Berufsunfähigkeitspension – ein tickendes Geschenkpaket?
Werden die Leiden, die einst zur Gewährung einer Invaliditätspension führten, aufgrund ihrer gesamtmedizinischen Komplexität unbeschreibbar, wäre damit eine kaum benennbare Erkrankung als unheilbar einzustufen, finden sich schnell erzpolitisch beflügelte Handlanger bereit – tutender Posaunen und toenender Schalmeien – einen trotzigen Buben mittels beinharten psychologischen Krippenspiels zurück aufs Kreuz nageln zu wollen.
Zu groß ist die Angst, die Verantwortung für die Durchfütterung eines kerngesunden, kraftkesselnden Tippelbruders alleine tragen zu müssen, könnte doch eine große Karriere an diesem offensichtlichen Fehlbescheide scheitern.
Ohne die Leiden und Behinderungen, die zur Gewährung führten, weiter zu beachten, sollen generell einfachere Wege geschlagen werden, die organisierten Sturmtrupps anonymer Behinderter gefälligst in die Wartesäle des Arbeitsmarkts zurückzudrängen.
Eine Aufgabe für jene Spezialisten der Parlamentsfraktionen, nach denen gerade kein Bedarf besteht, Besenkammerreservisten für den Endkampf – Mann gegen Mann.
Motto: Wir lassen die Spielregeln beiseite und drehen einfach den Geldhahn zu.
Thema: Politische Einflußnahme auf die Pensionsversicherungsanstalten, deren guter Ruf in strenger Regeltreue ankert.
Es liegt in der Natur des faschistoiden Territoriums Österreich, Situationen entstehen zu lassen, die einzelnen Bürgern, deren Art zu denken, sich psychologisch nicht unterwerfen zu wollen, keine Möglichkeit als die der Selbsttötung offenläßt, das heisst, ein beträchtlicher Teil der Berufsunfähigkeitspensionisten säuft sich zu Tode.
Das macht prognostizierende Kalkulationen leicht.
Führte einst Mobbing am Arbeitsplatz zu Depressionen, Burnout und Invalidität, findet, bei Nichtannahme der mittels der Strahlkraft dekorierter Fachmedienprimissimi zu erzwingenden Dressurhaltung, eine großangelegte Fortsetzung der Schikanen statt, die wenig Hoffnungen offenläßt.
Es wird auf diese Weise das Heilungspotential der Auszeit zur Krankheit gemacht.
Schlußfolgerung: Die PVA soll einzelne Kunden nicht länger anerkennen, sobald sich diese in politischer Weise äußern, weil sie etwa einen Weblog führen.
Es wäre diese Art, mit sich selber umzugehen, nicht gutzuheissen, und stünde einer Heilung im Wege, wäre … Therapieverweigerung.
Welche Wege der Versuch der Umgehung der Vorschriften beschreitet, lesen Sie an diesem Ort.
Der Rentenklau läßt grüßen.
Das Hinauszögern der Zahlungen bis zum Letztmöglichen trifft nervlich angeschlagene Menschen zu diesem Wochenende wie ein brutaler Magenstrudel.
Wer sich nicht daran gewöhnt hat, sein wenig Budget einzuteilen bis Ultimo, wird es lernen müssen, und kann außerdem erkennen, daß alles seinen Preis hat, auch eine Pensionserhöhung von 1,5 Prozent.
Vorsätzliche Überlegungen, einen Transferquotienten zwischen Pensionsversicherung und Anschriftspostamt mittels Orientierungskompaß und TI-30Xa Solar zu ermitteln, scheitern, wahrscheinlich aufgrund sich überlagernder elektromagnetischer Felder.
Am Mexikoplatz will sich ein winterlich wattiertes Mädchen an meine Seite heften, von einer Begleiterin an der Ecke Ennsgasse abgespalten, die ihr Haar zu einem maiskolbendicken Zopf verarbeitet trägt.
Das Kind sieht aus wie ihre pausbäckige Kleinausgabe.
Ich bleibe stehen und schaue zurück, um sicherzustellen, daß es noch einen Begleiter gibt, der von weiter hinten fotografiert.
Diese Inszenierung hat vielleicht mit einem hochinteressanten Aktenvermerk zu tun, und einer goldenen Uhr der Marke Helvetia, die auf mysteriösen Wegen in den Besitz einer Sozialarbeiterin gelangt ist.
Während das junge Fräulein in Richtung seiner Begleiterin weitertrottet, die einen Umweg nimmt, betrete ich das Postamt, um unsere Briefsendungen abzuholen.
Post von Herrn Strache, aber auch Wichtigeres.
Am Platz vor der Franz-von- Assisi-Kirche funktioniert mein improvisiertes Erdfeldmagnetoskop - die Nadel richtet sich auf drei unterschiedlichen Standpunkten verschieden gleich aus.
Beim Mexikogedenkstein sitzt ein Mann, in Gram versunken, auf der feuchten Parkbank und seufzt.
Er sieht aus wie der Seelsorger der armen Familie Zogaj, Pfarrer Friedl.
Das österreichisch-volksparteiliche Don-Camillo-Spiel ist ganz schön aufwändig.
Rund um das Denkmal krausen bunte Köpfe Blumenkohl.
Ein paar Schritte weiter hebe ich einen abgeschlagenen Flaschenhals vom Asphalt und werfe ihn in den nächsten Abfallkorb.
Beim Einkauf im Spar-Markt werde ich von einer blonden, eleganten Dame genau beobachtet, und muß an der Kassa mein gratis DM-Sackerl einsehen lassen.
Mein Bestes, die Hausmarke: für unsere Katzen.
Für uns Menschen gibt’s heute
Vegetativ’ Induktionsplattenkartofferl
Mit Broccoli.
Ein paar Schnitten Fetakäse vom Block anrösten, bis er ordentlich ausgelaufen ist, gekochte Erdäpfel in Scheiben goldbraun rösten, in Salzwasser blanchierten Broccoli darunter, etwas feingehackten Knoblauch, den weichen Feta drüber, ein Schnippchen Kräuter aus Griechenland.
Pfanne bis zum Servieren geschlossen halten.
Aus der Mühle leicht anpfeffern.
Der Faschismus kann das Prinzip Hoffnung nicht ersticken.
Die Mittelschicht hat Internet.
Sie ist anders strukturiert - vielfältiger, bunter, offener und demokratischer als vor fünfzig Jahren.
Der katholische Moralismus befindet sich mit seinen Wertvorstellungen im vergangenen Jahrtausend.
Das Internet als Informationstransmission überträgt auch die Schattenseiten: psychologische Manipulation, Ablenkung und Täuschung – emotional engineering.
Kommunikation im herkömmlichen Sinn wird abgelöst von Peil- und Sondiersendungen durch eine drängende Flut von Eindrücken, die es im eigenen Bewußtsein zu filtern gilt, auch um die Umsetzung von Plänen, um Ziele zu erreichen.
Das ist eine intellektuelle Herausforderung - auch wenn die Anforderung zur Multitaskingfähigkeit nach wie vor an die Maschine gestellt wird, wodurch in absehbarer Zeit kein sozialpsychologischer Multigau auszubrechen droht.
Je mehr Informationsbeschaffung über das Internet stattfindet, desto zahlreicher sind auch die Möglichkeiten, in Sackgassen zu geraten, die einen persönlich nicht weiterbringen.
Dennoch ist das Internet viel wert: Wer trotzdem damit umgehen kann, hat auch in der Wirklichkeit des Daseins mehr Chancen.
Man kann am kulturellen Weltgeschehen nach eigenen Vorstellungen teilnehmen.
Früher hatte der mittelständische Patriarch die Möglichkeit, sich am Wochenende über einem dicken Pack Zeitungen und Zeitschriften tiefer in das Weltgeschehen einzulesen.
Es gab die Radionachrichten, die Zeit im Bild als Nachfolgerin der tönenden Wochenschau im Kino, und Fischers Weltalmanach.
Hintergrundinformationen waren lexikalischen Ursprungs, kolonialistisch-missionskatholisch kupferstichig.
Gläubige Menschen wurden durch die Sonntagspredigt beeinflußt, die Erwerbstätigen am Arbeitsplatz politisiert.
Der Urlaub wurde vom Reisebüro der Gewerkschaft vermittelt.
Das Internet stellt heute einen Großteil der weltwiedergebenden Informationen gratis zur Verfügung, einfacher Gedankenaustausch muß nicht als Konsultation teuer verrechnet werden.
Es ist jenes Netzwerk, das – im Prinzip – allen Usern auf dem Planeten gleich viel Bildungspotential zur Verfügung stellt, und deshalb als höchste Errungenschaft demokratischer Gesellschaften gelobt werden könnte.
Man muß nicht über heiligen Schriften meditieren – man braucht keine Mittler eines religösen Glaubens, um die ungefähre Mitte zu sehen.
Kein Wunder, wenn es Stimmen gibt, die das Internet in offener Form nicht akzeptieren, es für sich selber beanspruchen, oder nur mißbrauchen wollen, als Mittel der Überwachung, der Inquisition.
Es gibt Ansätze, das Internet mit Drogen und Glücksspiel vergleichen zu wollen – oder mit Sodom und Gomorrha.
Das vorsätzliche Legen von Irrspuren, Versuche der Fallenstellung, der suggestiven Negativbeeinflussung, bis hin zur Gefahr der Abzocke von Konto und Kreditkarte sägen an den Nerven vieler User.
Die Freigabe von eigenen Beiträgen zur allgemeinen Unterhaltung unterschiedlichen Gewichts, zur Reflektion der eigenen Befindlichkeit, ist hingegen eine Art friedlicher Kompensation.
Man könnte sonst allzu depressiv werden.
So gesehen kann das Internet ein Beitrag zum Wohlbefinden und zur Gesundheit einer Gesellschaft sein, weil es auch die Mauern politisch verordneter Isolationshaft durchlässig macht.
Ich bin froh, ein Teilhaber und Mitmensch zu sein.
Ich kann von den Möglichkeiten des Internet profitieren.
Der Wert wiegt den Preis auf.
Besser Internet als Prof. Mastopius.
Pilzdroge als deus ex machina für eine spätmittelalterliche Ziviljudikatur?
Der eingestandene Konsum von LSD gibt in Österreich bis zum heutigen Tage Anlaß zu lebenslanger Verfolgung durch politische Kräfte und ihre scheinheiligen Hinterorganisationen.
Einer der Hauptgründe, warum man während meiner Jugend darauf bedacht gewesen war, mich durch allerlei psychotaktische Beeinflussung zu einem stationären Therapieaufenthalt hinzulenken, waren geheime LSD-Experimente gewesen – jenseits der kümmerseligen Vorstellung, die etliche AbsolventInnen der katholischen Sozialakademien über Wirkung, Gefahr und Langzeitfolgen von Rauschgift hatten.
Die häufigste Erklärung für sogenannte Flashbacks ist jedenfalls der Konsum anderer Drogen, darunter Amphetaminartiges und Cannabis - es gibt aber auch psychedelische Erlebnisse oder psychotische Episoden ohne Intoxikation.
Es ist schon vorgekommen, daß prominente Zeitgenossen Opfer einer mit der Nachflüsterung von LSD-Konsum verbundenen Rufschädigung wurden, indem man sie systematisch zu terrorisieren begann, eine Verfolgung durch die Stapo auslöste, und ihre Karrieren sabotiert wurden.
Ich glaube nicht, daß man Jugendliche heute wie einst durch Ammenmärchen davon abhalten kann, mit verfügbaren Drogen zu experimentieren.
Es ist festzuhalten, daß es sich bei LSD um keine spirituöse Sondersubstanz handelt, sondern nur um eine von vielen Drogen mit Risiken und Nebenwirkungen, und daß LSD, wie andere Drogen auch, aus asservierten Beständen oder dem Sondermüll in die Hände von KonsumentInnen, auch solche mit unreifen Persönlichkeiten, gelangen kann.
Sadistische, pädophile Interessen, oder einfach Sensationsgier, können Anlaß für die Weitergabe verschiedenster Drogen sein.
Sicher ist, daß Mißverständnisse lange unerwidert geblieben sind, und Ammenmärchen von Anfang an absichtlich in die Welt gesetzt wurden, und daß Albert Hofmann selber mit heftigen Anwerfungen aus der Welt der katholizistisch-kreationistischen Krämerlädenwissenschaft konfrontiert gewesen war, ein Mensch, dessen bedeutendes Lebenswerk außerhalb des Zusammenhangs mit LSD bei uns weniger gewürdigt worden ist.
Wer sich dafür interessiert, liest am besten Dr. Albert Hofmann.
Eine falsche Information, die wahrscheinlich noch heute von manchen Chefpsychiatern und ihrem bigotten subakademischen Hofstaat freigesetzt wird, betrifft Schädigungen des menschlichen Erbguts, hervorgerufen durch LSD.
Ein von Dr. Hofmann entwickeltes Pharmazeutikum, das in der Geriatrie zur Verbesserung von Demenzzuständen eingesetzt wird, ist Hydergin (Dihydroergotoxin).
Hofmann war auf dem Weg seiner Forschungen für Sandoz eher zufällig über das Lysergsäurediethylamid gestolpert.
HYDERGIN wirkt nicht psychoaktiv, nur peripher gefäßerweiternd, und wird bei der Behandlung von Bluthochdruck, Migräne und gegen sklerotische Altersbeschwerden eingesetzt.
Die Verteufelung von Hofmanns Arbeit fand ihren ersten Höhepunkt in den fünfziger Jahren vorigen Jahrhunderts, durch die Verbreitung des Schlafmittels Thalidomid mit dem irreführenden Marktnamen CONTERGAN.
Dr. Albert Hofmann war an der Entwicklung von Thalidomid nicht beteiligt gewesen, und trug keine Verantwortung an den als Contergan-Skandal bekanntgewordenen hunderttausendfachen embryonalen Mißbildungen.
Dieses hartnäckige Mißverständnis wurde durch die populäre, aber unverwandte Charles-Manson-Story der späten Sechzigerjahre angefeuert, und wuchs durch legendäre Berichte von wiederholten Fensterstürzen unter LSD-Einfluß zu einem advokablen Monster von Falschinformationen heran, auf das auch heute noch Entscheidungsträger deuten, wenn es um eine griffnahe, billige Rechtfertigung von moralinsauer vergällten, stuhlpatriachalischen Vergeltungsurteilen im Zivilrecht geht.
Konsum von LSD, unter großem Tränenstrom vor den Richtertisch geschleudert, wiegt aufgrund vorherrschender Abergläubigkeiten fast so eindrucksvoll wie das Aufschlitzen einer Waschpulvertrommel voll weißem Pulver und das Emporhalten eines abgetrennten Schädels.
Man bedient sich des grundfalschen, aber leichtverkäuflichen Arguments, die Einnahme von LSD hätte eine Schädigung der Erbanlagen sowie schreckliche Mißbildungen bei nachfolgenden Generationen bewirken können.
Ähnlich roßtäuscherisch der Versuch, LSD-Experimente zur Erklärung von geförderter Eitelkeit und der Teilnahme an zweifelhaften Expositionen heranziehen zu wollen, zur Begründung von geleiteten Depressionen, Arzneimittelsüchten und Alkoholismus, oder zur billigenden Verschleierung von kriminellen Handlungen, sowie tabuisierten Beziehungskrankheiten im Hintergrund, etwa vom Typ Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom.
Sicher ist, daß ich am Faschingsdienstag des Jahres 1994 nicht LSD genommen hatte – und daß die Folgeschäden, die der Gesellschaft und den nachfolgenden Generationen durch schlechte Aufklärung und kalkulierbare Bildungsmängel entstehen, schwerwiegender sind als zwei Monate Mindestsicherung, und die Akzeptanz psychosozialer Behinderung ohne notorische Unterstellung von Selbstverschulden.
Wertvolle Punkte für Studium und Führerschein:
Sag in Österreich besser niemals, du hättest LSD probiert, oder sonst etwas.
Stoßseufzer der Erkenntnis: Bitter, bitter Gegenwart.
Österreich ist das Land im Herzen Europas, in dem die Demokratie der Diktatur schamlos an die Schultern faßt.
Längst ist keine der regierenden wie opponierenden Pateien mehr glaubwürdig, und was sich in den vergangenen 16 Jahren als Alternative anbot, war zweifelsfrei nur Satellit der ÖVP.
Die Angst vor einer Erneuerung der Linken muß riesig sein – weil niemand es wagt, sich der programmatischen Verführungskunst des Rechtspopulismus entgegenzustellen, unter dem bedrohlich Nationalsozialismus und Faschismus gären.
Die gesamte Bevölkerung wird von Nazis terrorisiert, jede persönliche Entscheidung kann nur unter Furcht vor Repressalien getroffen werden, beschworen wird unter Nasenblut und Muttertränen stets die Mitte, die nicht wiegt.
Österreich ist heute tiefste europäische Provinz unter finstermittelalterlich argumentierenden Statthaltern, Zweideutigkeit züngelt von allen Wappen, den Menschen sind Peilradios der Angst implantiert.
Wer glaubt unter solchen Umständen noch an ein Selbstreinigungsvermögen des herrschenden Zustands?
Während die vom ORF goutierten Kulturträger für den Verein Ute Bock auf die Straße gehen, müssen die Daheimgebliebenen die Unerträglichkeit einer Bezirksanzeigerdemokratie, die jedem Pixel rot oder grün kühn grinsend je ein Pixel blau-orange zuwiegt, als Gute-Nacht-Bonbon hinunterwürgen.
Während vorne höflich-zeremoniell noch die Werte der Demokratie beschworen werden, befinden wir uns hinten längst im Tingeltangeleldorado eines durch und durch korrumpierten Einparteiensystems.
Wer von einem Legat aus besseren Zeiten zehrt, wird mit dem Umbringen bedroht, sobald er die Wohnung verlässt, muss sich wiederholt anspucken und die unglaublichsten, alptraumhaftesten Beschimpfungen gefallen lassen.
Die österreichischen Medien verschleiern beharrlich, was hinter den Skandalen steckt, die sich nicht unter der rotweißroten Tuchent ersticken lassen.
Niederträchtige Methoden, Menschen gegeneinander auszuspielen.
Widerlichster Schmuddelkram.
Gesundheit.
Es war vor zehn Jahren, kurz bevor wir mit Katzen, Gummibaum und Philodendron im Buchbinder-LKW der steiermärkischen Hauptstadt den Rücken kehrten, um uns nach Wien zu verändern.
Es gab einmal eine Bekannte, Hilde, eine einstige Kollegin der Gemahlin, die wir gelegentlich in der Südsteiermark trafen, um in einer der zahlreichen Buschenschenken ein Gläschen Wein und einen regionalen Imbiß zu uns zu nehmen.
Leutseliger Stimmung ergab sich eine Idee, zum Schulschluß eine Veranstaltung in ihrer südsteirischen Heimatgemeinde zu organisieren.
Ich sagte meine Unterstützung zu, was ich später nicht mehr zurücknehmen konnte, um nicht als Flasche dazustehen.
Der Ostbahn-Kurti war damals in jener Gegend sehr populär, denn die ist von dessen Großelternhaus im südlichen Vielvölkereck Österreichs nicht weit entfernt.
Die Künstler Willi Resetarits und Günter Brödl boten über eine Konzertagentur eine Dichterlesung mit Bandbegleitung an.
Dem Bürgermeister der kleinen Gemeinde kämen wir gerade recht, sagte der, und wir unterschrieben planend der Veranstaltung „Kopfschuß“ den Subtitel „Bunter Abend“, weil das launiger klang als „Dichterlesung“.
Wie ich auf einem anderen Blatt kurz anriß, blieb uns die Arbeit des Plakatierens, was mit Ärger verbunden war, weil eine unterstützende Agentin die Ankündigung klein und schäbig auf die Plakate setzte, was nicht abzusehen gewesen war, und dem Bürgermeister Anlaß gab, mich persönlich ordentlich herunterputzen zu wollen.
Der guten Hetz’ halber, und weil wir gerade meine Großmutter am Rande des Schwarzwaldes besuchten, affichierten wir ein, zwei Exemplare des in knalligem Orange gehalten Plakats auch auf einer Plakatwand im nahen Strasbourg, und auf einer Litfaßsäule am Münchener Viktualienmarkt.
Ich stellte Fotos davon auf meine Experimentierseite ins Internet, das man aus heutiger Sicht, was Verbindung und Geschwindigkeit betraf, als „Web 1.0″ oder „das alte Internet“ bezeichnen konnte.
Dort hatte ich auch ein bewegtes Digitalfoto platziert, auf dem ich mich in meine Oma, des Vaters Mutter verwandelte.
Die Veranstaltung wurde trotzdem ein Erfolg, und das Auditorium des Veranstaltungssaals war ausgebucht.
Vor der Veranstaltung standen wir auf der sonnenbeschienenen Terrasse, plauderten mit den Künstlern, tranken Bier, und philosophierten ein wenig über die geologische Beschaffenheit der Südsteiermark, angesichts der hinter den Weinhängen beinah zum Greifen nahen Vulkankegel des Stradener und des Bad Gleichenberger Kogels.
Später saßen Karin und ich in der Ehrenloge zur Seite des Herrn Bürgermeisters.
Der bunte Abend war unterhaltsam, die Musik stimmig – die Combo jammte perfekt.
Das Publikum schätzte auch das Amusement der nach Art einer Doppelconference abgehaltenen Lesung, und applaudierte gern.
Daß in Günter Brödls satirischem Kriminalroman mehrmals Cannabis konsumiert wurde, freute den Bürgermeister gar nicht.
Sobald es ums Kiffen und um Marihuanapflanzen ging, begann er zu poltern und wetzte in der Trachtledernen im Sitz.
Zum Ende der Veranstaltung raunte er uns scharf zu, daß er bereits drauf und dran gewesen wäre, aufzustehen, das große Licht anzuschalten, der Verstärkeranlage den Strom abzudrehen, und die Veranstaltung zu schließen.
Daß er sich unter einer Dichterlesung anderes als eine Marihuanarauchermarketingveranstaltung vorgestellt hätte, ließ er uns wissen, und pochte auf Bodenständiges, Zünftiges - steirische Dichter, wie Peter Rosegger, Paula Grogger oder Hans Kloepfer.
Die Köchin beim nahen Hirschjagerwirt wäre jedenfalls pünktlich nachhause gegangen, bedauerte er anläßlich seines Unmutes, während er den Künstlern die Hand hinlängte, und seinen grün’ Hut mit Gamspinsel und Bergseil am Kopf zurechtdrückte.
Deshalb könnte er sein Versprechen eines gemeinsam zu genießenden großen Spezialitätenabendmahls diesmal leider nicht einlösen, bedauerte er.
Aber vielleicht würden wir uns beim nächsten Mal, mit einem leutetauglicheren Programm, alle einmal wiedersehen, quittierte der Herr Bürgermeister als hoffnungsvolle Option.
Wir verblieben um einen netten bunten Abend und um eine Konzertveranstaltungserfahrung bereichert.
Der Autor Günter Brödl verstarb im Oktober des folgenden Jahres im Alter von nur 45 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts.
Meine Großmutter, väterliherseits, starb im Frühjahr darauf in einem Pensionistenheim am Rande des Schwarzwalds an Herzversagen.
Hetze (übertr.): Spaß, Gaudi
„1-2-3 Idiotensynthese „HYPERHIDROSE PEDIS, KOMPLEXE.„
1. Weiß nicht, wohin, erreicht keine Ziele.
2. Hat manchmal gute Ideen, kann sie aber nie umsetzen.
3. Wird immer an der eigenen Überlastung scheitern, braucht Anweisung und Begleitung.“
„Hören Sie zu, Euer Ehren.
Dieser Streber wollte mich in einer Weise für dämlich verkaufen, die einer persönlichen Beleidigung entspricht, einem Angriff.
Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Personalcomputern, und obwohl ich kein Programmierer bin, habe ich doch eine Ahnung davon, wie diese Dinger funktionieren.
Sehen sie meinen Kopf?
Ich trage ihn seit 50 Jahren an dieser Stelle.
Ich sehe mir die Leute genau an, die mir hier etwas einpflanzen wollen.
Mein Vertrauen kann niemals so groß sein, daß ich sage, hier haben sie meine Schlüssel, fühlen sie sich wie zuhause, braten Sie sich ein Spiegelei, legen Sie bitte ihre Füße auf meinen Tisch.
Darum geht es doch: Daß Menschen Respekt einfordern, die selbst keinen Respekt vor anderen Menschen haben.
Statt seriös zu arbeiten, handlangern sie für Behörden, feiern Feste mit Männern, die sich als Frauen verkleiden, und übernächtigen in ihrer dampfenden Praxis.
Dieser Heini führt nicht einmal ein Kniereflextest durch, und doch steht auf seinem Türschild in großen Lettern: NEUROLOGIE.
Ein Mensch leidet Schmerzen, und diese Hilfspolizisten übersetzen: „Hier will einer eine Verschreibung für Gute-Laune-Pillen abstauben.“
Leider nein, Euer Ehren!
Mein Vater hatte einen Halbbruder, jemand, der auch auf skeptische Leute zunächst einen friedlichen, umgänglichen und tüchtigen Eindruck machte.
Eines frühen Morgens spannte er sich selber vor einen Anhänger und erntete bis zur Siesta drei Fußballfelder Wassermelonen ab.
Bei genauerer Beobachtung stellte sich aber heraus, daß es sich um aufbrausenden, unduldsamen, peitschenschwingenden Charakter handelte, der Menschen Angst einzuflößen wußte, und eine solche Arbeit nicht länger ausführte, als bis er jemanden gefunden hatte, der sie ihm gerne wieder abnahm.
Dieser Mann wäre nicht öfter als ein einziges Mal mit dem Moped zur Arbeit gefahren.
Niemals hätte ich gedacht, daß der durchtrainierte Kerl, dem mein hopfensaftgeschäumter Vater nicht an die Schulter reichte, ein Verwandter sein könnte.
Er hatte über einen drahtig muskelüberspannten Rücken eine beflügelte, inverte Europa-Flagge eintätowiert, darauf stand, in fetten Lettern, wie mit dem Laser gedruckt:
HELLS ANGELS
SANTA FU
Sagen Sie das dieser Tante, die vor vor ihrem Plexiglasschreibtisch schaukelt, bevor sie wildfremden Leuten Rüschen anhäkelt.
Ich will damit nur sagen, es gibt auch Menschen, die sich eine solche Behandlung niemals gefallen lassen würden.
Die lassen sich von der Syringe, die sie scheinheilig hinter ihren Pobacken verborgen halten, nicht aufhalten.“
In den Hinterstub’n der Bauernhochzeit.
Die Mutter hatte bereits ein Grab angemietet, für Jahrzehnte im Voraus bezahlt, einen schlichten Stein aus hellem Marmor gewählt und unter dem eigenen auch den Namen des Sohnes eingravieren lassen, daß nur mehr das Datum seines Versterbens ausständig blieb.
Nur war die Vorhersage der beratenden Fürsorgerin, einer Nichte der Mutter dritten Grades, nicht eingetreten, denn der Sohn war nach wie vor lebendig, und obwohl Frau Hitte in der Bundeshauptstadt mehrmals zu intervenieren versuchte, war es ihr nicht möglich gewesen, den Behinderten an die erzherzöglich-bischöfliche Kittelschürze Frau Amandas zurückzuordern.
Es sah nicht so aus, als könnte man mithilfe guter Beziehungen an der Wirklichkeit herumflicken, und der Stolz, den Chancen ihres Lebens mit großem Erfolg begegnet zu sein, schwand ihr selber dahin wie ein dünnes Kerzenlicht.
Frau Hitte hatte ein Schicksal prophezeit, aus dem psychologischen Lehrbuch für Sozialarbeiter - vom Scheitern eines kurzen persönlichen Glücks, im Sog der angeborenen Schwäche, der Versuchung, Verhaftung und Verwahrlosung, denn sie hatte sich vorgestellt, daß so einem winzig kleinen Mann ohne Nachkommen, ohne Rang und Namen, zwischen den mächtigen, gewichsten, Generationen von Offiziersfamilien entstiegenen Stiefeln gar keine Chance blieb, das Versagen ihm in die Wiege gelegt worden wäre von seinen Eltern, ebenso kleinen, unbedeutsamen Menschen, die in Zwist und Hader dahingetölpelt und im Buch der Geschichte vorhersagbar unerwähnt geblieben wären, allesamt bedeutungslose Blätter an einem schwächlichen Zweig des Lebens.
Wieder war ein Herbst ins Land gesunken und ein Winter nahte mit der Aussicht, vielleicht bis nach Rußland - Sibirien - vorzudringen.
So warteten vorweihnachtlich gestimmte Menschen übers Land verstreut wie alle Jahre auf den Vortritt des Todes, welche vierzig Jahre vorher am lamettierten Weihnachtsbaum noch Päckchen geöffnet und gemeinsam „Stille Nacht“ und „Es wird schon glei’ dumpa“ gesungen hatten.
Die Mutter auf den Tod des Mannes und des Sohnes, der Mann auf den Tod der Frau und des Sohnes, die Tochter auf den Tod der Eltern und des Bruders und Frau Hitte darauf, daß wenigstens ein Od’ von dem, was sie imaginiert und vorhergesagt hatte, während sie auf die Kraft ihrer Bachblüten-Tropfen schwor, zur Rettung des Scheins ihrer Seriosität bald eintreten möge.
Sie war davon überzeugt gewesen, einen posthypnotischen Befehl erteilen zu können, am aufgerissenen Fenster voll Häme gesprochen, als der Mensch, dessen Schicksal sie fortan zu wissen glaubte, ernsthaft krank und gewaltsam betäubt vom Thiopental dagelegen war, und sie ihn ausgefragt und beschimpft und spöttisch begutachtet hatte, als standesgemäßen Fastnachtsscherz.
Eine Familie kleiner Österreicher hatte die vermeintliche Erfahrung Frau Hittes als glatten Befehl verstanden, sich untereinander höchst niederträchtig zu verhalten.
Eigentum war verschleudert, entlehntes Vermögen voller Lebensfreude ins Casino getragen worden - wie beizeiten in der Hinterstub’n zur Bauernhochzeit gepoltert und gewiehert, im richtigen Moment sich einstimmig auf den mißratenen Sohn, den miserablen Bruder auszureden.
Das Landesgericht für Zivilrecht der Steiermark kam den Berechnungen des verschlagenen Finanzberaters mit dortiger Selbstverständlichkeit entgegen - die Richterin war bemüht, das Unrecht nach römisch-katholischen Kriterien unter den signierten Büßern zu verteilen.
Frau Hitte gibt heute an, sich von der Arbeit mit jener Klientel gänzlich abgewendet zu haben.
Daß sie am gegenständlichen geraubten Stückchen Land, um das besoffene Nazis einst Karten gespielt hatten, sehr interessiert gewesen wäre, bestreitet sie.
Emotional engineering: Schreiber gegen Inquisition.
Es ist bemerkenswert, wie sich ein Gegenspieler bemüht, auf Websites, die ich bekanntlich besuche, Strichelbildchen und Fotomanipulationen vorzulegen, um meine Gedanken in bestimmte Richtungen zu lenken.
Es sollte auf diese Weise meine Erzählarbeit manipuliert werden, bzw. könnte die psychologische Regie dahinter später behaupten, ich wäre befragt worden.
Vielleicht brodelt längst ein Plan, die Gedanken des anderen zu einer aufsehenerregenden Diplomarbeit verbräten zu können, während man sie zur allgemeinen Verbuffung noch heftig mit Rotstift bemäkelt, bis endlich der Urheber mit Haloperidol fragmentiert ins forensisch-psychiatrische Schutzbett verlegt - zu dessen ausklingender Lebzeit schon sein Vermächtnis beschneidet, mit vergleichenden pathologischen Abbildungen versieht und zur eigenen Meisterarbeit wandelt, in Bälde schon - zum Beleg von Theorien und Prognosen, deren Umsetzung beschleunigt und verwirklicht würden, indem man des Burschen persönliche Infrastruktur sabotierte, bis zum seit jeher vorhergesagten Endlauf und Zusammenbruch.
Als ich mich ganz zu Beginn der achtziger Jahre vorigen Jahrhunderts in Untersuchungshaft am Straflandesgericht befand, wollte man Graz von Drogensüchtigen und Glücksrittern säubern, die es infolge der Plünderung der Anstaltsapotheke des Landeskrankenhauses aus halb Europa angezogen hatte.
Es gab hysterische Gerüchte, wonach Geldbeschaffer der RAF Drahtzieher jenes Verbrechens gewesen sein sollten.
Eine katholisch grünbemäntelte Neidgesellschaft wollte lieber den Verein Club Toleranz, einen legendären Discokellerclub, zum Heimstall des Sündenbocks machen, und am ruhmreichsten für den Gesetzgeber wäre es wahrscheinlich gewesen, zu beiden Seiten Handschellen anlegen zu können.
Damals arbeiteten Polizei und Gendarmerie gegeneinander, und Informanten anderer Ministerien wurden dazwischengeschleust, die rivalisierenden Aufklärer zu kontrollieren, um selber näher an einen Beuteschatz zu gelangen, der noch einiges an Prozentanteilen abzuwerfen versprach.
Es herrschte ein großes Verwirrspiel, ging es doch um beträchtliche Mengen von Suchtgiften, Dopingsubstanzen und konfiszierte Drogen, welche ebenfalls im Tresorraum des Grazer Landeskrankenhauses eingelagert gewesen sein könnten.
Es wurde versucht, über sehr junge Leute an Informationen zu gelangen, denn die gevivteren Profiteure hatten sich und ihre Okkasionswaren schnell in sicheren Abstand gebracht.
Die allzu gierigen Verbliebenen schieden schnell aus, für immer – während eine Schulklasse voll gnadenlos abgezockter Jugendlicher nahe dem Grazer Messegelände im Schwitzbad saß, als Untersuchungshäftlinge in kratzigen Anstaltspullovern ihre kleinen Kriminalkarrieren abzubüßen.
Herr Fasching von der Drogenberatungsstelle erschien zuerst, worüber ich schon berichtete.
Mein alter Freund Heribert wollte mich einmal besuchen, aber der Praktikant zu Gericht Eberhard, mit dem ich wenige Jahre vorher noch die Schulbank gedrückt hatte, verwehrte ihm heftig aufgeblasen den Kontakt.
Eberhard war es, der meine Korrespondenz mit List und Lupe nach geheimen Botschaften und verräterischen Chiffren absuchte.
Es war vorstellbar, daß er im Untersuchungsrichter verfehlte Hoffnungen nährte, die meine Entlassung nach ein paar Monaten Untersuchungshaft noch lange schmerzhaft hinauszögerte.
Ich könnte nicht vollständig ausschließen, daß mein Dasein im gesetzfreien Hausarrest auch zum heutigen Tage Eberhard, dem ehrgeizigen Ritter zu drei Rädern in der Kautschukrüstung, anzurechnen wäre.
Ein beachtlicher Stapel Manuskripte aus jener Zeit blieb jedenfalls verschollen.
Zur Auffrischung:
1979 war Dr. Bruno Kreisky österreichischer Bundeskanzler, Staatspräsident war Rudolf Kirchschläger. Willy Brandt war Kanzler der Bundesrepublik Deutschland.
1979 war Jimmy Carter Präsident der USA, in Großbritannien wurde Margaret Thatcher Premierminister; Präsident der Sowjetunion war Michail Gorbatschow, französischer Präsident Valéry Giscard d’Estaing.
Wiener Bürgermeister war Leopold Gratz (SPÖ), in Graz herrschte ein Jahrzehnt lang Dr. Alexander Götz von der FPÖ.
Steirische Landeshauptleute waren Friedrich Niederl, 1980 gefolgt von Josef Krainer jun., der niederösterreichische Amtskollege hieß Andreas Maurer (ÖVP).
Als Justizminister folgte … 1983 Harald Ofner (FPÖ) Christian Broda von der SPÖ, Innenminister war Erwin Lanc, SPÖ.
Am 1. Mai 1981 wurde der Wiener Kulturstadtrat Heinz Nittel von einem Terroristen der palästinensischen Gruppe Abu Nidal ermordet.
Am 6. Oktober 1981 wurde in Kairo der ägyptische Staatspräsident Anwaar-el-Sadat von Mitgliedern seiner Leibgarde ermordet.
Am 9. Oktober 1981 beging der ehemalige österreichische Verteidigungsminister Karl Lütgendorf unter ungeklärten Umständen Selbstmord.
Vielleicht.
Zwischen zwei Gefängnisaufhalten von einem Jahr Dauer verbrachte ich drei Jahre in völliger Planlosigkeit.
Ich hatte kein richtiges Zuhause und wußte wenig mit mir anzufangen.
Ich hatte nicht einmal mehr einen gültigen Reisepass, obwohl ich davor schon in London, Paris, Südfrankreich, Rom, Athen, Istanbul, und sogar in Ägypten gewesen war.
Hin und wieder ließ mich die Mutter ein paar Tage lang bei sich wohnen, später gelegentlich der Vater.
Die Eltern waren sich darüber einig, daß ich längst erwachsen wäre.
Die praktische Unmöglichkeit, einen tragbaren Job zu ergattern, hing mir wie eine eiserne Kugel am Fußgelenk.
Ich trank Bier um Bier, schluckte Aufputschpillen, griff mir ein Moped, stellte mich an die B 54 und stoppte nach Wien, schluckte mehr schnelle Pillen, kiffte, verkaufte ein paar Plätzchen Haschisch weiter, und trieb mich herum.
Da und dort fand ich für ein paar Tage oder Wochen Unterschlupf.
Bei Gelegenheiten nahm ich Heroin und andere Drogen, und kochte später Mohnkapseln aus.
Wenn die Akkus leer waren, nahm ich manchmal zwei, drei Barbiturat-Tabletten gegen den sich aufblähenden Horror und vergaß, wer und wo ich war.
Mehrmals landete ich in psychiatrischen Stationen, wo ich mit starken Neuroleptika zwangsbehandelt wurde und nach ein paar Tagen wieder über die Mauer kletterte.
Vor gravierenden kriminellen Handlungen schreckte ich zurück, gerade einmal stieg ich bei einem Arzt auf den Balkon, schlug eine Scheibe ein und stahl zwei Hände voll Suchtgiftampullen und ein Sackerl rezeptpflichtige Medikamente.
Ein Bekannter, der mir den Tipp gegeben hatte, verriet mich, und ich wurde zu einem Jahr Haft verurteilt.
Später ließ ich mich zu einer Langzeittherapie überreden, die ich unterbrach und im folgenden Jahr noch einmal begann, bis ich schließlich erkannte, daß dort niemanden geholfen wurde.
Wenn ich als Kind oder Jugendlicher darüber in Kenntnis gesetzt worden wäre, daß es jüdische Verwandte gab, hätte ich möglicherweise mehr Wertschätzung für mein Dasein und andere Menschen entwickelt.
Vielleicht hätte ich in einem anderen Schultyp etwas darüber erfahren.
Hätte sein können.
(Der Vater sagte einmal über Juden, daß man von Juden nichts haben könnte. Er empfahl mir in späteren Jahren einmal das Buch „Memoiren eines Antisemiten.“ von Gregor von Rezzori.)
Psychogeriatrisches Hampelspiel um Ehrgeiz und Eifersucht unter den Gescheiterten.
„Der Joe dämpft alle Ratten aus – wie die Bazillen!“ beschied Heuer voll Überzeugung, und schlug mit der Faust in die offene Hand.
Er war mit dem Mittagessen aus dem Grazer Landesgericht für Strafsachen gekommen, um ein paar Monate abzubrummen, wuchtete seinen Binkel in den Haftraum und wußte seufzend mittels einer Handvoll jämmerlicher Zigarettenstummel in einer zerknüllten Packung „Spezial Landtabak“ Versorgerinstinkte zu wecken.
Er erschien allerdings in geheimnisvoller Mission, die Lage zu erkunden, Neuigkeiten von draussen und drinnen zu verbreiten, und dabei Unfrieden auszustrahlen.
Im Laufe von ein paar Tagen gelang es ihm, sich wieder aufzurichten.
Wenn er in einer anderen Zelle eine bessere Partie finden konnte, begehrte er Verlegung, und stand im lockeren Drillich, mit Geschirr und Bettzeug in der Justizwachekotze, für einen neuen Tag lang im Mittelpunkt.
„Ihr seid’s leiwande Hawara.“
An dem Finger, mit dem er herüberzeigte, fehlte ein Glied.
Daß sich ein Vierteljahrhundert später das politische Österreich ähnlich präsentieren könnte, wie es im kleinen Mustergefängnis am Hange des Grazer Schloßbergs skizziert wurde, war damals nicht absehbar gewesen.
Heute beschäftigt der Staat in aller Öffentlichkeit Rechte, um gegen Linke vorzugehen, und Menschen, gegen die justament zivilgerichtliche Todesurteile verhängt worden sind, müssen zur Wahrung der schiefen Optik zu Staatsfeinden erklärt und langsam zwischen den Wänden ihrer Zellen zermalmt werden.
Jeder Tag ist ein Provokationsmanöver durch das Bureau für Innere Angelegenheiten, das zur Zeit über keine feste Adresse verfügt.
Übergriffe kann man nicht ausschließen.
Die Wahrnehmung dieser Wirklichkeit vexiert zwischen Traurigkeit und Aberwitz.
Ich hätte in Untersuchungshaft, Anfang der achtziger Jahre vorigen Jahrhunderts, das Babygesicht einer Milupa-Werbung in einem Büchlein der Serie Readers Digest Best in diabolischer Weise übermalt.
Weiters hätte ich LSD-Trips häufig genommen.
Es gibt Einzelschicksale, die von den Studierenden ferngehalten werden müssen.
Ihr Vaterland soll ihnen erscheinen wie es der ORF retouchiert.
Die Position dieser kleinen Wohnung entspricht der eines Staubfängersackes an einem pneumatischen System.
Man wird chronisch krank.
Die Entlüftungsanlage saugt im Sommer wie im Winter aus dem Müllraum an.
Die Belastung durch Bakterien, Pilzsporen und Keime kumuliert, und stellt das Immunabwehrsystem auf Dauerbelastung.
Unter solchen Bedingungen lebten Menschen nicht lange, sie wurden krank und starben bald.
Hinter dem Holz, das gemütlich machte, verbargen sich Wanzen.
Eines Tages lag jemand mit Lungenentzündung im Fieber, und ein anderer stellte ihm eine entsicherte Kartusche mit Ungeziefer-Ex unters Bett.
Nach einer solchen Kur bleibt etwas zurück, das sich anfühlt, als wäre der Kopf in einem Schraubstock festgehalten worden, und weitergedreht, bis es knackte.
Sind Sie vielleicht aus der katholischen Kirche ausgetreten?