Gesundheit.
Es war vor zehn Jahren, kurz bevor wir mit Katzen, Gummibaum und Philodendron im Buchbinder-LKW der steiermärkischen Hauptstadt den Rücken kehrten, um uns nach Wien zu verändern.
Es gab einmal eine Bekannte, Hilde, eine einstige Kollegin der Gemahlin, die wir gelegentlich in der Südsteiermark trafen, um in einer der zahlreichen Buschenschenken ein Gläschen Wein und einen regionalen Imbiß zu uns zu nehmen.
Leutseliger Stimmung ergab sich eine Idee, zum Schulschluß eine Veranstaltung in ihrer südsteirischen Heimatgemeinde zu organisieren.
Ich sagte meine Unterstützung zu, was ich später nicht mehr zurücknehmen konnte, um nicht als Flasche dazustehen.
Der Ostbahn-Kurti war damals in jener Gegend sehr populär, denn die ist von dessen Großelternhaus im südlichen Vielvölkereck Österreichs nicht weit entfernt.
Die Künstler Willi Resetarits und Günter Brödl boten über eine Konzertagentur eine Dichterlesung mit Bandbegleitung an.
Dem Bürgermeister der kleinen Gemeinde kämen wir gerade recht, sagte der, und wir unterschrieben planend der Veranstaltung „Kopfschuß“ den Subtitel „Bunter Abend“, weil das launiger klang als „Dichterlesung“.
Wie ich auf einem anderen Blatt kurz anriß, blieb uns die Arbeit des Plakatierens, was mit Ärger verbunden war, weil eine unterstützende Agentin die Ankündigung klein und schäbig auf die Plakate setzte, was nicht abzusehen gewesen war, und dem Bürgermeister Anlaß gab, mich persönlich ordentlich herunterputzen zu wollen.
Der guten Hetz’ halber, und weil wir gerade meine Großmutter am Rande des Schwarzwaldes besuchten, affichierten wir ein, zwei Exemplare des in knalligem Orange gehalten Plakats auch auf einer Plakatwand im nahen Strasbourg, und auf einer Litfaßsäule am Münchener Viktualienmarkt.
Ich stellte Fotos davon auf meine Experimentierseite ins Internet, das man aus heutiger Sicht, was Verbindung und Geschwindigkeit betraf, als „Web 1.0″ oder „das alte Internet“ bezeichnen konnte.
Dort hatte ich auch ein bewegtes Digitalfoto platziert, auf dem ich mich in meine Oma, des Vaters Mutter verwandelte.
Die Veranstaltung wurde trotzdem ein Erfolg, und das Auditorium des Veranstaltungssaals war ausgebucht.
Vor der Veranstaltung standen wir auf der sonnenbeschienenen Terrasse, plauderten mit den Künstlern, tranken Bier, und philosophierten ein wenig über die geologische Beschaffenheit der Südsteiermark, angesichts der hinter den Weinhängen beinah zum Greifen nahen Vulkankegel des Stradener und des Bad Gleichenberger Kogels.
Später saßen Karin und ich in der Ehrenloge zur Seite des Herrn Bürgermeisters.
Der bunte Abend war unterhaltsam, die Musik stimmig – die Combo jammte perfekt.
Das Publikum schätzte auch das Amusement der nach Art einer Doppelconference abgehaltenen Lesung, und applaudierte gern.
Daß in Günter Brödls satirischem Kriminalroman mehrmals Cannabis konsumiert wurde, freute den Bürgermeister gar nicht.
Sobald es ums Kiffen und um Marihuanapflanzen ging, begann er zu poltern und wetzte in der Trachtledernen im Sitz.
Zum Ende der Veranstaltung raunte er uns scharf zu, daß er bereits drauf und dran gewesen wäre, aufzustehen, das große Licht anzuschalten, der Verstärkeranlage den Strom abzudrehen, und die Veranstaltung zu schließen.
Daß er sich unter einer Dichterlesung anderes als eine Marihuanarauchermarketingveranstaltung vorgestellt hätte, ließ er uns wissen, und pochte auf Bodenständiges, Zünftiges - steirische Dichter, wie Peter Rosegger, Paula Grogger oder Hans Kloepfer.
Die Köchin beim nahen Hirschjagerwirt wäre jedenfalls pünktlich nachhause gegangen, bedauerte er anläßlich seines Unmutes, während er den Künstlern die Hand hinlängte, und seinen grün’ Hut mit Gamspinsel und Bergseil am Kopf zurechtdrückte.
Deshalb könnte er sein Versprechen eines gemeinsam zu genießenden großen Spezialitätenabendmahls diesmal leider nicht einlösen, bedauerte er.
Aber vielleicht würden wir uns beim nächsten Mal, mit einem leutetauglicheren Programm, alle einmal wiedersehen, quittierte der Herr Bürgermeister als hoffnungsvolle Option.
Wir verblieben um einen netten bunten Abend und um eine Konzertveranstaltungserfahrung bereichert.
Der Autor Günter Brödl verstarb im Oktober des folgenden Jahres im Alter von nur 45 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts.
Meine Großmutter, väterliherseits, starb im Frühjahr darauf in einem Pensionistenheim am Rande des Schwarzwalds an Herzversagen.
Hetze (übertr.): Spaß, Gaudi
Halloween mit Onkel Karl und Onkel Andreas.
Zeit ist ein Abschnitt der Strecke, den ein Beobachter auf einem Objekt im Verlauf seines Lebens in dem das Objekt umgebenden Raum zurücklegt.
Zeit ist eine Wahrnehmung von Bewegung, ohne Größe.
Die Zeit endet mit dem Tod des Beobachters.
Sie dient der Umwandlung von vorhandener Materie, kann aber auch ungenützt bleiben.
Meine Lieblingsspielzeuge sind von Microsoft – sowie kompatible Anwendungen.
Ein gutes Microsoft-Betriebssystem, aber auch allerlei Programme, kann man eine gute Zeit lang kostenfrei testen – einmal erworben, sind sie - mit wenigen Ausnahmen – 10 Jahre lange von Wert.
Ich kann damit alles machen, was mein Leben in Ordnung hält, berechenbar - und meine Wahrnehmungen konservierbar.
Das Internet läßt mich in einem Ausmaß am sozial wichtigen Informationsaustausch sowie am kulturellen Leben teilhaben, wie es mein bißchen Taschengeld in vivo niemals zuließe.
So gesehen hat Microsoft einen wesentlichen Anteil daran, daß mein Dasein einigermaßen normal verläuft, und nicht vorzeitig an völliger Desorientiertheit gescheitert ist.
Ich wüßte von keinem segensreicheren System als dem Personalcomputer am Internet, das jemals System in mein Leben gebracht hätte.
(Sie müssen an dieser Stelle nicht darüber nachdenken, wo man mich … beruflich integrieren könnte.)
Ein Überwachungsstaat, der das Internet als Gefahrenquelle outet und wenig anderes im Schilda führt, als seinen Usern plumpe Fallen zu stellen, um sie in exekutierbare Randbereiche zu locken, tut seinen Bürgern auch sonst wenig Gutes.
Als wollte man das Internet wenigen Sonder-Priviligierten vorbehalten – Providern, Politikern, Rechtsanwälten, Rotlichtmonarchen - wie illegale Drogen und Pornografie.
Es gibt Suggestionskampagnen, deren Ziel es ist, einen Internetanschluß mit der freien Verfügbarkeit von Suchtgift gleichsetzen zu wollen, und dem Ziel, Millionen von Internetusern anzuklagen, mit diesem Medium nicht umgehen zu können.
Es geht weder darum, gegen Menschenhandel noch gegen Kindesmißbrauch zu Felde zu ziehen, sondern um Masturbation.
Eine völlig verzweifelte Mutter hatte sich bei einer katholischen Sozialarbeiterin darüber beklagt, daß das Kind, das später zu Drogen gegriffen, häufig masturbiert hätte.
Das Internet ist ein Medium, das lustauslösend sein kann.
Ausgelöst werden sollen zwar Kauflust und die Lust, Informationen preiszugeben.
Die Möglichkeit, sexuelle Erregung zu erzeugen, bleibt indes von den Komplexen mit dem Internet befaßter PolitikerInnen verbissen handüberdacht - und mit Verfolgung bedroht.
Das führt dazu, daß die innere Privatsphäre von Menschen Ziel staatlicher Überwachung wird, wo die Profiteure des Lustgewinns die Überwacher sind, während bei den Überwachten ständig Gefahr im Verzug ausgerufen wird.
Die Verfügbarkeit von Pornografie stellt die Rechtfertigung der Überwachung dar.
Behinderte, Kranke und weniger betuchte Mitmenschen, Studierende – alle wären Risikogruppen, die Gefahr liefen, aufgrund der leichten Verfügbarkeit von Erotika und Pornographie in den Extrembereich Kinderpornographie abzugleiten, Höllenwelten verbotenen Treibens mit Lynchpotential.
Vielleicht imaginiert die österreichische Frau Justizminister Täusend vor ihren Bildschirmen entblößte, aufgeregte Primaten, wenn sie höchstpersönlich als suspekt bemäkelte Seiten sichtet.
Mangels anderer Inhalte Kinderschutzkreuzzüge auszurufen – billig, bewährt und wohlbekannt.
Die Wahrnehmung des bis zum heutigen Tage beschleunigenden, aber unter den uns regierenden Menschen zunehmend restriktiv manipulierten Web, befindet sich auf einem beachtlich zurückgebliebenen Niveau.
Im Fall etwa von virtueller Kleinkunst, Digitalfotografie, Satire und Literatur, die nicht als Kulturbeiträge wahrgenommen werden dürfen, sondern als Hort möglicher Gefahren gedeutet werden müssen.
Richtige Künstler dürfen ins Internet, was aus dem Web kommt: TATÜ, TATA …
Kleingläubig, provinziell, dreikäsehoch – kommt mir das vor.
Wie bei den Waldwurzelzwergerln.
hanebüchen - hausbacken (?); lexikal: unerhört, empörend.
– Narrenhände beschmieren Tisch und Wände.–
At the Falser Castle.

Not as authentic as at first sight, nevertheless worth another look.
The hawk show is € 7,50 for adults.
Has your web access turned out to be a tripwire into child pornography?
Uh-la-la. There must be a profane secret behind the string of a tanga slip.
Whatever photography on the web is turning out to be a constringent net of slippery bananapeels into submitted layers of illegal minority.
This means, there’s a central control over one’s web, using adult photography of any category to attract pedophiles.
This, in my opinion, makes no good sense.
This is fraud.
For people involved with child pornography, there have been other channels, I suspect.
Uncommon devices similar the legendary C64 radio teletypewriter, for instance.
As there are most endless places on earth to go and do.
Who’s supervising those physical ways of child porn access, like child abuse and slave trade?
Trying to undermine the adult internet for busting potential child pornographers until it’s allover itching, is a very european, especially an austrian errway of hypocracy.
May I introduce the magical, mysterious, the sensational Nikki Case to the minister squad?
Oh yes, I had a deep deep huff.
May your skilly artwork fill that humble purse.
„Stare - with Care.“
I do not believe pornography has been a sign of culture, but it indicates the grade of culture how we deal with it.
Das Eiserne Kreutz.
Des weiteren ist zu berichten, daß ich gelegentlich mit unseren Katzen den nahen Rosenpark aufsuche, damit sie ein wenig Sonne geniessen können und mit ein paar Umweltreizen konfrontiert werden.
Unsere Katzen sind alt und freuen sich über eine Extraportion Sonnenstrahlen.
Ich spreche mit ihnen.
In zunehmendem Ausmaß erregt das den Unmut gewisser „Stammgäste“ des nahen Rosenparks, von denen unlängst einer laut pöbelnd unterstellte, ich wollte ihn und die anwesenden Hundehalter und ihre Haustiere provozieren.
Wir sollen aus der öffentlichen Parkanlage vertrieben werden.
Mein Katzen sind stets angeleint bzw. werden sie von mir getragen.
Sie suchen nicht die Nähe von Hunden; es gibt jedoch Hunde, die Katzen mögen und sich für sie interessieren.
Diese Tiere halten einen natürlichen Respektabstand ein, oder die Katzen verschaffen sich einen.
Ein ehmaliger Beamter erscheint zu Rädern: Er tarnt sich als Tippelbruder.
Neue Wunderwaffe: Vorstehhund, darauf abgerichtet, auf Katzen loszugehen.
Sein Halter erscheint, sobald ich mich im Park aufhalte.
Er springt kläffend und schnappend um mich herum, während die Katzen auf meiner Schulter oder über meinem Kopf sicher sind.
Ich wurde schon von einem Herrn gewarnt, der meinte, er könnte für nichts garantieren, wenn sich sein Hund von einer Katze provoziert fühlte.
Gut erzogene Hunde kümmern sich kaum um Katzen in Begleitung von Menschen.
Sie respektieren diese Partnerschaft.
Ich bin Tierfreund – auch Hunde mögen mich, normalerweise.
Sie ersinnen auf olfaktorischer Ebene, aber auch optisch und akustisch, die Disposition von Lebewesen zu anderen Lebewesen.
Tierfreunde, die versuchen, ihre Haustiere zu mißbrauchen, um Unfrieden zu stiften, sind keine sympathischen Menschen.
Ich halte mich von ihnen fern.
Hula, our catgirl born in the southern Burgenland, discovers more secrets of Vienna.

Solid woodwork at the main port of the Franz-von-Assisi-Church. There’s supposed to be an old fountain below the sanctuary.

Doorwings covered with artfully driven copper plates, relics of fine intarsia work with Edelserpentine, a semipretious stone found in the middle Burgenland.

Not right the relaxing spot of her choice.
Von was Kunst kommt.
Eva Gustav Jantschitsch ist zur Marienfigur der österreichischen zeitgenössischen Musikkultur geworden.
Wer etwas teilhat an dieser Kulturszene, der staatlich geförderten, kniet vor Frau Gustav ab, macht sein Kreuzerl brav und küsset ihr die Zehen.
Ich gebe zu, daß ich mich als Webautor – multi e pluribus unum – nicht wirklich auseinandersetzen muß mit unserem Kulturzirkus – ich befinde mich natürlich ausser Konkurrenz.
Ich weiss gar nicht, was es mit der zur Ikone emporgestemmten Kulturkalamare Eva Jantschitsch wirklich auf sich hat, noch will ich jemandem den Erfolg neidig sein, der es versteht, von und mit offiziell anempfohlener Kultur zu leben, aber ich bin skeptisch, fraubischoffbergervommoralkurier.
Vielleicht steckt hinter Soap&Skin aka Anja Plaschg ebenfalls Eva Jantschtisch, weil sie als Gustav allein zu wenig Geld verdient.
Würde ich Musik machen oder darstellende Kunst, befände ich mich in einer anderen Situation, und wäre über das erfolgreiche Vermarkten vielfältigen Schaffens aufgeklärter.
Die Gemahlin macht bessere Fotografien als ich.
Ich kenne ja nur ein ganz klein wenig von jener Musik, die man seit Jahren via Jugendradio FM4 ohrkerzenartig eingeträufelt bekommt, die jedoch immer wieder in ausnahmlos höchsten Tönen gelobt und gepriesen wird.
Gustavmusik finde ich weder – wie vielfach euphorisch beschrieben – hochanspruchsvoll, noch avantgardistisch, sophisticated, interpretierbar tiefgängig, sondern nur technisch perfekt umgesetzt und wohlgehypt, eine polyphon klimpernde digitale Popmusik, die mir persönlich aufgesetzt, attitüdenhaft erscheint, gekünstelte Effekthascherei, die meine Nerven mehr belastet, als sie zu erfreuen.
Ich kann nichts Geniales heraushören, wenn die junge Frau „We shall overcome“ interpretiert und der DiePresse-Musikredakteur Kramer darüber in elastisch verzücktes Freudengehüpfe gerät, mit allen Geräusch- und Symbolblasen, und Fußnoten, die im österreichischen Kulturheftl des Jahres Platz finden.
Politisch wäre die Gustav, höre ich immer wieder.
Gemeint ist wohl: Politisch korrekt, weil gefördert.
Wirklichkeit ist, daß politische Kulturbeitragende in ganz Europa auf dem Index stehen, umso unbeliebter bei Regierungen, je politischer sie sich äußern, was – gewohnt alteuropäisch – in Hysterien unterschiedlichen Temperaments Niederschlag findet.
Politik und Kultur verstehen sich im Grunde gar nicht gut.
Politisch können – by state of the art – nur Blogger, freie Journalisten sein, wenn sie Mut haben.
Politische Pop- und Rockmusik – das ist schon lange her – und was ein kotellettenbartbäckiger Literat mit Schubert-Franzl-Brille an rotweissrotem Protest und Widerstand zwischen zwei Buchdeckel aus echter Waldheimatpappe hineinschreibt, interessiert gerade weltweit so richtig niemanden.
Wenn das Burgtheater die einzige mögliche Schnittstelle zwischen Autoren und Hochkultur wäre, wäre das Internet heute noch nicht erfunden.
Daß Sie mich nicht mißverstehen – ich bin nicht besonders stolz auf meine winzig kleine, zwischen rasenden Bits und Bytes wie ein alter Bandsalat verhutzelte Präsenz – ich weiß, bei mir erfolgt das Verfassen von Texten zwanghaft, masturbatorisch, die bedeutungslosen, aber anstößigen Worte drängen stoßweise aus mir und floppen in alle Richtungen hinaus.
Sie fallen von mir ab – und wachsen sogar an, ab und an.
Das kann ich wahrnehmen.
Die Ebene der Politik ist eine tiefe.
Räuber und Gendarmen sind dort angesiedelt, Futterneid, Gewalt, Verbrechen aller Art – eine überhaupt nicht schöngeistige, gar nicht wohlklingende Realität.
Man kann sich Menschen andienen, um über die Runden zu kommen.
Kultur sollte auch darüber angesiedelt sein können.
Hoch oben, im allerhöchsten Wolkenkuckuckshausenturm, ganz nahe schon beim lieben Gott, den überhaupt keiner mehr lieb hat, freilich, aber auch im Stockwerk darunter, wo dünne, aber saubere Luft und einigermaßen Ruhe herrschen, wo die Seele noch schnurren und rollen kann, und nicht gleich explodieren muß, weil jedesmal der Polizeipsychologe Müller beim Fenster hereinspechtet, wenn man gerade mit Farben und Formen experimentiert.
Kultur kann kesseln wie der neueste Wolf Haas-Film, sie darf aber auch im stillen Kämmerlein sein, oder irgendwo weit draussen, im fernsten Hinterindien, wo nur mehr die Drachen und Kyklopen schauen und lauschen.
Freigang muß schon noch möglich sein für österreichische Kulturträger.
Egal, welchem Brotberuf sie nachgehen.
Wahrnehmung und Wirklichkeit – false or true?
Die arme Arigona Zogaj hat eine Doppelgängerin, eine junge Wienerin.
Davon bin ich ziemlich überzeugt.
Ich mag junge Frauen, ich sehe sie mir an.
Ich denke dann: Hübsch, nett, sieht sympathisch aus, sexy, erinnert an, oder merkwürdig, oder: sehr merkwürdig.
Es war einmal ein Mädchen, das erinnerte mich an die junge Frau, die seit kurzer Zeit als Nachwuchskünstlerin und großes Talent „Soap & Skin“ gehandelt wird.
Ich meine eine sehr merkwürdige Begegnung, die sehr wahrscheinlich mit einem Einbruch in unsere Wohnung in der Josefstadt im März 2001 zu tun hatte.
Es muß kaum sein, daß es Anja Plaschg war, die ich an einem Tag im Mai 2008, als ich wegen einer Zeugenaussage in einer Zivilrechtssangelegenheit nach Graz geladen war, dort am Jakominiplatz sitzen sah, während ich auf die Straßenbahn wartete, um zurück zum Hauptbahnhof zu fahren.
Es war genau jenes Mädchen aus dem Coffeeshop in der Alserstraße, die ich auch am 21.3.2005 kurz gesehen hatte, auf dem Währinger Gürtel, aber irgendwie erinnerte sie mich auch an Anja Plaschg, aka Soap & Skin.
Das um Gleichgewicht bemühte Fräulein fiel auf, weil es mit Flip-Flop-Flappen lief – dabei war es noch so kalt, und ihre Füßchen sahen derb und schmutzig aus.
Als ob sie gerade zum Jahreszeitenwechsel aus ihren alten Stiefeln geschlüpft wäre.
Sie machte einen heruntergekommenen Eindruck, und wirkte angetrieben, als ob sie unter Drogen stünde.
Das war dieselbe, die ich im Jahr zuvor im Coffeeshop gesehen hatte.
Damals hatte sie neue Gummistiefel mit Blümchenmuster getragen.
Später dachte ich, die wäre eine andere gewesen, Julia K., eine abgängige Schülerin, die auf dem Plakat, das in der Vorgartenstrasse affichiert gewesen war.
Im Sommer 2006 wurde diese vermisste Person von den Behörden in einem Satz mit Natascha Kampusch genannt.
Das Mädchen, das ich meine, trug im Mai 2008 in Graz Gummistiefel mit sehr hohen Plateaus, die aussahen, als hätte sie jemand weggeworfen, ausgediente Modetreter für Raver, „Fetish-Fashion“, wie sie in einem Geschäft in der Daungasse verkauft wurden, bei denen jedoch Lack und Schnallen längst abgegangen waren.
Ihr Haar trug sie knabenhaft kurz, zu einer unschicken Gelfrisur mit Mittelscheitel gekämmt.
Sie befand sich in Begleitung einer älteren Dame, einer korpulenten, großbusigen, lauten Trinkerin.
Die Zigaretten qualmende Frau lachte schallend und legte ihren feisten Arm dem Mädchen um den Hals, das lauthals schluchzte, und wie ein Kleinkind heulte, als ich zu ihr hinsah.
Ich schritt, Hände am Rücken, Blick gen’ Himmel gerichtet, an der Bank vorbei, die das merkwürdige Paar belagerte, inmitten einer Gesellschaft von betrunkenen, ohnmächtigen Drogenpennern auf dem Grazer Jakominiplatz.
Ein kleines, schwer auszumachendes Café in der Klosterwiesgasse fiel mir ein, wo sich in meiner Jugend die abtschapierten* Mädchen aus dem Erziehungsheim Blümelhof versteckten, um sich mit Grazer Nachwuchszuhältern zu treffen.
Es gab dort eine Rock-Ola-Jukebox mit echter Schnulzenmusik, man hörte, gegebenenfalls zu einem engen „Blue“ **, „Du hast ja Tränen in den Augen“, „Melancholie“ oder „Mit 17 hat man noch Träume“.
Die Barfrau konnte äußerst ruppig sein und verlangte von Gästen, die ihr nicht so zu Gesicht standen, für ein extrakleines Puntigamer Export 45 Schilling.
So blieb das unauffällige Kaffeehäuschen zumeist ausgewählten Gästen für ungestörte Tête-a-Têtes reserviert.
Jedenfalls hatte ich dies androgyne Girl schon im April 2004 in Wien gesehen, und sie hatte schon wieder Angst vor mir.
Schlumpf.
Am Hauptbahnhof begegnete ich später Andreas Wabl, dem ehemligen grünen Nationalratsabgeordneten und späteren Klimaschutzexperten der SPÖ.
Ich versuchte, ihn originell abzulichten, vor der Silhuette des historischen Dampflok-Wasserturms im Hintergrund, im Gegenlicht, was mir misslang.
Wir fuhren im selben Zug in Richtung Wien.
Ich versuchte, mich angesichts der mit zunehmendem Tempo davonhuschenden Vergangenheit zu entkrampfen und sann wieder nach.
Dieses Mädchen war auch hinten in der Leopoldstadt gewesen, im Sommer 2004, im zweiten Bezirk, vor diesem Haus, betrunken oder auf Drogen.
Ich hatte mir am selben Abend das Automobil genau angesehen:
Es waren wieder neue Kratzer im Lack, und die Stahlfelge vorne rechts sah aus, als hätte jemand gezielt mit einem Hammer oder Maurerfäustel darauf eingeschlagen, vielleicht, um einen Reifenschaden und einen Unfall herbeizuführen.
Ich dachte damals, die hätte uns H. geschickt, jemand, den ich immer für den Anstifter des Wohnungseinbruchs gehalten hatte, eine Bekanntschaft vom Liberalen Forum, jemand, dessen aufdringliche Freundschaft ich nach ein paar Begegnungen in den neunzehnhundertneunziger Jahren nicht wollte – weil er mir nicht sympathisch war.
Angeblich ein Diskjockey und Radiomoderator und Promo-Agenturunternehmer und Veranstaltungmanager.
Darüber hinaus ein Käpt’n am falschen Dampfer, der im vermeintlich klärenden Gespräch jede Tatsache umdrehen und auch noch Prozentgeld von mir verlangen wollte.
Er war mir schon kurz nach dem Einbruch in provozierender Weise über den Weg gelaufen, und später noch ein paar Mal, was jedesmal mit Beschädigungen an unserem Vierrad einherging.
Aber das ist alles, wie gesagt, schon länger her.
Von größerer Bedeutung erscheint mir heute, dass das Mädchen mit den Gummistiefeln, am Köpfchen eine schlappe Rastahaube aus dem Kolpinghaus-Container, sich im April 2004 in Begleitung von zwei oder drei jungen Männern befunden haben könnte, von denen einer im Jänner 2008 – vielleicht – ermordet worden ist.
Ich erinnerte mich an den Barista, wie man die Kaffeesieder in Coffeeshops, bei Starbucks und Coffeshop Company, nennt.
Jener, dunkleren Teints, trug Rastakopf, und ließ beschwingt eine flotte Musik laufen.
Ein Bursche fiel mir im November/Dezember 2007 einmal auf, in der U4, am frühen Vormittag, abknickend, wahrscheinlich unter Morfiumeinfluß.
Ich war auf dem Weg zu einem Arzt, vielleicht ins Wilhelminenspital.
Ich dachte: „Was für ein elendes Leben“.
Vielleicht fiel er mir auf, weil ich ihn zuvor schon einmal gesehen hatte.
Auch bestand eine gewisse Ähnlichkeit zum jungen Kabarettisten Lukas Resetarits, der bekannte Sketch „Wo Herbststraße?“, längst ein Klassiker, fiel mir ein.
Bemerkenswert die Haarfarbe, grünstichig, wie von einem missglückten Versuch, die Haare zu blondieren und später wieder rückzufärben
Fühlte ich mich gar, ein wenig, an die eigene Jugend erinnert?
Wie schnell die Zeit vergeht.
Vielleicht vermengen sich bei mir Erinnerung und Phantasie, und ich stelle an diesem Punkt einen Zusammenhang her, den es gar nicht gibt.
Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Junge im April 2004, es war ein Samstag gewesen, im Coffeeshop in der Alserstraße anwesend war.
Sicher ist, dass einer der jungen Kerle, die ich nicht so genau wahrnahm wie das – wahrscheinlich nicht ohne Grund – verängstigte Mädchen, eine ungewöhnliche, gelbe Haarfarbe hatte.
Es könnte sein, dass es genau dieser Junge war, dem das Mädchen unterm Tisch etwas zureichte.
Ich hatte an Drogen gedacht – oder einen Armreifen, einen Ring, eine Uhr.
Meine Beobachtungen sind korrekt, ich kann sie zeitlich gut einordnen.
Unlängst hatte ich folgenden Traum:
Ich sah das Mädchen, dem ich einmal in einer kurzen Geschichte den Namen Knüffel gab, beim Training in einem Fitnessstudio, zusammen mit Christine Lugner, und einer mir weitläufig bekannten Tänzerin.
Sie lifteten Gewichte, zur besseren Ausbildung des latissimus dorsi.
Zwei wohlgeformte Herren halfen dabei.
* „abtschapiert“ – wahrscheinlich von prendre le chapeau (den Hut nehmen): abgehaut, flüchtig; Zechprellerei.
** „Blue“ -Landläufig; Anschmiegetanz, eine Art langsamer Foxtrott, treffender: „L’amourhatscher“, zur Jukebox oder im Tanzcafé; 60er Jahre.