In den Hinterstub’n der Bauernhochzeit.
Die Mutter hatte bereits ein Grab angemietet, für Jahrzehnte im Voraus bezahlt, einen schlichten Stein aus hellem Marmor gewählt und unter dem eigenen auch den Namen des Sohnes eingravieren lassen, daß nur mehr das Datum seines Versterbens ausständig blieb.
Nur war die Vorhersage der beratenden Fürsorgerin, einer Nichte der Mutter dritten Grades, nicht eingetreten, denn der Sohn war nach wie vor lebendig, und obwohl Frau Hitte in der Bundeshauptstadt mehrmals zu intervenieren versuchte, war es ihr nicht möglich gewesen, den Behinderten an die erzherzöglich-bischöfliche Kittelschürze Frau Amandas zurückzuordern.
Es sah nicht so aus, als könnte man mithilfe guter Beziehungen an der Wirklichkeit herumflicken, und der Stolz, den Chancen ihres Lebens mit großem Erfolg begegnet zu sein, schwand ihr selber dahin wie ein dünnes Kerzenlicht.
Frau Hitte hatte ein Schicksal prophezeit, aus dem psychologischen Lehrbuch für Sozialarbeiter - vom Scheitern eines kurzen persönlichen Glücks, im Sog der angeborenen Schwäche, der Versuchung, Verhaftung und Verwahrlosung, denn sie hatte sich vorgestellt, daß so einem winzig kleinen Mann ohne Nachkommen, ohne Rang und Namen, zwischen den mächtigen, gewichsten, Generationen von Offiziersfamilien entstiegenen Stiefeln gar keine Chance blieb, das Versagen ihm in die Wiege gelegt worden wäre von seinen Eltern, ebenso kleinen, unbedeutsamen Menschen, die in Zwist und Hader dahingetölpelt und im Buch der Geschichte vorhersagbar unerwähnt geblieben wären, allesamt bedeutungslose Blätter an einem schwächlichen Zweig des Lebens.
Wieder war ein Herbst ins Land gesunken und ein Winter nahte mit der Aussicht, vielleicht bis nach Rußland - Sibirien - vorzudringen.
So warteten vorweihnachtlich gestimmte Menschen übers Land verstreut wie alle Jahre auf den Vortritt des Todes, welche vierzig Jahre vorher am lamettierten Weihnachtsbaum noch Päckchen geöffnet und gemeinsam „Stille Nacht“ und „Es wird schon glei’ dumpa“ gesungen hatten.
Die Mutter auf den Tod des Mannes und des Sohnes, der Mann auf den Tod der Frau und des Sohnes, die Tochter auf den Tod der Eltern und des Bruders und Frau Hitte darauf, daß wenigstens ein Od’ von dem, was sie imaginiert und vorhergesagt hatte, während sie auf die Kraft ihrer Bachblüten-Tropfen schwor, zur Rettung des Scheins ihrer Seriosität bald eintreten möge.
Sie war davon überzeugt gewesen, einen posthypnotischen Befehl erteilen zu können, am aufgerissenen Fenster voll Häme gesprochen, als der Mensch, dessen Schicksal sie fortan zu wissen glaubte, ernsthaft krank und gewaltsam betäubt vom Thiopental dagelegen war, und sie ihn ausgefragt und beschimpft und spöttisch begutachtet hatte, als standesgemäßen Fastnachtsscherz.
Eine Familie kleiner Österreicher hatte die vermeintliche Erfahrung Frau Hittes als glatten Befehl verstanden, sich untereinander höchst niederträchtig zu verhalten.
Eigentum war verschleudert, entlehntes Vermögen voller Lebensfreude ins Casino getragen worden - wie beizeiten in der Hinterstub’n zur Bauernhochzeit gepoltert und gewiehert, im richtigen Moment sich einstimmig auf den mißratenen Sohn, den miserablen Bruder auszureden.
Das Landesgericht für Zivilrecht der Steiermark kam den Berechnungen des verschlagenen Finanzberaters mit dortiger Selbstverständlichkeit entgegen - die Richterin war bemüht, das Unrecht nach römisch-katholischen Kriterien unter den signierten Büßern zu verteilen.
Frau Hitte gibt heute an, sich von der Arbeit mit jener Klientel gänzlich abgewendet zu haben.
Daß sie am gegenständlichen geraubten Stückchen Land, um das besoffene Nazis einst Karten gespielt hatten, sehr interessiert gewesen wäre, bestreitet sie.
Ein erstes Rockkonzert.
Ein Schulkollege, Edouin, interessierte sich auch für Rockmusik.
Er war ein sehr guter Schüler, doch hinderte ihn beträchtliches Übergewicht daran, im Erfolgskampf um das Klassenprimat in der allerersten Reihe zu stehen.
Edouin stammte aus einer wohlhabenden Familie, alteingesessene Bürger, Kaufleute.
Wenn unsere Eltern eines sicher gemeinsam hatten, war es das Donauland-Abonnement, und so entsprach der Kern unserer jungen Sammlungen von Langspielplatten ungefähr den spärlichen Pop/Rock-Empfehlungsseiten im Quartalskatalog.
Es könnten auch ähnliche Anstrengungen um Befreiungen vom Turnunterricht gewesen sein, die uns eine Zeit lang Freundschaft schließen ließ.
Er gehörte zu den Leuten, für die es selbstverständlich war, daß sie andere Aufgaben abschreiben ließen, oder bei Schularbeiten Lösungen weitergaben.
Damit erntete er, locker über den Kopf gegriffen, Anerkennung und Respekt.
Unglück dräute herauf, als die großherzige, gewichtige Mutter Edouins ihm den weiteren Umgang mit mir untersagte, in der Begründung, daß Kinder, die ihre Eltern anlügen, auch ihre Freunde hintergehen würden.
Anlaß war ein Konzert des Rockbarden Wilfried gewesen, der sich mit rustikal zurechtgequetschtem Rock’n’ Roll-Gefiedel in den österreichischen Charts hatte platzieren können, aber schon wieder aus der Mode zu kommen drohte, ebenso wie die Popgruppe Turning Point.
Bei einer gemeinsamen Revival-Veranstaltung im Haus der Jugend sollten sich die beiden Acts noch einmal ins Gehör des Publikums bringen.
In Wirklichkeit handelte sich eher um ein widerwilliges Abarbeiten von Vertragsverbindlichkeiten.
Jedenfalls war Edouin zu Freikarten gekommen, von denen er mir augenzwinkernd eine abtrat.
An einem quirligen Ende des Buffets des Orpheums zauberte Edouin Bier in kleinen Plastikbechern herbei und bot mir lässig eine Zigarette der Marke Falk an.
Zu meinem Erstaunen erschien nur wenig Publikum.
Es war leicht, einen Platz in der ersten Reihe zu bekommen.
Edouin kannte die Musiker beider Bands bei Namen und wußte über deren musikalischen Stamm zu berichten, während im Zwielicht der Bühne zu Musik aus dem Radio Kisten geschleppt und Kabel ausgerollt wurden.
Der Sänger Wilfried erschien in einer lächerlichen Aufmachung, Daumen in die Riemen einer Lederhose stemmend, an einem Fuß einen Bergschuh, den anderen setze er bar auf den Souffleurkasten, bevor er seine größten Hits zum Besten gab.
Außer einem hohlwangigen Guitarrero mit einem altmodisch großen Elektroinstrument war gerade niemand aus der Band anwesend, und es herrschte backstage ein halbverhangenes Geschiebe und Geschaefte von zankenden Managertypen und langhaarigen Roadies, bis endlich eine saitenstimmende Kapelle beisammen stand, und ein paar Nummern heruntergeschrammt werden konnten.
Danach wurden wieder Verstärkeranlagen herumgeschoben, besonders die Beleuchtung wurde verändert, Mitglieder der Gruppe Turning Point erschienen, ein akademisch geprüfter, rotbärtiger Brustklampfenschläger mit zwölfsaitiger Gitarre und Cowboyschlapphut, ein blonder hagerer Basszupfer mit entferntem Blick und frostiger Mine, und dazwischen ein bleichgesichtiger, wackliger Sänger mit jugendlich getrimmtem Oberlippenbärtchen.
Er stieg auf polierten Plateausohlen in einem glitzernden Frack ins Rampenlicht, mit einem mächtigen Zylinder aus Spiegelscherben auf dem Kopf, um im wabernden Trockeneisnebel noch einmal die effektüberladene Teenagerschnulze „Life is Going On“ unter die Anwesenden zu schluchzen.
Das magere Geklatsche des immer lichter gewordenen Publikums wurde von Gepfeife überstimmt, es dürfte sich in der Tat um eine Playbackshow gehandelt haben.
Ich war bereits äußerst nervös und mußte mich schleunen, den Mitternachtsbus zu erwischen.
Der Mutter hatte ich erzählt, ich würde mit der ganzen Klasse in Begleitung von Deutsch- und Mathematikprofessoren im Grazer Opernhaus „Land des Lächelns“ besuchen.
Es stellt sich bei der nächtlichen Befragung durch die betont verstimmten Eltern heraus, daß ich weder wußte, wie der Komponist hieß, noch, daß es sich um eine Operette, und nicht um eine Oper handelte.
Vielleicht war ich seit jenem Abend dazu bestimmt, einmal in einer grausamen Welt jenseits von Gesetzen leben zu müssen, wie Mondschein und Stift, von unheimlichen Legenden umrankte, rauchende, schnapstrinkende, umherstreifende Jungen, denen ich auf nebligen Wegen zum vergeblichen Mathematik-Förderunterricht mit kaltem Schauern begegnete.
Crystal myths and technical ecstasy.
Die Chemikalie Propylhexedrin kann u.a. als „Molekularzerstäuber“ von Aromastoffen eingesetzt werden, besitzt ähnliche Eigenschaften wie die in aller Welt begehrten Drogen Speed, Ice, Crystal Meth etc., und ist vom Endverbraucher kaum von diesen Drogen zu unterscheiden, sofern sie nicht gerade markante Duftspuren (Geranien, Vanille, Eukalyptus-Menthol etc.) aufweist.
Propylhexedrin wird in gewissen Kreisen als Mittel zur Stimulation eingesetzt - etwa im Pferdesport, und mitunter als Wundermittelbasis bei obskuren Abspeckseminaren vertrieben.
Propylhexedrin ist jenseits pharmakologisch exakter Einwägungen mit Sicherheit toxisch, kann bei argloser und wiederholter Anwendung schwere gesundheitliche Schäden hervorrufen, sowie bei Injektion schnell zum Tod führen.
Propylhexedrin-Abmischungen werden, wie solche mit verschiedenen kruden Amphetamin- und Piperazin-Abkömmlingen, auf Drogenszenen als Ecstasy und Methamphetamin verkauft.
Propylhexedrin kann bei angeblich zuverlässigen Überprüfungen als unbekannte Substanz identifiziert werden.
Warum?
Propylhexedrin steht auf dem internationalen Chemikalienmarkt in unbegrenzten Mengen zur Verfügung.
Linktipp: World Wide Pills
Im Würgegriff der Nud’lhand (*): Alles Burschi.
Ich fühle mich heute krank, als würde eine Nadel durch meine linke Schläfe bis in den Augapfel getrieben, mir ist ein wenig übel und ich habe schlecht geschlafen.
Es ist ein bekannter Schmerz, der hinter das linke Schulterblatt ausstrahlt und lange andauert.
Es könnte ein grippaler Infekt sein.
Ereignisse reihen sich wie schwarze Perlen an einer Schnur, die ich zwischen zwei Fingern halte, und die mir entgleiten, während ich sie betrachte.
Daß meine Eltern sich an lauen Sommerabenden wie Seeelefanten gegeneinanderwarfen, mit verschränkten Armen, klatschende Menschenleiber, die schwitzend darum kämpften, welches ihrer beiden Leben das wichtigere wäre, davon habe ich schon erzählt.
Es wurde aus tiefster Brust gebrüllt und gegröhlt, und Hass und Wut wie aus aus Eimern geschüttet, Türen wurden zugeschlagen, Fenster aufgerissen, und die Mutter im cremefarbenen Mieder, mit lose baumelnden Strapsen, drohte wieder hinunterzuspringen.
Auf der Suche nach Ablenkung von dieser bitteren Wirklichkeit gelangte ich auch in den Club Toleranz, ein Kellerlokal, zuvor Stardust geheissen.
Dort waren Leute allerlei, Glams und Vamps, frühe Liberale, späte Hippies, Leute in Sneakers und Jeans, und solche in Samt oder Seide, vom Sehen bekannt, aus anderen Lokalitäten, mit einer Dose Dortmunder Aktienbräu in der Hand.
Sie saugten an Zigaretten, und lauschten dem unvergleichlichen Sound der Gruppe Boston, kristallklar und höchst fidel - brandneuer Aufnahmetechnik mit vielen, vielen Spuren zu verdanken.
In der Nähe eines düdelnden, knackenden Flipperautomaten saß unter anderem der Jungbürger Peter Frankowitsch, genannt Burschi, wohlgenährter Sohn einer Delicatessengreisslerfamilie in der Stadt Graz, umgeben von einem Dutzend guter Freunde, vor sich einen aufgebundenen Lederbeutel, ein Feuerzeug, zerbröselte Zigaretten, ein daumengroßes Stück Haschisch der Sorte Blonder Libanese, und stopfte eine Schillum-Pfeife, an der er ein paarmal tief sog - und sie dann umgehen ließ.
Es fällt mir nicht leicht, ihn aus solcher Ferne zu beschreiben – er hatte ein wenig markantes Gesicht, rund, wie geschwämmt, trug das Haar tagsüber glatt nach hinten frisiert, stets freundlich und nett.
Ein modischer, offen getragener Staubmantel zu flachen Schuh’n und lichter Hose, mit locker um den Hals geworfener Gebetsfahne, wirkte dagegen verwegen, und mag manche Zeitgenossen an einen Kaftan erinnert haben.
Es sah aus, als erschiene er an diesem Orte – tapsig und schnell gerührt - um Menschen um sich versammelt zu sehen und großzügig zu sein.
Wenn man an einem Tisch neben ihm zu sitzen kam, konnte es sein, daß man ein karottenförmiges Räuchergefäß in die Hand gedrückt bekam und kräftig mitinhalierte.
Rauchschwaden wurden vor Lichtquellen und Projektionen geblasen, man lehnte sich zurück, um mit der treibenden Musik zu verschmelzen, und vergaß eine Zeitlang, woher man kam und womit man sich befassen könnte.
Dort war eine Zeitlang das Zentrum vergleichbarer privater Zirkel, in denen mit Drogen experimentiert wurde, während Leute derselben Generation sich lieber anderen Studien widmeten oder Sport betrieben.
Nachdem ich an einer Schule versagt hatte, und an einer anderen nicht mehr Fuß fassen wollte, verbrachte ich ein Jahr als Voluntär in der Fahrzeugindustrie, in mittelbarer Nähe zu meinem Vater.
Ich praktizierte den Beruf eines Bürokaufmanns im Exportverkauf, jedoch ohne Ziel vor Augen, und gab zuhause vor, die Abendmatura zu absolvieren, während ich nichts anderes im Sinn hatte, als das bißchen Geld, das ich bei dieser Tätigkeit verdiente, schnell wieder auszugeben.
Für Puntigamer Bier im Cafe Schloßberg, wo ich dem Gymnasialschüler Morath auf Nimmerwiedersehen Lebewohl gesagt hatte, für ein paar Pieces Haschisch und Brettchen Captagon-Pillen, um immer öfter bis in die frühen Morgenstunden im Club zu sitzen, auf meiner Lebensfreude zu hocken wie auf einem schrumpfenden Gummiball, Musik und Visualisierungen durch mein Gehirn zu drücken, ziellos meine Substanz zu verfeuern, zuerst geschwätzig, später verschlossen und schweigsam.
Abgesehen von meiner Jugend hatte ich keine besonderen Eigenschaften.
Ich wußte nicht viel und taugte zu nichts, auf Augenhöhe mit ähnlich orientierungslosen jungen Leuten, und solchen an der Kante zur Zerstörtheit.
Die scheinbare Lässigkeit des Peter Frankowitsch, die schauspielische Noblesse seiner Gesten als rastlose Eitelkeit und verhängnisvollen Selbstbetrug zu durchschauen, war ich nicht imstande.
Einmal betrat ich mit einem Bekannten den Edelgreissler mit Sandwichbuffet in der Innenstadt.
Burschi stand hinter der Wurstvitrine mit leicht wässrigen Augen, bediente uns, g’schamster Diener, und händigte nach kurzem, geschickten Hantieren mit singender Schneidescheibe und Zweispitz anstandslos zwei krosse Lachsschinkenbrötchen mit Alpen-Emmentaler und filetierten Cornichons, in Wachspapier und Tüte des Hauses aus.
Viel fiel mir nicht auf.
Vielleicht erinnerte mich sein Blick unterbewußt an den meiner Mutter, die mich anflehte, wenn ich schon nicht wüßte, wofür ich zu funktionieren hätte, es wenigstens für sie zu tun.
Ich dachte nicht nach über das renommierte Haus Frankowitsch, seine altösterreichischen Wurzeln und interurbanen Verwandtschaften, nicht über die Sorgen der alten Frau Frankowitsch um ihren mißratenden Sohn.
Ich war nur ein Statist am Bühnenrand, hinter mythologischen Styroporkulissen aus aller Welt versteckt, bereit, bei Gelegenheit herauszuspringen, eine Runde mit den in der Handlung erstarrten Mimen zu drehen, mit großen Augen herumzuschauen und wieder zwischen den Requisiten zu verschwinden.
Einblendungen, die von der Zensur aus dem Tagesgeschehen herausgeschnitten wurden, und die ich heute, zur Pflege der Geduld und zum Zeitvertreib, zu Geschichten zusammenzusetze.
Als ich fähig war, die Qualen selber zu verspüren, denen der junge Herr Frankowitsch tagtäglich ausgesetzt gewesen sein muß, war es für jenen bereits zu spät:
Er starb an einer Überdosis Morfium.
Bis zum heutigen Tag sind die verbliebenen Bekannten uneins, ob er – ohnehin – Selbstmord begangen hätte, oder von einem gemeinen und rücksichtslosen Kumpan mit Vorsatz oder aus Nachlässigkeit getötet worden ist.
(*) “Der beste Druck ist der Händedruck“ - Österreichische Volkspartei.
Nachschau-Tipp: Ted Nugent – Stranglehold
Lügen-Familie in der Medizinaldiktatur.
Die Mutter war vielleicht in dem Irrlauben aufgewachsen, daß die wertvollsten Bestandteile aller Nahrung als Fett gespeichert würden.
Von einer ausgewogenen Ernährung, von Eiweißen und Kohlehydraten, hatte sie als Kind, während des Zweiten Weltkriegs versteckt in einem Graben in der Umgebung von Graz aufgewachsen, keine Ahnung gehabt.
Dort hausten Menschen fast wie im Mittelalter in schindelgedeckten Hütten, zwischen dichten Urwäldern, ohne Strom und Leitungswasser: Beeren-, Pilz- und Honigsammler, Köhler, Schaf-und Ziegenhirten; zwischen Niederalmen und Murenhängen, eisigen Bächen und Wassermühlen, Wald- und Bergbauernbauernvolk in geflickten, gewendeten Hosen und Jankern und Holzschloapfen, urtümliche Menschen mit geschwärzten Gesichtern und Händen, für die Graz eine kaum erreichbare Hauptstadt in einer anderen Welt war.
Fingerbreit Butter auf einem dicken Keil Brot, Schmalz mit Grammeln nicht schmäler, versetzte die Mutter in Entzücken, welches sie auf dem Bauch liegend, durch Romane blätternd, mit großem Genuß verzehrte.
Die derbe Vorausschlussfolgerung, daß im Leben von zwei Kindern eines auf die Butterseite fallen müsste, leitete sie aus ihrem dualistischen Proviantlagerbewußtsein ab.
Beim kontemplativen Austunken von warmem Brat’lfett, dem entrückten Aussaugen von Markknochen, aus der abgestellten Rindsuppe gefischt, auf der die Fettaugen schwammen, dick wie die Nullen auf einer Greisslerauslage, schlug das Herz ihr höher.
Obwohl meine allerersten Erinnerungen ein attraktiveres Bild - das einer aufgeweckten, hübschen, lebenslustigen Frau reflektieren, die Haarschleife, Pettycoat und Schuhe mit Bleistiftabsätzen trug, hafteten altertümlich oder kindlich anmutenden Gewohnheiten wie Schatten aus vergangenen Zeiten an ihrer Persönlichkeit – als könnte sie sich davon nicht befreien, weder vom beidhändigen keuchenden Schlürfen aus Krügen statt des Trinkens aus Gläsern, noch vom Ansetzen der Milchflasche beim Öffnen des Kühlschranks, wobei ein Bärtchen Rahm an ihrer Oberlippe haften blieb, den sie mit einem kleinen Seufzer der Freude ableckte.
Die Mutter schwärmte voll inbrünstiger Begeisterung von unglaublichen Schlachtmählern wie dem Blut- und dem Türkentommerl.
Bei vielen Gelegenheiten wies sie darauf hin, daß es im Krisenfall von oberster Notwendigkeit wäre, Meerschweine zu mästen und zu verspeisen, wobei sie im Dienste der Familiengesundheit vor deren Keulung oder Stechung keinesfalls zurückschrecken würde.
Wenngleich sie bürgerlich altösterreichische Gerichte gelungen zuzubereiten wußte, wobei sie sich gerne an einer aus dem Leim gehenden biedermeierlichen Rezeptsammlung orientierte, wurde sie den Glauben an den unübertrefflichen Wert tierischer Fette und die Unverzichtbarkeit von Fleisch niemals los.
Den Verzehr von gekochten geselchten Schweinerippen, wenn sie eine Selchsuppe mit Eingetropftem zubereitete, zelebrierte sie alleine, bäuchlings auf dem halboffenen Bett ruhend, nur ein Hemd des Vatters übergezogen.
So empfing sie mich oft nach der Schule, Venus, am Beine knurspelnd, mit fettglänzendem Munde, und es dauerte eine gute Weile, bis zur Suppe ein Essen bereitet war, ein gebratener Leberkäse mit Findus-Fisolen oder ein Berg Erbsenreis mit Endivisalat oder ein Kaiserschmarren und eine Schüssel Apfelkompott.
Zur Jause gab es Butterbrot, Schmalzbrot oder ein Kleingebäck mit Powidl, Selch- oder Hamburgerspeck, seltener Wurst und Käse.
Meine Verpflegung zur Schule erfolgte beiläufig und gedankenlos.
Sie war vom Gewicht nicht zu gering bemessen, oder verdorben – aber es gab, was es gab, tage- und wochenlang.
Ich litt in der Schule Hunger, dabei ekelte mir vor den sich ansammelnden Jausen - eine Diskrepanz, die mit meinem Nichtfunktionieren als Kind und Schüler im Lauf einiger Jahre ein untragbares Ausmaß annahm.
Anstatt mir verständlich zu machen, wie wichtig der Verzehr von Obst wäre, oder appetitanregende Früchte einzukaufen, gab es ein Packerl Sanostol von der Frau Doktor überm Gürtel, das mir in der Tat besser schmeckte als die angeschlagenen, wurmlöchrigen Apferl vom Großpapa mit Jutesackaroma.
Bis an der Rand der Pubertät trieb ich als bebrillter, pagenköpfiger Bübling ohne markante Gesichtszüge durch die Zeit, der eher in die Breite als in die Höhe zu wachsen drohte.
Weil ich mich unter der kommandierenden, launenhaften, mit dem Holzlineal züchtigenden Frau Lehrerin Just überhaupt nicht konzentrieren konnte, und gute bis durchschnittliche Noten den Eltern mangelhaft erschienen, bekam ich eine Zeitlang Tinktur zur experimentellen Intelligenzsteigerung, eine Mischung aus Schlankheitstropfen, Eisenoxid und Vitamin B, was eine wesensverändernde Wirkung bei mir zeitigte, bis sich herausstellte, daß ich vor allem kurzsichtiger war als bislang festgestellt.
Man verpasste mir eine scharfe Brille und dazu gleich eine Gaumenhaftzahnregulierung, letztere legte ich bald wieder ab, weil Frau Lehrerin Just sie nicht duldete.
Als ich von Mädchen tagträumte, mich beim Blockflötenblasen betont albern anstellte, Geschichten erfand, um von der Schule abzulenken und einmal mit einer Schultasche voll Disney’s lustigen Taschenbüchern im Keller abtauchte, statt zum Unterricht zu gehen, wurden die Tropfen wieder abgesetzt.
Meine Mutter bekam Angst, ich könnte vorzeitig vermännlichen und schwerer zu bändigen werden.
In der dritten Klasse Volksschule wurde ich zwischen den Elternteilen zu beiden Seiten der Telefonverbindung so nachhaltig aufgerieben, bis die Hämatomsalbe pasta plumbi zum Einsatz kam, und eine Besserung meiner Leistungen nur eintrat, als mir der Vater eine Zeitlang abends bedrohlich zähnefletschend Rechennachhilfe einbläute.
Ich war ein nervöses, manisch-depressives Kind, litt unter Angstzuständen, Konzentrationsstörungen, juckenden Kopfschuppen, restless legs, Einschlafstörungen und Schweißausbrüchen, und fühlte mich in der Kleidung, die meine Eltern für mich kauften, fast immer sehr unwohl.
Als der Großvater in einem Pflegekrankenhaus mit anus praeter, ein wehklagender Märtyrer auf einem Kirchengemälde, zu dritter Klasse in einem Bettensaal verstarb – infolge einer Bauchhöhlensepsis nach einer lange verharmlosten und verschwiegenen Stichverletzung - fuhr mein Vater mit mir auf den Grund und durchsuchte die Keusche, mit offenkundig enttäuschendem Ergebnis, aber tief drinnen im stockfinsteren Lehmkeller fand er, mit Braunpapier umwickelt, eine dickwandige Medizinalflasche mit geschliffenem Glasverschluß mit Klumpen von Kokain, die er wortlos in seiner Aktentasche verstaute.
Kinder vom Nachbargrundstück kamen wie verspielte Hunde angelaufen und fragten ahnungslos nach Herrn Dorn.
Mein Großvater wäre schon gestorben, teilte ich ihnen, männliche Lässigkeit mimend, über die Schulter und den morschen Lattenzaun mit.
Mein erster persönlicher Kommentar war indes gewesen, der alte Depp wäre nun endlich tot, nachdem meine Mutter die Ablebensnachricht am Telefon entgegengenommen und mit unerwarteter Fassung verkündet hatte.
Ich fragte mich später oft, warum ich so reagiert hatte, aber es waren die Worte meines Vaters.
Der Großvater war falsch gewesen.
Die Eltern sind falsch gewesen.
Wenn es um Weckamine ging, taten Eltern, als wüßten sie von nichts, dabei waren Aufputschmittel und Schlankheitstropfen in den sechziger Jahren so weit verbreitet gewesen wie heute Antidepressiva.
Vor allem Frauen bekamen Weckamine.
Die Verweigerung der Verschreibung von Weckaminen hatte mitunter persönliche Gründe und konnte sadistische Formen annehmen, arrogante Sanktionen durch haifischgrinsende Vertreterinnen einer weissbekittelten Bildungselite.
Empfindliche Wesen, die für rülpsende Betrüger ihre Hemmungen fallen lassen und ihr Innerstes nach Außen gekehrt hatten, zogen sich hilflos in Schneckenhäuser zurück – unfähig, eine Erklärung zu finden für diese Wirklichkeit und die Illusion von beständiger Harmonie und Leidenschaft.
Sie erfuhren keinen Trost mehr, vereinsamten, und verblassten in einer vergangenen Zeit.
Mr. Dellamorte, the meat grocer, a hearty grin on, wrapped the papersheet into a sausage slice and handed it over.
I must have looked a little confused, like I am, when arriving over there.
“Did I really order ten grams?” I asked myself.
The supervisor in the reception office was a friendly appearance with a ginger plate.
She looked convincingly stable.
The acommodation was not so bad for the few days, the room was clean and had a fridge and TV.
I am a writer and pensioned for mental insanity, someone who needs a place to sit and drink coffee, read papers, make notes, watch birds and people and think about things.
I don’t feel like a lost stranger at places like this, my cautious couriosity and inconspicious personality make me quite easy accomodate to another rhythm of life.
I am, which may seem special, used to talk to myself.
People may think I’m crazy, so it has to be true.
This doesn’t mean I’m too stupid.
I perceived curious acoustic phenomenons the other night, as well as I noticed the presence of tingling tension and greedy lust.
It felt like the house had been covered under a mighty lucid medusa* that kept the overnighters below a jelly grip of fascination and restlessness.
I saw that girl on the corridor in front of a mirror, working eagerly on her spots, and noticed her nervously triptrapping between her room and the shower place in little clothes.
Her friend had left the house through the side exit, wearing a fashionable jogging suit that appeared to me like a combination between a diving overall hoodie and a Zorro costume.
The young couple didn’t look as if he was out for early morning sports.
Average tourists might become scared.
If one knows what it’s about, it’s exciting entertainment.
A good place to hang out in a watching distance and invent a real story.
* Medusa – latin word origin ( fr. méduse) = jellyfish
30 Jahre „Helfen statt Strafe“.
Eines windgekühlten Vormittags saß Fasching auf der anderen Seite des Fliegengitters und laberte mich an.
Ich wußte nicht, was ausschlaggebend für seinen Besuch gewesen war, aber er schien bemüht, sich so darzustellen, als ob ihn meine Eltern geschickt hätten, sich um mich zu kümmern.
Er trug Hornbrille und Schnauzbart, dazu ein rustikales Gilet mit Silberkugeln, und erinnerte mich zuerst an Towje Kleiner in „Der ganz normale Wahnsinn.“
Ich war überrascht, endlich Besuch zu bekommen, aber meine Freude hielt sich angesichts Herrn Faschings in Grenzen.
Fasching entstammte der Sozialarbeit in der Psychiatrie, hochlobte voller Stolz die Drogenberatungsstelle in der Grazer Paulustorgasse, wie aus der großen Quetschharmonie geduedelt, flammte und loderte darüber von der neueröffneten Dependance des Anton-Proksch-Instituts in der Hinterbrühl bei Mödling, und deren aufgeschlossenem, verständnisvollen Leiter, Primarius Dr. Pernhaupt.
Es gäbe moderne Behandlungmethoden – und neuerdings die Möglichkeit … bedingten Strafnachlasses bei Drogendelikten.
Er verwendete in seinem Bewerbungsgespräch immer wieder das Wort „Wir“ satt „Ich“.
Ein schief grienendes, neonfarbenes, händchengrüßendes Männlein in einem „Hilfe statt Strafe“-Leibchen versuchte rastlos, es sich im Labyrinth meiner Gehirnwindungen bequemzumachen, fand keine geeignete Stellung, und verlief sich in endlosen Weiten.
Ich hatte ein Fahrrad gestohlen, das ich im Dorotheum versetzen wollte, und war in der Herrengasse aufgehalten und festgenommen worden.
Eine Handvoll Kleindelikte, ein wenig Haschisch, ein bißchen Heroin, waren fällig.
Dazu Finanz- und Zollgebühren, blaue Briefe, niemals abgeholt.
Ich war zu einem anschwellenden, leberzersetzenden Alkoholiker geworden, nachdem ich ein halbes Jahr vorher einen Mohndrogenentzug weggetschechert hatte.
Die Ausnüchterung in Untersuchungshaft war seelisch schmerzhaft und offenbarte echten Herzenskummer.
Freundin K. ging mir fürchterlich ab, obwohl die strapazierte Liebesbeziehung eine Ursache meiner Qualen gewesen war.
Immerwiederkehrende Rückblenden auf Täuschungen von Menschen, die mir vertraut hatten, peinigten mich schwer.
Ich balancierte auf der Kante zwischen Selbstmitleid und Wahrnehmungskritik, versuchte die bleischwere Zeit zu bewältigen, indem ich alles niederschrieb, was mir ein – und auffiel.
Dieser Kerl erschien mir, zweitens, aufdringlich.
Er wirkte bei allem aufgebotenen Enthusiasmus auf mich nicht überzeugend, trotz Sozialpädagogenkostüm, eher zielstrebig Terminlisten abarbeitend, im Tempo des Untersuchungsrichters für Suchtgiftangelegenheiten.
Er hatte den leicht hölzelnden Rededrang eines von einer Handvoll Antapentantabletten beflügelten Tupperwareverteilers.
Ein Besuch bei der sportlichen Sozialarbeiterin der Haftanstalt wäre kurzweiliger gewesen.
Man konnte ein Gespräch lang auf ihre Fesseln spechten und herunterzählen, bis sie erneut die Beine übereinanderschlug und mit dem anderen Fuß wippte.
Ich hatte mich im Anschluß auf den Bauch gelegt, die Augen geschlossen, und war in der Sommergluthitze, in die raue Bettdecke gekrallt, heftig über die Ufer getreten.
Ich dankte Fasching für den Besuch und versprach, in der Beratungsstelle vorbeizuschauen.
Wenn es soweit wäre.
Die Farbe Grüne als Corporate Design.
Gelegentlich überkommt es mich, und ich betätige mich hier als politischer Laienbeobachter.
Die austrianischen GrünInnen ziehen mit wehenden Fahnen gen Europa, doch es schwebt, mit Helium aufgefüllt, der UNWAHLBÄR an einem Seil, und verfinstert die Sonne.
Es wäre die Farbe Grün als CD an eine andere Interessentengruppe verkauft worden.
Der gnadenlose Auftakt zur radikalen Veränderung erfolgte in Wien, und könnte eine Verfremdung der Grünlandschaft Europas im Dominoeffekt mit sich bringen.
Niemals zuvor hatte bei einer Meditation im Grünen Pim Fortuyn von unten angeklopft und die weisende Hand zum Gruß erhoben, während mir ein unbekanntes rotschwarzes Insekt ins Knie biß.
Darüber begann ich zu rasen – waren wir doch alle einmal, als wir mit Politik noch gar nichts am Hütchen hatten, außer dem albernen gemeinsamen zeremoniellen Hanfkonsum – noch grün hinter den Ohren, Grüne gewesen.
Also warf ich dem mir persönlich lieberen Herrn Pilz eine kurze Nachricht in die Box, und teilte meinen Unmut mit, ließ dorten wissen, daß Grün beim besten Willen keine Option für mich wäre.
Boeshaftiges Gefeix fiel mir darüber hinaus noch ein, daß es die Grünen beim eigenen Hausputz mit der Gründlichkeit nicht so genau genommen hätten, und daß einer Schwarzen Witwe im Gemeindebau der Weisse Riese vorm Fenster zuwinke.
Die liberal-heroischen Damen unter ihren wehenden Fahnen würden zischeln, dies wäre unterklassig, darauf würde ich erwidern:
„Das wollte gesagt werden.“
Es kann den Neuen Grünen Europas nur bedeutungslos sein, was einer der letzten Narren mit Stimmrecht in Österreich von sich gibt.
Dennoch bleibt die Frage: „Ich bin Demokrat und kein Faschist, Du bist Demokrat und kein Faschist – warum müssen wir einander wehtun?“
Politik, entblößt: Dreckiges Geschäft.
Schichtenwechsel zwischen Gedächtnis, Fantasie und Bewußtsein.
Wo häufig sehr arme Menschen Schnäpse und Limonaden verpanschen, sah ich am Vormittag Dr. Heinrich Gross sitzen.
Er hantierte mit einem Regenschirm – ein rosiges, aufgeschwämmtes, harmloses Gesicht unter einer Pepita-Kappe.
Vielleicht wohnt er hier irgendwo – oder er ist schon gestorben, und es war nur eine Projektion.
Das kommt häufig vor in dieser Gegend, wo Berge von Trümmern der einstigen Mazzesinsel in dicken Zeilen entlang des Handelskais sich anheben, die Höhe des Millenium-Towers zu erreichen.
Mir fiel ein, wie ich als Kind im Fernsehen „Sindbads siebente Reise gesehen hatte“.
Ich war von der Szene beeindruckt gewesen, in der Sindbad der Seefahrer, in Pluderhosen, ein Krummschwert schwingend, seine Gefährten, die in einer Felsnische kauerten, tapfer gegen Zyklopen verteidigte.
Ein Zyklop war das Schauerlichste, was ich damals im Fernsehen gesehen hatte:
Der Kopf war spitz, pyramidenartig nach oben zulaufend, wo das einzige Auge saß, die Haut reptilienhaft schuppig, säbelähnliche Zähne ragten aus dem Unterkiefer hoch.
Er stieß ein Gebrüll aus, das klang wie das elektrisch verstärkte Plektrongeschrammel im Finale von Iron Butterflies „In-A-Gadda-Da-Vida“.
Die Szene endete damit, daß der Zyklop geblendet wurde, sodaß Sindbads Truppe verschnaufen konnte, bevor der schreckliche Vogel Rock erschien, ein Geier mit mehreren Köpfen, die abgeschlagen werden mussten.
Damals war der Pappa noch lieb gewesen, er ließ mich beim Fernsehen neben sich liegen, und erläuterte mir zu Sindbad und seinen aufregenden Expeditionen über die Meere.
Von Homers Odyssee, und der Ähnlichkeit und Unterschiedlichkeit dessen Reisen mit den Sindbad-Erzählungen aus „Tausendundeiner Nacht“ erfuhr ich erst viel später.
Tatsächlich könnte Sindbad in der Timor-See, vielleicht sogar im Chinesischen, Odysseus dagegen auf der Insel Krk im Adriatischen Meer gelandet sein.
Zyklopen kommen jedenfalls in beiden Sammlungen von Erzählungen vor.
Dann erschien als Hexe Gundel Gaukeley Tante Sigrid, die elegante Schwester meines Vaters, die ich nicht mehr sehen durfte, seit ich sie beim Nägellackieren gestört hatte.
Sie verwandelte, eine funkensprühende Nagelfeile schwingend, Onkel Dagobert, Onkel Donald, und die Neffen Tick, Trick und Track in Schweine.
Zyklopen-Brüllübung (mit Stirnauge aus Opalglas).
Boanigl Sepp: „Voda! Trink ma’ no’ an Schnops miteinand’!“
Zyklopen-Brüllübung.
Boanigl-Sepp: „Wos? Abschütteln wollt’s ihr mich, einfach so? Dann sollt’s ihr mich als Feuerteufel kennenlernen!“
Vorhang.
Mehr aus der ferneren Vergangenheit eines österreichischen Versagers.
Mein Vater beschwerte sich noch Jahrzehnte später bei Bekannten, daß ich mit einem Elektromann-Baukasten, den er mir zu Weihnachten geschenkt hatte, nicht mehr zustandebrachte, als eine kümmerliche kleine Glühbirne nach Aufklemmen auf eine Blockbatterie zum Funzeln zu bringen:
Ein lächerliches Geknipse, das ich ihm zweimal vorführte, um Lob zu erheischen, wofür ich beim erneuten Anlauf vor Anwesenden furchtbar gedemütigt wurde.
In Wahrheit experimentierte ich mich im Laufe von Wochen intuitiv bis zur Türklingel und zum Morse-Transmitter durch – dann ging mir das beiliegende Material aus, und die Vorstellung eines selbergewickelten Gleichstrommotors rückte in unerreichbare Ferne.
Schon in der Volksschule wünschte ich mir einen Radio-Cassettenrecorder, einen der wertvollen Wunderkästen, mit denen Kinder modernerer Eltern zu beeindrucken wußten.
Es gab nur ein altes feldbraunes Koffer-Diktiergerät von Grundig, das der Pappa aus der Firma mitgebracht hatte, mit hundertmal überspielten Bandspulen, das beim besten Willen nicht geeignet war, um Musik vom Radio aufzunehmen.
Ich hatte bereits eine Dampfmaschine, die ich gerne zu den Wochenenden mit Trockenspiritus befeuerte und Druck abpfeifen ließ.
Im Jahr darauf erhielt ich zwei Elektronikbaukasten von Braun, die nicht ganz zusammenpassten, sodaß verschiedene grundlegende Experimente gar nicht durchgeführt werden konnten.
Man heftete die in Kunststoff geschweissten Elektronikmodule an eine Metallplatte und legte die Kontakte nach Schaltplänen aneinander.
Die detaillierten Anleitungen zum Verständnis der Teile und ihrer Interaktionen zu studieren, war mir zu anstrengend – ich las lieber Karl-May-Bücher.
So stellte ich zigmal zusammen, was mich beeindruckte, bis ich die Diagramme auswendig wußte:
Tongeneratoren in Kombinationen mit verschiedenen Sensoren, und den Transistorradio, mit dem man UKW nicht empfangen konnte (*).
Wenn mich diese Zeitvertreibe langweilten, leerte ich wieder die Dash-Trommel mit den Legobausteinen am Wohnzimmerboden aus und baute wenig ansehliche Bahngespanne, ließ sie Oval und Achterbahn laufen und spielte gemeinsam mit meiner kleinen Schwester zu Füßen der Eltern und gelegentlicher qualmender, quasselnder Besucher.
Ich wünschte mir sehr einen Radiocasettenrecorder – und bekam bei nächster Gelegenheit einen Fischertechnik-Baukasten, für den ich mich kaum begeistern konnte.
Ein Mikroskop mit allerlei Instrumenten und Präparaten, Eprovetten, Farben, Kristallen, und einem Spiritusbrenner, zum zehnten Geburtstag, machte mir mehr Freude.
Als Gymnasiast begann ich auf Anregung des Moser-Onkels Fritz, der mir sein erstes kleines Album überließ, Briefmarken zu sammeln, ein Steckenpferd, dem ich eine Zeitlang mit Geduld, Ordnungssinn und Ruhe nachkam.
Den Radiorecorder begehrte ich immer mehr, und meine schulischen Leistungen waren in der neuen Anstalt desaströs – Mathematik über das lebensnotwendige Rechnen hinaus war mir ein Alptraum.
Auch die germanistische Strenge des Deutschunterreichts machte mir lange zu schaffen.
Die Schule ging an die Nieren.
Meine Beine zuckten nervös, elektrischer Stom fuhr stoßweise durchs Knochenmark, und ich konnte nach ein paar Minuten Aufmerksamkeit kein Wort mehr aufnehmen.
Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat – ohne Aussicht auf Erlösung.
Anfallsweise versuchte mir mein Vater mit Gewalt Arithmetik einzupauken, aber ich brauchte immer wieder Nachhilfestunden bei Herrn Eisenberger, einem belastbaren, knebelbärtigen, Rechenprobleme fingerschnippend lösenden Oberschüler, der nach seiner Matura keine Zeit mehr für mich aufbrachte, nachdem er kopfschüttelnd festgestellt hatte, daß jene Schule wohl nicht meine Sache war.
Jahrelang interpretierte der Vater meine Mißerfolge immer wieder so, daß ich unfähig wäre, logisch zu denken, oft, bevor ich grausam von ihm gezüchtigt wurde.
Mit zwölf bekam ich zu meiner großen Erleichterung genau das Puch-Bergmeister-Fahrrad, von dem ich geträumt hatte, und nützte häufig die Gelegenheit, mich der Tristesse zu entziehen – freitagabends zu den Späher-Pfadfindern, oder um mit Freunden, denen es ähnlich wie mir erging, umherzuradeln und zu schwatzen.
Mein Vater hatte den Spielcomputer Logikus nach Hause gebracht, mit dem er sich im Büro ein paar Lektionen lang selber beschäftigt zu haben schien, aber er schenkte ihn mir nicht, sondern schob ihn wortlos unter ein Aquarium.
Was dieses scharnierähnliche Geschiebe unter gelochtem Kunsttoff, bar aller Transistoren, Gleichrichterdioden und Widerstände mit einem Computer zu tun haben sollte, konnte ich nicht begreifen, das Wesentliche der beiliegenden Literatur im hastigen Überlesen nicht wahrnehmen.
Ich steckte einmal nach Plan ein paar Drähte in Löcher, bis durch richtige Anordnung von ein paar Schaltern eine Birne zu blinken begann.
Warum sie das tat, konnte ich nicht nachvollziehen.
Wenn ich eine Glühbirne für die Fahrradbeleuchtung brauchte, schraubte ich sie aus dem Logikus heraus.
Es bäumte sich ein alter Mann, bereits am Totenbett unter Leinen, ein allerletztes Mal auf, und röhrte röchelnd: „Diese Rotz-pippen hat doch von keinem Computer eine Ahnung!“
Bei einer Mathematikschularbeit verbarg ich den ersten Aristo-Taschenrechner zwischen den Oberschenkeln und tippte nach, statt mit dem Rechenschieber zu arbeiten, schummelte einmal mit Erfolg, wurde beim zweiten Mal ertappt, und hoffte noch ein Jahr lang auf einen Umstieg in eine musisch-pädagogische Schule.
Ich fing mit einem Duplikat des Mathematik-Schularbeitenheftes an – und täuschte den Eltern gute Leistungen vor, um mir Freiheit zu stunden.
(*) Das bedeutete um 1970, daß man nicht OE3 hören konnte, also keine Pop- und Rockmusik.
Zufall oder Zufall.
Österreich und die Probleme von Drogenkoordination und Innenministerium mit einem Webautor.
Ich bin vor allem anderen Satiriker und denke mir einen guten Teil meiner Beiträge aus, weil sie der Wirklichkeit nahe kommen.
Die Ermittlungstaktik zeugt von dem faulen Spiel, das bei uns läuft.
In der Regel begehen Verbrecher Verbrechen, und die Behörden klären sie auf.
Wenn das Aufklären immer schwieriger wird, kommt es vor, daß Menschen, denen in der Vergangenheit etwas nach- oder vorhergesagt worden ist, zu Sündenböcken gemacht und so lange provoziert werden, bis vielleicht etwas passiert, was der Vorhersage gleichkommt.
Und sie werden als erste verdächtigt, wenn Dinge passieren, die angeblich ihrem Profil entsprechen könnten.
In Wirklichkeit hat die Polizei – unter einer anderen Führung – versagt und fehlgeleistet, zugunsten von politischen Einflußnehmern.
Man will mich um jeden Preis noch immer zum Schüler Gerber machen, weil ich in früheren Jahren LSD konsumiert bzw. an Experimenten mit LSD teilgenommen habe, welches mir mitunter mit Hintergedanken weitergegeben worden sein mag.
Der Kampf gegen LSD ist auch geheimer Auftrag des österreichischen Bunderheeres.
Die braunen Kapseln, von denen vor kurzem ein Brettchen – zur wiederholten ausserordentlichen Beweissicherung – nebst anderen Proben aus unserer Hausapotheke, entnommen wurde, heissen „Legalon“ – und sind ein Leberheilpräparat, auch wenn der Name für Sie so ähnlich klingen mag wie „Legalize“, was gelegentlich zum Vorschub einer falschen Interpretation führt.
Können Ihre Leute nicht lesen?
Wie oft werden Sie sich noch irren?
Und vor allem – was steckt hinter Ihrem Vorgehen?
Daß sie ausgerechnet uns terrorisieren, ständig unsere Wohnung nachsperren, schon wieder unsere Pflanzen vergiften – wie bereits 2003 – und sogar unsere alte Katze gegequält haben.
Warum – das beginnen inzwischen immer mehr Menschen zu ahnen, zumindest die interessierten Gäste dieses Weblogs.
Das stärkt meine Hoffnung, daß es nicht völlig verloren ist, wenn ich das Leiden protokolliere.
Und bleibe zuversichtlich, daß meine Hinweise auf die wirklichen Zustände dazu führen werden, daß den Verantwortlichen niemand mehr die Stangen hält.