Pilzdroge als deus ex machina für eine spätmittelalterliche Ziviljudikatur?
Der eingestandene Konsum von LSD gibt in Österreich bis zum heutigen Tage Anlaß zu lebenslanger Verfolgung durch politische Kräfte und ihre scheinheiligen Hinterorganisationen.
Einer der Hauptgründe, warum man während meiner Jugend darauf bedacht gewesen war, mich durch allerlei psychotaktische Beeinflussung zu einem stationären Therapieaufenthalt hinzulenken, waren geheime LSD-Experimente gewesen – jenseits der kümmerseligen Vorstellung, die etliche AbsolventInnen der katholischen Sozialakademien über Wirkung, Gefahr und Langzeitfolgen von Rauschgift hatten.
Die häufigste Erklärung für sogenannte Flashbacks ist jedenfalls der Konsum anderer Drogen, darunter Amphetaminartiges und Cannabis - es gibt aber auch psychedelische Erlebnisse oder psychotische Episoden ohne Intoxikation.
Es ist schon vorgekommen, daß prominente Zeitgenossen Opfer einer mit der Nachflüsterung von LSD-Konsum verbundenen Rufschädigung wurden, indem man sie systematisch zu terrorisieren begann, eine Verfolgung durch die Stapo auslöste, und ihre Karrieren sabotiert wurden.
Ich glaube nicht, daß man Jugendliche heute wie einst durch Ammenmärchen davon abhalten kann, mit verfügbaren Drogen zu experimentieren.
Es ist festzuhalten, daß es sich bei LSD um keine spirituöse Sondersubstanz handelt, sondern nur um eine von vielen Drogen mit Risiken und Nebenwirkungen, und daß LSD, wie andere Drogen auch, aus asservierten Beständen oder dem Sondermüll in die Hände von KonsumentInnen, auch solche mit unreifen Persönlichkeiten, gelangen kann.
Sadistische, pädophile Interessen, oder einfach Sensationsgier, können Anlaß für die Weitergabe verschiedenster Drogen sein.
Sicher ist, daß Mißverständnisse lange unerwidert geblieben sind, und Ammenmärchen von Anfang an absichtlich in die Welt gesetzt wurden, und daß Albert Hofmann selber mit heftigen Anwerfungen aus der Welt der katholizistisch-kreationistischen Krämerlädenwissenschaft konfrontiert gewesen war, ein Mensch, dessen bedeutendes Lebenswerk außerhalb des Zusammenhangs mit LSD bei uns weniger gewürdigt worden ist.
Wer sich dafür interessiert, liest am besten Dr. Albert Hofmann.
Eine falsche Information, die wahrscheinlich noch heute von manchen Chefpsychiatern und ihrem bigotten subakademischen Hofstaat freigesetzt wird, betrifft Schädigungen des menschlichen Erbguts, hervorgerufen durch LSD.
Ein von Dr. Hofmann entwickeltes Pharmazeutikum, das in der Geriatrie zur Verbesserung von Demenzzuständen eingesetzt wird, ist Hydergin (Dihydroergotoxin).
Hofmann war auf dem Weg seiner Forschungen für Sandoz eher zufällig über das Lysergsäurediethylamid gestolpert.
HYDERGIN wirkt nicht psychoaktiv, nur peripher gefäßerweiternd, und wird bei der Behandlung von Bluthochdruck, Migräne und gegen sklerotische Altersbeschwerden eingesetzt.
Die Verteufelung von Hofmanns Arbeit fand ihren ersten Höhepunkt in den fünfziger Jahren vorigen Jahrhunderts, durch die Verbreitung des Schlafmittels Thalidomid mit dem irreführenden Marktnamen CONTERGAN.
Dr. Albert Hofmann war an der Entwicklung von Thalidomid nicht beteiligt gewesen, und trug keine Verantwortung an den als Contergan-Skandal bekanntgewordenen hunderttausendfachen embryonalen Mißbildungen.
Dieses hartnäckige Mißverständnis wurde durch die populäre, aber unverwandte Charles-Manson-Story der späten Sechzigerjahre angefeuert, und wuchs durch legendäre Berichte von wiederholten Fensterstürzen unter LSD-Einfluß zu einem advokablen Monster von Falschinformationen heran, auf das auch heute noch Entscheidungsträger deuten, wenn es um eine griffnahe, billige Rechtfertigung von moralinsauer vergällten, stuhlpatriachalischen Vergeltungsurteilen im Zivilrecht geht.
Konsum von LSD, unter großem Tränenstrom vor den Richtertisch geschleudert, wiegt aufgrund vorherrschender Abergläubigkeiten fast so eindrucksvoll wie das Aufschlitzen einer Waschpulvertrommel voll weißem Pulver und das Emporhalten eines abgetrennten Schädels.
Man bedient sich des grundfalschen, aber leichtverkäuflichen Arguments, die Einnahme von LSD hätte eine Schädigung der Erbanlagen sowie schreckliche Mißbildungen bei nachfolgenden Generationen bewirken können.
Ähnlich roßtäuscherisch der Versuch, LSD-Experimente zur Erklärung von geförderter Eitelkeit und der Teilnahme an zweifelhaften Expositionen heranziehen zu wollen, zur Begründung von geleiteten Depressionen, Arzneimittelsüchten und Alkoholismus, oder zur billigenden Verschleierung von kriminellen Handlungen, sowie tabuisierten Beziehungskrankheiten im Hintergrund, etwa vom Typ Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom.
Sicher ist, daß ich am Faschingsdienstag des Jahres 1994 nicht LSD genommen hatte – und daß die Folgeschäden, die der Gesellschaft und den nachfolgenden Generationen durch schlechte Aufklärung und kalkulierbare Bildungsmängel entstehen, schwerwiegender sind als zwei Monate Mindestsicherung, und die Akzeptanz psychosozialer Behinderung ohne notorische Unterstellung von Selbstverschulden.
Wertvolle Punkte für Studium und Führerschein:
Sag in Österreich besser niemals, du hättest LSD probiert, oder sonst etwas.
Psychogeriatrisches Hampelspiel um Ehrgeiz und Eifersucht unter den Gescheiterten.
„Der Joe dämpft alle Ratten aus – wie die Bazillen!“ beschied Heuer voll Überzeugung, und schlug mit der Faust in die offene Hand.
Er war mit dem Mittagessen aus dem Grazer Landesgericht für Strafsachen gekommen, um ein paar Monate abzubrummen, wuchtete seinen Binkel in den Haftraum und wußte seufzend mittels einer Handvoll jämmerlicher Zigarettenstummel in einer zerknüllten Packung „Spezial Landtabak“ Versorgerinstinkte zu wecken.
Er erschien allerdings in geheimnisvoller Mission, die Lage zu erkunden, Neuigkeiten von draussen und drinnen zu verbreiten, und dabei Unfrieden auszustrahlen.
Im Laufe von ein paar Tagen gelang es ihm, sich wieder aufzurichten.
Wenn er in einer anderen Zelle eine bessere Partie finden konnte, begehrte er Verlegung, und stand im lockeren Drillich, mit Geschirr und Bettzeug in der Justizwachekotze, für einen neuen Tag lang im Mittelpunkt.
„Ihr seid’s leiwande Hawara.“
An dem Finger, mit dem er herüberzeigte, fehlte ein Glied.
Daß sich ein Vierteljahrhundert später das politische Österreich ähnlich präsentieren könnte, wie es im kleinen Mustergefängnis am Hange des Grazer Schloßbergs skizziert wurde, war damals nicht absehbar gewesen.
Heute beschäftigt der Staat in aller Öffentlichkeit Rechte, um gegen Linke vorzugehen, und Menschen, gegen die justament zivilgerichtliche Todesurteile verhängt worden sind, müssen zur Wahrung der schiefen Optik zu Staatsfeinden erklärt und langsam zwischen den Wänden ihrer Zellen zermalmt werden.
Jeder Tag ist ein Provokationsmanöver durch das Bureau für Innere Angelegenheiten, das zur Zeit über keine feste Adresse verfügt.
Übergriffe kann man nicht ausschließen.
Die Wahrnehmung dieser Wirklichkeit vexiert zwischen Traurigkeit und Aberwitz.
Ich hätte in Untersuchungshaft, Anfang der achtziger Jahre vorigen Jahrhunderts, das Babygesicht einer Milupa-Werbung in einem Büchlein der Serie Readers Digest Best in diabolischer Weise übermalt.
Weiters hätte ich LSD-Trips häufig genommen.
Es gibt Einzelschicksale, die von den Studierenden ferngehalten werden müssen.
Ihr Vaterland soll ihnen erscheinen wie es der ORF retouchiert.
Die Position dieser kleinen Wohnung entspricht der eines Staubfängersackes an einem pneumatischen System.
Man wird chronisch krank.
Die Entlüftungsanlage saugt im Sommer wie im Winter aus dem Müllraum an.
Die Belastung durch Bakterien, Pilzsporen und Keime kumuliert, und stellt das Immunabwehrsystem auf Dauerbelastung.
Unter solchen Bedingungen lebten Menschen nicht lange, sie wurden krank und starben bald.
Hinter dem Holz, das gemütlich machte, verbargen sich Wanzen.
Eines Tages lag jemand mit Lungenentzündung im Fieber, und ein anderer stellte ihm eine entsicherte Kartusche mit Ungeziefer-Ex unters Bett.
Nach einer solchen Kur bleibt etwas zurück, das sich anfühlt, als wäre der Kopf in einem Schraubstock festgehalten worden, und weitergedreht, bis es knackte.
Sind Sie vielleicht aus der katholischen Kirche ausgetreten?
Halloween mit Onkel Karl und Onkel Andreas.
Zeit ist ein Abschnitt der Strecke, den ein Beobachter auf einem Objekt im Verlauf seines Lebens in dem das Objekt umgebenden Raum zurücklegt.
Zeit ist eine Wahrnehmung von Bewegung, ohne Größe.
Die Zeit endet mit dem Tod des Beobachters.
Sie dient der Umwandlung von vorhandener Materie, kann aber auch ungenützt bleiben.
Meine Lieblingsspielzeuge sind von Microsoft – sowie kompatible Anwendungen.
Ein gutes Microsoft-Betriebssystem, aber auch allerlei Programme, kann man eine gute Zeit lang kostenfrei testen – einmal erworben, sind sie - mit wenigen Ausnahmen – 10 Jahre lange von Wert.
Ich kann damit alles machen, was mein Leben in Ordnung hält, berechenbar - und meine Wahrnehmungen konservierbar.
Das Internet läßt mich in einem Ausmaß am sozial wichtigen Informationsaustausch sowie am kulturellen Leben teilhaben, wie es mein bißchen Taschengeld in vivo niemals zuließe.
So gesehen hat Microsoft einen wesentlichen Anteil daran, daß mein Dasein einigermaßen normal verläuft, und nicht vorzeitig an völliger Desorientiertheit gescheitert ist.
Ich wüßte von keinem segensreicheren System als dem Personalcomputer am Internet, das jemals System in mein Leben gebracht hätte.
(Sie müssen an dieser Stelle nicht darüber nachdenken, wo man mich … beruflich integrieren könnte.)
Ein Überwachungsstaat, der das Internet als Gefahrenquelle outet und wenig anderes im Schilda führt, als seinen Usern plumpe Fallen zu stellen, um sie in exekutierbare Randbereiche zu locken, tut seinen Bürgern auch sonst wenig Gutes.
Als wollte man das Internet wenigen Sonder-Priviligierten vorbehalten – Providern, Politikern, Rechtsanwälten, Rotlichtmonarchen - wie illegale Drogen und Pornografie.
Es gibt Suggestionskampagnen, deren Ziel es ist, einen Internetanschluß mit der freien Verfügbarkeit von Suchtgift gleichsetzen zu wollen, und dem Ziel, Millionen von Internetusern anzuklagen, mit diesem Medium nicht umgehen zu können.
Es geht weder darum, gegen Menschenhandel noch gegen Kindesmißbrauch zu Felde zu ziehen, sondern um Masturbation.
Eine völlig verzweifelte Mutter hatte sich bei einer katholischen Sozialarbeiterin darüber beklagt, daß das Kind, das später zu Drogen gegriffen, häufig masturbiert hätte.
Das Internet ist ein Medium, das lustauslösend sein kann.
Ausgelöst werden sollen zwar Kauflust und die Lust, Informationen preiszugeben.
Die Möglichkeit, sexuelle Erregung zu erzeugen, bleibt indes von den Komplexen mit dem Internet befaßter PolitikerInnen verbissen handüberdacht - und mit Verfolgung bedroht.
Das führt dazu, daß die innere Privatsphäre von Menschen Ziel staatlicher Überwachung wird, wo die Profiteure des Lustgewinns die Überwacher sind, während bei den Überwachten ständig Gefahr im Verzug ausgerufen wird.
Die Verfügbarkeit von Pornografie stellt die Rechtfertigung der Überwachung dar.
Behinderte, Kranke und weniger betuchte Mitmenschen, Studierende – alle wären Risikogruppen, die Gefahr liefen, aufgrund der leichten Verfügbarkeit von Erotika und Pornographie in den Extrembereich Kinderpornographie abzugleiten, Höllenwelten verbotenen Treibens mit Lynchpotential.
Vielleicht imaginiert die österreichische Frau Justizminister Täusend vor ihren Bildschirmen entblößte, aufgeregte Primaten, wenn sie höchstpersönlich als suspekt bemäkelte Seiten sichtet.
Mangels anderer Inhalte Kinderschutzkreuzzüge auszurufen – billig, bewährt und wohlbekannt.
Die Wahrnehmung des bis zum heutigen Tage beschleunigenden, aber unter den uns regierenden Menschen zunehmend restriktiv manipulierten Web, befindet sich auf einem beachtlich zurückgebliebenen Niveau.
Im Fall etwa von virtueller Kleinkunst, Digitalfotografie, Satire und Literatur, die nicht als Kulturbeiträge wahrgenommen werden dürfen, sondern als Hort möglicher Gefahren gedeutet werden müssen.
Richtige Künstler dürfen ins Internet, was aus dem Web kommt: TATÜ, TATA …
Kleingläubig, provinziell, dreikäsehoch – kommt mir das vor.
Wie bei den Waldwurzelzwergerln.
hanebüchen - hausbacken (?); lexikal: unerhört, empörend.
– Narrenhände beschmieren Tisch und Wände.–
Reality hurts.
A personal visit to Stetten, a place the government of the federal country of Niederösterreich tries to sell as that paleontological sensation spot, uncovered us the truth.
Regardless the usual escort of austrian stapo right in front and behind the reflector, the place itself turned out to be a polished provincial tradehut of fashion schmuck and mostly imported fossile cuts.
What’s really impressing and makes the place worth a visit anyhow, is the paleological time line, that shows how short a span of 16 millions of years can be.
The gaps between the provable peaks of modern science but are fixed and filled with catholic-creational glue and holy-watered ambiguity instead of scientific clearness.
This is a playground of national slyness, a place one goes to greet that hat before having a nice glass of sacramental wine at sunset.
A chilled cave hides that small piece of oyster stacks that’s only been saved from trash compacting and concrete highway flowering.
A mostly disappointing spot of a few rare relics, that will rather steer the researchers interest to the near treasury of the Bisamberg, at the edge of the viennese suburb of Strebersdorf, that still protects millions of years in fine slices.
— The steady infamous inborn catholicistic penetration arses human rights. —
The selfperceiption of the greens as a prime member of the worlds NGO board shows how slippery the european floor has become.
30 Jahre „Helfen statt Strafe“.
Eines windgekühlten Vormittags saß Fasching auf der anderen Seite des Fliegengitters und laberte mich an.
Ich wußte nicht, was ausschlaggebend für seinen Besuch gewesen war, aber er schien bemüht, sich so darzustellen, als ob ihn meine Eltern geschickt hätten, sich um mich zu kümmern.
Er trug Hornbrille und Schnauzbart, dazu ein rustikales Gilet mit Silberkugeln, und erinnerte mich zuerst an Towje Kleiner in „Der ganz normale Wahnsinn.“
Ich war überrascht, endlich Besuch zu bekommen, aber meine Freude hielt sich angesichts Herrn Faschings in Grenzen.
Fasching entstammte der Sozialarbeit in der Psychiatrie, hochlobte voller Stolz die Drogenberatungsstelle in der Grazer Paulustorgasse, wie aus der großen Quetschharmonie geduedelt, flammte und loderte darüber von der neueröffneten Dependance des Anton-Proksch-Instituts in der Hinterbrühl bei Mödling, und deren aufgeschlossenem, verständnisvollen Leiter, Primarius Dr. Pernhaupt.
Es gäbe moderne Behandlungmethoden – und neuerdings die Möglichkeit … bedingten Strafnachlasses bei Drogendelikten.
Er verwendete in seinem Bewerbungsgespräch immer wieder das Wort „Wir“ satt „Ich“.
Ein schief grienendes, neonfarbenes, händchengrüßendes Männlein in einem „Hilfe statt Strafe“-Leibchen versuchte rastlos, es sich im Labyrinth meiner Gehirnwindungen bequemzumachen, fand keine geeignete Stellung, und verlief sich in endlosen Weiten.
Ich hatte ein Fahrrad gestohlen, das ich im Dorotheum versetzen wollte, und war in der Herrengasse aufgehalten und festgenommen worden.
Eine Handvoll Kleindelikte, ein wenig Haschisch, ein bißchen Heroin, waren fällig.
Dazu Finanz- und Zollgebühren, blaue Briefe, niemals abgeholt.
Ich war zu einem anschwellenden, leberzersetzenden Alkoholiker geworden, nachdem ich ein halbes Jahr vorher einen Mohndrogenentzug weggetschechert hatte.
Die Ausnüchterung in Untersuchungshaft war seelisch schmerzhaft und offenbarte echten Herzenskummer.
Freundin K. ging mir fürchterlich ab, obwohl die strapazierte Liebesbeziehung eine Ursache meiner Qualen gewesen war.
Immerwiederkehrende Rückblenden auf Täuschungen von Menschen, die mir vertraut hatten, peinigten mich schwer.
Ich balancierte auf der Kante zwischen Selbstmitleid und Wahrnehmungskritik, versuchte die bleischwere Zeit zu bewältigen, indem ich alles niederschrieb, was mir ein – und auffiel.
Dieser Kerl erschien mir, zweitens, aufdringlich.
Er wirkte bei allem aufgebotenen Enthusiasmus auf mich nicht überzeugend, trotz Sozialpädagogenkostüm, eher zielstrebig Terminlisten abarbeitend, im Tempo des Untersuchungsrichters für Suchtgiftangelegenheiten.
Er hatte den leicht hölzelnden Rededrang eines von einer Handvoll Antapentantabletten beflügelten Tupperwareverteilers.
Ein Besuch bei der sportlichen Sozialarbeiterin der Haftanstalt wäre kurzweiliger gewesen.
Man konnte ein Gespräch lang auf ihre Fesseln spechten und herunterzählen, bis sie erneut die Beine übereinanderschlug und mit dem anderen Fuß wippte.
Ich hatte mich im Anschluß auf den Bauch gelegt, die Augen geschlossen, und war in der Sommergluthitze, in die raue Bettdecke gekrallt, heftig über die Ufer getreten.
Ich dankte Fasching für den Besuch und versprach, in der Beratungsstelle vorbeizuschauen.
Wenn es soweit wäre.
Von der ökosozialen Marktwirtschaft zur ganz normalen österreichischen Familienzerfleischung.
Ich kann unsere Wohnung nicht verlassen.
Verschwinde ich länger als für zwei, drei Minuten Müllentsorgung, etwa zum Einkaufen, sperrt ruckzuck jemand auf, schaltet den Computer ein oder aus, deprogrammiert – tipp, klick – die Fernbedienung („Ich war wieder da-a!“) oder es verschwindet etwas Interessantes, etwa eine Syringe zum Bemessen eines Katzenmedikaments, die vorher noch auf dem Tisch lag.
Das Mittel heisst Metacam.
Ich glaube kaum, daß man es missbrauchen kann, vom Standpunkt meines pharmakologischen Wissens nicht.
Es ist kein Opiod oder Katzen-Methadon, sondern ein entzündungshemmendes, nonsteroides Analgetikum für Canidae und Felinae.
Eine andere Katze hat eine Magenkrankheit und bekommt ein Magengel, eine weiße milchige Flüssigkeit, die wir ebenfalls mittels Syringen verabreichen.
Solche Syringen liegen bei uns herum – könnte der geheimnissvolle Aufsperrer sagen, der möglicherweise mitunter blond ist und aussieht wie Frau Lothrich, meiner Schwester beste Freundin – mit gespenstischem Unterton, zu meiner greisen Mutter in Graz:
„Spritzen mit weissen Rückständen drin – weiß wie der Schnee auf dem Schneeberg.“
Dies müsste auch der Kontaktfrau bei der Polizei mitgeteilt werden, rucki-zucki-SMS.
Frau Lothrich ist die Schattenfrau meiner Schwester, schon seit Kindertagen.
Früh ist ihr der Mund an die Seite gewachsen.
Sie legt meiner Schwester die Hand eisern auf die Schulter und berät sie in allen Lebenslagen, so hat sie ihr schon vor vielen Jahren empfohlen, sich einen – befreundeten – Detektiv zu nehmen und seither wird gegen den Bruderteufel privat ermittelt, was das Zeug hält, denn die greise Mutter hat noch irgendwo ein Sparbüchl.
Würde der Bruderteufel straffällig, könnte die alte Mutter ihn enterben, denn als liebe Omama hat heute sie Verantwortung nur mehr für die Enkerlen.
Das hat der Eberhard bestätigt, Eberhard der Rechtsbeistand, der helfen wollte, aber auch bezahlt werden.
Wer hörte oder las nicht die schreckliche Geschichte von Charles Manson, welcher 1968 der zierlichen Schauspielerin Sharon Tate im LSD-Rausch bei lebendigem Leibe das Kind aus dem Bauch schnitt und es an der Nabelschnur, wie ein Cowboy das Lasso, über dem Kopf schwang?
„Satan!“ hätte Manson in Ekstase hochgerufen zum Mond und die Mitglieder seiner Bande, ebenfalls vollgepumpt mit LSD, wären vor dem brennenden Haus der Polanskis wie die Irren auf- und niedergesprungen, und hätten in trunkener Trance, mit blutverschmierten Mäulern, skandiert: Sa-tan! Sa-tan! Sa-tan!“
Ich weiß nicht, wieviel Geld meine Schwester Frau Lothrich und FreundInnen angeblich schuldig ist und ob es wahr ist, dass man nicht nur die Zauberin Uriella kostenpflichtig befragte, sondern auch einen katholischen Pfarrer den Exorzismus durchführen ließ, aber ich glaube nicht, dass meine Schwester dabei von ihrem Alkoholproblem geheilt worden ist.
Dem Alkohol und seiner die Erkenntnis mindernden Wirkung, sowie Frau Lothrich ist zu verdanken, dass mein Vater, ein an einem Leiden vom Typ Alzheimer erkrankter Mann von über siebzig Jahren, meine Schwester wegen einer sechsstelligen Eurosumme zivilrechtlich verklagen musste, denn dieses Geld, zum Zwecke einer Hausrenovierung durch einen Bausparkredit und eine burgenländische Landesförderung vorgestreckt, sei aus des alten Mannes Gewahrsam verschwunden.
In dieser Situation wäre es schön, auf einen drogensüchtigen Bruder verweisen zu können – so wie damals, als meine Schwester und Frau Lothrich gemeinsam kichernd und schluchzend die Schulbank teilten – über den man zu Gericht gotterbärmlich haareraufend klagen könnte: „Schuld an allem ist nur mein Bru-huder!“
Frau Lothrich ist eine geborene Geschäftsfrau, so wie meine Schwester beinahe eine geworden wäre – wie die legendäre Tant’ Gusti, die einst mit großem Gewinn einen Gemahl zu verkaufen wußte – wäre der Bruderteufel nicht gewesen, und das Schloß Limberg in der Südweststeiermark hätte man erwerben und eine märchenhafte Pflegewelt für alte Menschen mit fetten Sparbüchern daraus machen wollen.
Leider hätten sich einige der von Frau Lothrich listig eingefädelten, hohe Erträge verheissenden Investitionen als Betrügereien anderer herausgestellt, sie wäre selber gelinkt worden, Pech gehabt, das käme in den besten Familien vor, man könne leider nicht immer gewinnen.
So wartet man gemeinsam, bis die alte Mutter stirbt, nimmt seufzend auf die Hoffnung noch einen zur Brust, und gibt sich redlich Mühe, dass wenigstens der Bruder nichts bekommt von dem noch ausstehenden Ersparten.
Silkes Frisur erinnerte mich an David Bowie in „Life On Mars“.
Ein wenig sah sie in ihrem wehenden Tüllgardinenanzug aus wie der Flaschengeist Jeannie, aus einer albernen Vorabendserie aus den sechziger Jahren.
Sie trug neue orientalische Sandalen an den Füßen, die weiß waren wie Elfenbein und mir ziemlich groß vorkamen.
Silke hatte etwas Trippeliges, als würde sie tanzen, zu einer Musik, die nur sie hörte.
Sie hatte einen prallen Beutel geschultert: sie wäre zum Lernen bei einer Freundin und würde über Nacht bleiben.
Das hätte sie ihren Eltern erzählt.
Ihre Augen leuchteten und sie lispelte ein wenig, als ob sie zu viele von den Pillen geschluckt hätte, die ihr die Ärztin gegen Konzentrationsstörungen verschrieben hatte.
„Hast du was?“
Silke sah mich lauernd an, sommersprossig, ein Frettchen, zum Zuschnappen bereit.
Sie war schlank, nein, hager.
Ihr blutjunger Busen schimmerte wie heller Marmor im Mondlicht, hintern dem feinen Vorhanggewebe.
Ihr Hals sah lang aus.
Vielleicht trug sie in ihrem Beutel ein Nachtgewand, eine CD von STS , ein Formelheft, eine Ausgabe von Disneys Lustigen Taschenbüchern und ein Päckchen agen-53.
Ich war mehrfach davor gewarnt worden, mit diesem Mädchen etwas anzufangen, angeblich ließen sie ihre Eltern von einer Privatdetektei überwachen.
Sie hätte Probleme in der Schule und wäre in psychologischer Betreuung.
Keinesfalls dürfte sie LSD-Trips nehmen.
Ich wusste, dass sie einen eifersüchtigen gleichaltrigen Freund hatte, einen Taek-Won-Do-Schüler, der sich ausschließlich mit tibetanischen Gebetsfahnen zu bekleiden pflegte.
Eine hatte er zu einer lendenschurzähnlichen Pluderhose geknotet, eine andere zu einem Gilet geschlungen, eine trug er als Stirnband, dessen Enden bis an die Knie reichten.
Ein weiteres hatte er über Schulter und Bauch geworfen, und darin befand sich eine große konische Haschischpfeife aus gebranntem Ton, Schilum genannt, auf die er mächtig stolz war.
Sie musste vor und nach dem Befeuern rituell gereinigt und besprochen werden, und durfte nur in einer bestimmten Richtung das schwarzgemalte Tischlein umrunden, dem Anke die Beine immer kürzer gesägt hatte, und auf dem sie manchmal in einem langen T-Shirt tanzte, wenn ihre Bude voll war, die Stimmung sehr gut und zu einer discotechnoiden Musik Jimmy Summerville aus den Boxen jauchzte.
Die anderen saßen auf dem Boden, spien Glut und Rauch und spielten Schlagzeug auf ihren Schenkeln.
Ich sah mir Silke genau an.
Sie hatte die Fäuste gegen die Hüften gestemmt und wippte mit einem Fuß.
Sie schien mich zu lieb gewonnen zu haben, als würden wir schließlich alle zu einer eingeschworen Bande junger Kifferrebellen gehöre.
Ich stellte mir vor, wie plötzlich ihr Freund, den ich den Shiva-Feuertänzer nannte, mit ausgestrecktem Bein und kampfjustierten Armen durch das geschlossene Fenster krachte und klirrte und mich zum Zweikampf forderte, weil meine Haschischportionen zu klein bemessen waren.
Für hundert Schilling würde man in Katmandu ein ganzes Kilo bekommen.
Ständig huschten Schatten durch dieses Haus, schlichen sich an Türen heran und versuchten durch Schlüssellöcher zu gucken.
Jederzeit konnte auch Monika hier auftauchen oder ihre Schwester, die Polizeiärztin.
Ich musste Silke schleunigst wieder loswerden.