtern zu lassen.

Die Bemerkung, wer nichts arbeite, könne auch keine Fehler machen, ist überflüssig.

Darin schlummert die Verwünschung, die soziale Wirklichkeit verschlechtert sehen zu wollen, damit es Menschen, denen es gerade noch gut geht, schlechter geht, damit es noch mehr Menschen gibt, auf die man mit dem Finger zeigen und selbstgefällig kommentieren könnte:

„Sehen Sie sich nur diese hilflosen Krüppel an.“

Das ist ein infantil-elitäres Wunschdenken, die österreichischen VolksvertreterInnen nicht ansteht.

Jemandem Verwahrung mit Freigang zu verschaffen und sich darüber enttäuscht zu zeigen, daß das angekündigte Versagen auch in dieser Lebenslage nicht eingetreten ist, zeugt von einer dem Schüssel’schen Zynismus schmeichelnden, menschenverachtenden Einstellung fernab liberaler und sozialer Denkschulen, ferne auch dem eingeschworenen Ideal von rechtsprechender Gerechtigkeit.

Und mit dem katholischen Glauben genau im Zentrum kann es nicht weit her sein, weil der Herrgott des Christentums kein geisselnder, Schmerzen zufügender, sondern ein Einsichtiger wäre.

 „Wer zu wenig Angst hat, wird faul.“

Die Justamentformel 12 x satt 14 x Mindessicherung ist jedenfalls programmiertes Scheitern.

Herauszuhören ist, daß jede/r Mindestbesichterte in der Lage sein müßte,  einen Betrag in der Höhe von  ca. € 1500,– für die Mehrbelastungsmonate irgendwie aufzustellen.

„Müssen’s halt zu Weihnachten Schneeschaufeln gehen.“

Das nenne ich verantwortungsschwach.

Franz Gänser 


Freitag, 04. September 2009

Aus dem ernsthaften Tagebuch eines satirischen Österreichers.

Mein Erzählstil ist im Grunde gymnasiastenhaft altklug.
Als Literat bin ich nur ein gealterter Schüler Gerber mit Galgenhumor.
Im ständigen Zweifel mache ich mich über mich selber lustig.
Wahrscheinlich werde ich die satirische Betonung niemals ablegen.
Jedenfalls horte ich nichts Verbotenes.
Früher oder später veröffentliche ich jeden Unmut.

Ich muß eine Angst überwinden, die mir die Luft abschnürt.
Ich habe heute noch Angst vor dem Holocaust.
Deshalb trage ich dazu bei, das Wiederaufkeimen der nationalsozialistischen Aussaat zu verhindern.
Ich halte es für gescheiter, rechtzeitig auszuschlagen, als die andere Wange hinzuhalten.
Vielleicht bin ich kein Christ – ich könnte jüdisch sein.
Ich respektiere Religionen.
Jeder Mensch hat einen Glauben.
Wer nicht religiös ist, bedient sich einer Art Philosophie.
Wer nicht einmal ein dieser Zeiten tragfähiges Weltbild skizzieren kann, ist arm dran.

Würde ich Drogen gebrauchen, wäre ich vielleicht ein klassischer Haschisch- und Opiumkonsument.
Ich brauche jedoch keine Drogen mehr, und Drogensüchtige kann ich nicht ausstehen.
Meine Wahrnehmungsfähigkeit ist von psychedelischer Weite.
Ich kenne sämtliche Rauschgifte und die durch sie hervorgerufenen Zustände.
Beeinflusste Menschen in meiner Umgebung machen mich nervös.

Man versteht die Menschen leichter, wenn man über ihre Schwächen Bescheid weiß.
Wer Drogen nicht kennt, kann schwer über Menschen befinden, die sie verwenden.
Die zunehmende Verfügbarkeit von gefährlichen Drogen fördert die Spaltung der Gesellschaft.
Es gähnt eine Kluft zwischen Leuten, die laufend Rauschgifte konsumieren und jenen, die sie meiden.
Wer Suchtgiften nicht widerstehen kann, wird schnell erpressbar.

Menschen sollten aus ihrem Drogenkonsum möglichst umstandslos die Lehre ziehen können, daß es besser ist, keine zu nehmen.
Sie müssen sich nicht von Denkschulen einfangen lassen, unter deren Einfluß sie weiterhin erpressbar bleiben.
Es würde sich als von Nachteil erweisen, wenn man allein keine Entscheidungen mehr treffen könnte.

Man muß in einer Gruppe von Unentschlossenen fähig sein, einen Entschluß zu treffen.
Mit dieser Autorität ausgestattet, macht man sich leicht unbeliebt.
Der Respekt der Gruppe bleibt jedoch erhalten, solange man keine Entscheidungen trifft, die den anderen zum Nachteil gereichen.

Es gibt Menschen, welche die Spannungen zwischen Gruppen und der eigenen Macht zur Entscheidung als Ansporn benötigen.
Ich glaube kaum, daß sich überspannte Verhältnisse auf Dauer als fruchtbar erweisen.

Ich lasse mich nicht mit fünfzig Jahren, reich an Erfahrung, aber guten Mutes, von einem Zwanzigjährigen zum Lausbuben machen.
Fünfzig Jahre sind die alleräußerste Grenze des Zumutbaren, an der man Menschen mit der Generation der eigenen Kinder über einen Kamm scheren will.
Da bin ich lieber Hausmann, als daß ich mich mit Narren an der Grenze zur Minderjährigkeit, die mir auf der Straße ins Gesicht spucken, in einen Kurs stecken lasse.

Kaum jemand ist nur aufgrund seiner persönlichen Leistungen in einer glücklicheren Position.
Der Arbeitsmarkt ist ein Schlachtfeld der Niedertracht, wo Menschen fortgeschrittenen Alters gedemütigt werden und seelisch erkranken.
Man raubt ihnen jede Lebensqualität, sie werden bevormundet wie Unterschüler und von unqualifizierten Ausbildern für blöde verkauft.
Das AMS hält ihnen zudem Vermerke aus Zeiten vor, mit denen sie sich nicht mehr identifizieren können.
Sie sind Opfer einer Politik, welche der Differenzierung ausweicht und böswillige Selektionen vornimmt.
An diesem Punkt herrscht Veränderungsgsbedarf.

Ich bin weder dazu erzogen worden, ein betuchter Unternehmer zu sein, noch ein darber Knecht.
Den Akademikerzug habe ich längst verpaßt.
Mit Erfolg gebildete Menschen können das einsehen.

Nach Caesaren herrscht in einer modernen Gesellschaft kein Bedarf.
Man sollte der urbanen Verunsicherung nicht mit einer Arroganz begegnen wie ein Provinzgouverneur aus dem Asterix-Heft.
Solche Volkstribunen stehen da wie in des Kaisers neuen Kleidern.


Therapie in der Kulisse.

Benzo-Bashing als politische Waffe.

Wer in Österreich Psychopharmaka verschrieben bekommt, was ein genaues Maß Eigenverantwortung nicht ausschließt, muß damit rechnen, bei jeder Gelegenheit von der Drogenkoordination ins Visier genommen zu werden.

Grund kann sein, daß regelmäßig der Hausmüll handverlesen wird, oder daß es sich bei Vertrauensärzten um Mediziner handelt, die auch Ausländer behandeln und ebenfalls observiert werden bzw. daß Organe der Staatspolizei einen Vorwand brauchen, um zwangspsychiatrische Maßnahmen androhen zu können.

Das kann, im besonderen während der Hundstage, bedeuten, daß selbst unbescholtene Bürger sich auf Observanzlisten mit substituierten Drogenabhängigen und zufallsgeneriert verdächtigen Partybesuchern wiederfinden und feindseligen Attacken seitens Agenten der Drogenkoordination ausgesetzt sind, die bewirken sollen, daß man sich in Panik versetzt, bedroht und an die Wand gedrängt fühlt.

Symptome, gegen die Präparate ursprünglich verschrieben worden sind, sollen, verblüffungstaktisch umgekrempelt, dem Konsum der Medikamente zugeschrieben, das Haushalten mit diesen als Selbsttäuschung und pathologisches Suchtverhalten entblößt, und auf diese Weise Gewissenskonflikte und Verzweiflungstaten provoziert werden.

Die Grenzen zwischen Antidepressiva, Beruhigungs-, Schmerz- und Schlafmitteln, legalen und illegalen Substanzen sollen suggestiv verwischt und „Beschäftigungslose“ der Versuchung preisgegeben werden, doch endlich – egal, scheissegal - auf Drogenszenen in Erscheinung zu treten.

Man unterstellt noch wahlberechtigten Fünfzigern einen kindischen, trotzigen Charakter, persönliche Attribute wie eine gesäuberte und juvenile Erscheinung werden abfällig beurteilt und als milieutypische Eitelkeiten beschrieben.

In Häusern mit Tradition nachwachsende Seelendoktoren fungieren als Verunsicherer, indem sie einem gleich zum Vorstellungsgespräch das Wort „Psychotherapie“ wie einen Tafelfetzen ins Gesicht werfen, wahrscheinlich,  um keinen Zweifel darüber zu lassen, daß sie sich entweder selber ein Zubroet verdienen wollen, oder ihren Freunden eines vermitteln, oder im Auge des Zyklons Drogenkoordination Freiwillige den Langzeittherapieinrichtungen des Anton-Proksch-Institutes, der Barmherzigen Brüder,  des Grünen Kreises oder der Denkschule von Scientology zuzurechnenden Institutionen  zuschanzen möchten.

Dabei geht es um die ständig ausufernde Weiterführung des Mißbrauchs eines ursprünglich lobenswerten Gedankens, junge Jugendliche möglichst unkomplizert aus dem Strudel Drogensucht und Prostitution zu befreien.

Bestehende Respektverhältnisse zu anderen Medizinern sollen durch offensichtlich gezinkte Begleitschreiben in Frage gestellt, langjährig bekannte Patienten mit einer drogendampfenden, konfabulierenden Laufkundsschaft zwischen Nordbahnhof, Donaukanal und Stadtpark verwechselbar gebrandmarkt werden.

Auf der Rückseite der lauten Anprangerung einer leichtfertigen Verschreibepraxis bei Psychopharmaka wird der organisierte Freiverkauf von verschreibungspflichtigen Medikamenten auf der Drogenszene verschwiegen.

Hinter dem Hinweis auf Abhängigkeits- und Mißbrauchspotential von Psychopharmaka soll der Skandal von 15.000 alkoholkrank multitoxisch morphinretardierten Frühtodeskandidaten, von denen die Hälfte niemals schwer abhängig von illegalen Drogen gewesen ist, medieneffektiv vertuscht werden.

Es ist darauf hinzuweisen, daß die Forderung nach Psychotherapie längst zur stereotypen Gewohnheitsverordnung, zur sozialrhetorischen Requisitenspritze geworden ist, deren drohendes Pochen auf Seriosität in höchstem Maße anzuzweifeln ist, und die einer Schutzgelderpressung zu Lasten der Gesundheitsversicherungen und letzten sozialen Reserven des eigenen Hauses gleichkommt.

Gebietskrankenkassen und Sozialämter dürfen in diesen Zeiten nicht unter Wegschau der Öffentlichkeit zur Selbstaufgabe genötigt werden, indem man sie faschistisch korrupt agierenden Einrichtungen überläßt, um asketische Flagellationstrainer, hyperventilierende Waldwurzelschamanen, virtuelle Basislagerinstruktoren sowie andere UnterhalterInnen zu finanzieren.

Wer unbekannte Menschen nach Hörensagen charakterisiert, Ferndiagnosen stellt, dazu Prophezeiungen ausspricht und an der Keule feixend den Reservechristus strapaziert, soll im Prinzip nicht locker auf die Kassen verweisen dürfen.

Morgen: Der Versuch, Qualitätssicherung durch Ausgabe und Verordnung von Qualitätssicherungskatalogen automatisieren zu wollen, stößt an natürliche Grenzen.


Pluralitaeten

Vor uns verdrängte Angst. 

Ich gehöre zu den Leuten, die zur Zeit wenig Positives wahrnehmen.

Aus dem Elternland Gutes zu berichten, fällt mir mangels Gelegenheiten nicht leicht.

Erfolgreiche Leistung zum Wohle des Menschen und der Gemeinschaft will jedoch verkündet werden.

Operationen am Auge sind – wie es aussieht – mit Erfolg verlaufen.

Es ist kein Wunder geschehen, und es war nicht Jesus Christus oder sein Stellvertreter, der mit einem Hubschrauber eingeflogen wurde, um mich sehend zu machen.

Ich bin nur als österreichischer Staatsbürger medizinisch so behandelt worden, wie mir einst in der Grundschule vermittelt worden war:

Kompetent und modern, grundberechtigt - nicht zur Belohnung oder als Strafe, ohne nervenärztliche Umleitung und ohne psychologischen Rechtsdrall.

Die Behandlung in der Augenklinik des Wiener Hanusch-Krankenhauses erfolgte weitgehend ohne Anlaß zu Beschwerden.

Ich fühlte mich gut versorgt und wurde stets auf dem Laufenden gehalten.

Alle dort Beschäftigten arbeiten vorbildlich in ihren Funktionen, und Hand in Hand, um Operationen an Menschen zu organisieren und ihren Aufenthalt angenehm zu gestalten.

Dafür muß ich ein Lob aussprechen, in Zeiten wie diesen.

Ich war an grauem Star erkrankt.

Grauen Star bekommt man nicht, weil man oft Haschisch geraucht hat (Künigl-Syndrom nach chronischer Bindehautentzündung).

Er kann auch Menschen treffen, wenn sie gegen Hepatitis C mit Interferon behandelt worden sind.

Dagegen empfehlen sich heute, eine zeitgemässe optometrisch-medizinische Versorgung vorausgesetzt, Dauer-Sehbehelfe, künstliche Linsen in den Augäpfeln.

Bis Ende des vergangenen Jahrhunderts gab es nur die stark vergrößernde Katarakt-Brille, die zwanzig Dioptrien ausgleichen mußte, um die natürlichen Augenlinsen zu ersetzen.

Diese klassische Starbrille hatte den fundamentalen Vorteil, daß man damit zur Not ein Feuer hätte entzünden können, falls einmal das Notfeuerzeug verloren gegangen sein sollte.

Auf keinen Fall wird man mehr so gut sehen, wie man sehen würde, würde man so sehen, wie es Gott gefiel.

Die Fähigkeiten natürlicher Linsen, sich mithilfe der durch bioelektrische Impulse zu komplexen Bewegungen veranlassten Augenmuskulatur zu verformen, sind einzigartig.

In früheren Zeiten sahen viele Menschen ihr kurzes Leben lang schlecht oder erblindeten frühzeitig.

Schwachsichtig zu sein, war häufig Empfehlung an das Schicksal.

Maßgefertigte Sehhilfen gab es nicht, nicht einmal für die Wohlhabenden.

Wie alle behinderten Menschen nahmen Schwachsichtige kaum am sozialen Leben teil.

Im Altertum wurden myopisch Behinderte in sozialen Kulturen Schreiber, um überleben zu können.

Schreiben war politisch begehrtes Kunsthandwerk - was sich verkaufen ließ.

Ein moderner Gewohnheitsschreiber hat es im kleinen europäischen Österreich nicht leicht.

Darüber wollte ich heute nicht klagen.

Weil ich ein nervöser Mensch bin, und nicht gut schlafen kann in fremden Betten, noch dazu mit mehreren Menschen in einem Raum, erbat ich auf Nachfrage von der jungen Frau, die im Schwesterndienstzimmer den Nachtdienst innehatte, eine Schlaftablette.

Nach kurzer Rücksprache mit dem Oberarzt wurde sie mir gewährt.

Die Tablette, von schlanken Fingern auf meine Handfläche gelegt, war hellblau und bauchig geformt.

Sie sah aus – ich sehe schlecht – wie eine pharmazeutische Verschmelzung von Valium und Viagra.

Die Nachtschwester, eine elegante, andalusische Erscheinung, wünschte mir freundlich angenehme Träume.

Dann erschien meine liebe Gemahlin und brachte mir ein paar knusprige Nachtbiskuits.

Wie unterhielten uns voller Zuneigung, über Dinge des Alltags und des eigenen Lebens.

Später legte ich mich früh nieder und schlief durchgehend traumlos bis in den Morgen.

Die Schwester der Nacht stand an meinem Bett und pinselte sanft, reinigend, rund um mein Auge, mit einem feuchten, aromatisch riechenden Wattestab.

Im Erwachen erinnerte sie mich an eine einst liebe Freundin aus meiner Jugendzeit.

Ich stellte fest fest, daß ich auf diesem Auge wieder sehen konnte, nicht viel schlechter wie auf dem rechten.

Es hatte geregnet, doch die Sonne schien auf, irgendwo im tiefen Osten.


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