Der Rentenklau läßt grüßen.
Das Hinauszögern der Zahlungen bis zum Letztmöglichen trifft nervlich angeschlagene Menschen zu diesem Wochenende wie ein brutaler Magenstrudel.
Wer sich nicht daran gewöhnt hat, sein wenig Budget einzuteilen bis Ultimo, wird es lernen müssen, und kann außerdem erkennen, daß alles seinen Preis hat, auch eine Pensionserhöhung von 1,5 Prozent.
Vorsätzliche Überlegungen, einen Transferquotienten zwischen Pensionsversicherung und Anschriftspostamt mittels Orientierungskompaß und TI-30Xa Solar zu ermitteln, scheitern, wahrscheinlich aufgrund sich überlagernder elektromagnetischer Felder.
Am Mexikoplatz will sich ein winterlich wattiertes Mädchen an meine Seite heften, von einer Begleiterin an der Ecke Ennsgasse abgespalten, die ihr Haar zu einem maiskolbendicken Zopf verarbeitet trägt.
Das Kind sieht aus wie ihre pausbäckige Kleinausgabe.
Ich bleibe stehen und schaue zurück, um sicherzustellen, daß es noch einen Begleiter gibt, der von weiter hinten fotografiert.
Diese Inszenierung hat vielleicht mit einem hochinteressanten Aktenvermerk zu tun, und einer goldenen Uhr der Marke Helvetia, die auf mysteriösen Wegen in den Besitz einer Sozialarbeiterin gelangt ist.
Während das junge Fräulein in Richtung seiner Begleiterin weitertrottet, die einen Umweg nimmt, betrete ich das Postamt, um unsere Briefsendungen abzuholen.
Post von Herrn Strache, aber auch Wichtigeres.
Am Platz vor der Franz-von- Assisi-Kirche funktioniert mein improvisiertes Erdfeldmagnetoskop - die Nadel richtet sich auf drei unterschiedlichen Standpunkten verschieden gleich aus.
Beim Mexikogedenkstein sitzt ein Mann, in Gram versunken, auf der feuchten Parkbank und seufzt.
Er sieht aus wie der Seelsorger der armen Familie Zogaj, Pfarrer Friedl.
Das österreichisch-volksparteiliche Don-Camillo-Spiel ist ganz schön aufwändig.
Rund um das Denkmal krausen bunte Köpfe Blumenkohl.
Ein paar Schritte weiter hebe ich einen abgeschlagenen Flaschenhals vom Asphalt und werfe ihn in den nächsten Abfallkorb.
Beim Einkauf im Spar-Markt werde ich von einer blonden, eleganten Dame genau beobachtet, und muß an der Kassa mein gratis DM-Sackerl einsehen lassen.
Mein Bestes, die Hausmarke: für unsere Katzen.
Für uns Menschen gibt’s heute
Vegetativ’ Induktionsplattenkartofferl
Mit Broccoli.
Ein paar Schnitten Fetakäse vom Block anrösten, bis er ordentlich ausgelaufen ist, gekochte Erdäpfel in Scheiben goldbraun rösten, in Salzwasser blanchierten Broccoli darunter, etwas feingehackten Knoblauch, den weichen Feta drüber, ein Schnippchen Kräuter aus Griechenland.
Pfanne bis zum Servieren geschlossen halten.
Aus der Mühle leicht anpfeffern.
Gesundheit.
Es war vor zehn Jahren, kurz bevor wir mit Katzen, Gummibaum und Philodendron im Buchbinder-LKW der steiermärkischen Hauptstadt den Rücken kehrten, um uns nach Wien zu verändern.
Es gab einmal eine Bekannte, Hilde, eine einstige Kollegin der Gemahlin, die wir gelegentlich in der Südsteiermark trafen, um in einer der zahlreichen Buschenschenken ein Gläschen Wein und einen regionalen Imbiß zu uns zu nehmen.
Leutseliger Stimmung ergab sich eine Idee, zum Schulschluß eine Veranstaltung in ihrer südsteirischen Heimatgemeinde zu organisieren.
Ich sagte meine Unterstützung zu, was ich später nicht mehr zurücknehmen konnte, um nicht als Flasche dazustehen.
Der Ostbahn-Kurti war damals in jener Gegend sehr populär, denn die ist von dessen Großelternhaus im südlichen Vielvölkereck Österreichs nicht weit entfernt.
Die Künstler Willi Resetarits und Günter Brödl boten über eine Konzertagentur eine Dichterlesung mit Bandbegleitung an.
Dem Bürgermeister der kleinen Gemeinde kämen wir gerade recht, sagte der, und wir unterschrieben planend der Veranstaltung „Kopfschuß“ den Subtitel „Bunter Abend“, weil das launiger klang als „Dichterlesung“.
Wie ich auf einem anderen Blatt kurz anriß, blieb uns die Arbeit des Plakatierens, was mit Ärger verbunden war, weil eine unterstützende Agentin die Ankündigung klein und schäbig auf die Plakate setzte, was nicht abzusehen gewesen war, und dem Bürgermeister Anlaß gab, mich persönlich ordentlich herunterputzen zu wollen.
Der guten Hetz’ halber, und weil wir gerade meine Großmutter am Rande des Schwarzwaldes besuchten, affichierten wir ein, zwei Exemplare des in knalligem Orange gehalten Plakats auch auf einer Plakatwand im nahen Strasbourg, und auf einer Litfaßsäule am Münchener Viktualienmarkt.
Ich stellte Fotos davon auf meine Experimentierseite ins Internet, das man aus heutiger Sicht, was Verbindung und Geschwindigkeit betraf, als „Web 1.0″ oder „das alte Internet“ bezeichnen konnte.
Dort hatte ich auch ein bewegtes Digitalfoto platziert, auf dem ich mich in meine Oma, des Vaters Mutter verwandelte.
Die Veranstaltung wurde trotzdem ein Erfolg, und das Auditorium des Veranstaltungssaals war ausgebucht.
Vor der Veranstaltung standen wir auf der sonnenbeschienenen Terrasse, plauderten mit den Künstlern, tranken Bier, und philosophierten ein wenig über die geologische Beschaffenheit der Südsteiermark, angesichts der hinter den Weinhängen beinah zum Greifen nahen Vulkankegel des Stradener und des Bad Gleichenberger Kogels.
Später saßen Karin und ich in der Ehrenloge zur Seite des Herrn Bürgermeisters.
Der bunte Abend war unterhaltsam, die Musik stimmig – die Combo jammte perfekt.
Das Publikum schätzte auch das Amusement der nach Art einer Doppelconference abgehaltenen Lesung, und applaudierte gern.
Daß in Günter Brödls satirischem Kriminalroman mehrmals Cannabis konsumiert wurde, freute den Bürgermeister gar nicht.
Sobald es ums Kiffen und um Marihuanapflanzen ging, begann er zu poltern und wetzte in der Trachtledernen im Sitz.
Zum Ende der Veranstaltung raunte er uns scharf zu, daß er bereits drauf und dran gewesen wäre, aufzustehen, das große Licht anzuschalten, der Verstärkeranlage den Strom abzudrehen, und die Veranstaltung zu schließen.
Daß er sich unter einer Dichterlesung anderes als eine Marihuanarauchermarketingveranstaltung vorgestellt hätte, ließ er uns wissen, und pochte auf Bodenständiges, Zünftiges - steirische Dichter, wie Peter Rosegger, Paula Grogger oder Hans Kloepfer.
Die Köchin beim nahen Hirschjagerwirt wäre jedenfalls pünktlich nachhause gegangen, bedauerte er anläßlich seines Unmutes, während er den Künstlern die Hand hinlängte, und seinen grün’ Hut mit Gamspinsel und Bergseil am Kopf zurechtdrückte.
Deshalb könnte er sein Versprechen eines gemeinsam zu genießenden großen Spezialitätenabendmahls diesmal leider nicht einlösen, bedauerte er.
Aber vielleicht würden wir uns beim nächsten Mal, mit einem leutetauglicheren Programm, alle einmal wiedersehen, quittierte der Herr Bürgermeister als hoffnungsvolle Option.
Wir verblieben um einen netten bunten Abend und um eine Konzertveranstaltungserfahrung bereichert.
Der Autor Günter Brödl verstarb im Oktober des folgenden Jahres im Alter von nur 45 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts.
Meine Großmutter, väterliherseits, starb im Frühjahr darauf in einem Pensionistenheim am Rande des Schwarzwalds an Herzversagen.
Hetze (übertr.): Spaß, Gaudi
Die moderne Antidepressiva-Lüge.
Manche Leute, angeblich vom Fach, weisen immer wieder darauf hin, daß moderne Antidepressiva nicht abhängig machen.
Sie meinen damit Selektive-Serotonin-Reuptake-Hemmer.
Die gängigen Marktleader sind hierzulande Escitalopram (Cipralex) und Venlafaxin (Effectin).
Es stimmt, dass diese Medikamente nicht süchtig machen, weil eine Dosissteigerung nicht zu einer Wirkungsverstärkung führt, welche als rauschhaft empfunden werden könnte.
Wer sie über längere Zeit einnimmt, wird trotzdem davon abhängig.
Vielleicht wird Venlafaxin eher an Frauen, und Cipralex eher Männern verschrieben.
Möglicherweise sollte die Formgebung der Effectin-Pillen einen Benzolring andeuten, und die Färbung eine rosa Brille, oder es will dieses Produkt den rosaroten Zeichentrick-Panther visualisieren.
Paradoxerweise wirkt Venlafaxin auch dopaminerg, dämpft jedoch die Libido und macht Männer impotent.
Darüber hinaus hat diese Substanz aus der Gruppe der Phenethylamine, den Drogen Meskalin und MDMA verwandte Substanzen, unangenehme Nebenwirkungen auf das Gleichgewichtsorgan – es kann passieren, daß man beim Busfahren seekrank wird.
Es könnte vorgekommen sein, daß Effectin von Verkausförderungsagenturen anhängigen Sozialarbeiter-Therapeuten an Jugendliche als Ecstasy verfüttert und abgerechnet wurde.
Ich würde dieses Medikament eher als bedenklich einstufen.
Mit beiden Substanzen wird an Menschen weltweit millionenfach experimentiert, und Ärzte und Apotheker können sich darauf berufen, was die Forschungsinstitute der Pharmaindustrie über diese Medikamente bislang zu berichten wußten.
Auch Cipralex wirkt erst, wenn man sich daran gewöhnt hat.
Das Absetzen ist so unangenehm, daß man nach dem ersten Versuch vor weiteren zurückschreckt, bzw. bleibt die Wahrnehmung der Beschwerden so schmerzhaft, daß man wieder zur regelmäßigen Einnahme zurückkehrt.
Kombiniert mit einem leichten Bezodiazepin wirkt Cipralex relativ gut gegen verschiedene Depressionen.
An diesem Punkt hält einem der Spezialist schnell den großen Finger vors Gesicht und sagt, bräsig: „Benzodiazepine darfst du nicht nehmen – davon wirst du abhängig!“
Man könnte entgegenhalten: „Ich weiß auch nicht, welche Schäden das Pram meinem Stoffwechsel schon zugefügt hat.“
Ich weiß weder, ob ich nicht Parkinson bekommen werde, oder Alzheimer, oder Krebs - und ob manche Antidepressiva nicht dazu dienen, den Ausbruch von Alterserkrankungen zu beschleunigen.
Unsere Politiker und NeurologInnen nehmen heute gern – Olmifon.
Sie sagen, na ja, vielleicht ab und zu - aber nur, weil wir hart und viel arbeiten müssen – schließlich wären das keine getarnten Schlaftabletten.
Außerdem hätte Modafinil nicht so starke Nebenwirkungen, wie zum Beispiel … Ritalin.
Bis vor etwa 30 Jahren, vor dem weltweiten Erfolg der Droge Prozac (Fluctine), glaubte man lange Zeit, daß Depressionen mit der Lithiumkonzentration im Blut zusammenhängen – einem giftigen Metall, das im menschlichen Organismus nur in Spuren vorkommt.
Später stellte sich heraus, daß Lithium an den Synapsen die Freisetzung und Wiederaufnahme der als Reaktion auf bestimmte Sinneswahrnehmungen freigesetzten Transmittersubstanzen beeinflußte.
Ein richtungsweisender Ansatz für die Entwicklung moderner Antidepressiva.
Umgehend wurde als Hymne auf das erste Produkt einer fortgesetzten Serie ein Buch zugunsten des Patentinhabers (Lilly) präsentiert: Listening to Prozac, von Dr. Peter Kramer, einem Psychiater.
Heute wird Prozac nur mehr von Menschen konsumiert, welche besonders die Verzögerung der Wiederaufnahme des Nebennierenhormons und Neurotansmitters Noradrenalin, eines Phenylalkylamins, zu schätzen wissen.
Und von allen, die ausgerechnet mit Prozac abhängig geworden sind.
Was könnten wir daraus lernen?
(… fragte uns heute: Nurmi Pulverlfreak.)
„Hören Sie zu, Euer Ehren.
Dieser Streber wollte mich in einer Weise für dämlich verkaufen, die einer persönlichen Beleidigung entspricht, einem Angriff.
Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Personalcomputern, und obwohl ich kein Programmierer bin, habe ich doch eine Ahnung davon, wie diese Dinger funktionieren.
Sehen sie meinen Kopf?
Ich trage ihn seit 50 Jahren an dieser Stelle.
Ich sehe mir die Leute genau an, die mir hier etwas einpflanzen wollen.
Mein Vertrauen kann niemals so groß sein, daß ich sage, hier haben sie meine Schlüssel, fühlen sie sich wie zuhause, braten Sie sich ein Spiegelei, legen Sie bitte ihre Füße auf meinen Tisch.
Darum geht es doch: Daß Menschen Respekt einfordern, die selbst keinen Respekt vor anderen Menschen haben.
Statt seriös zu arbeiten, handlangern sie für Behörden, feiern Feste mit Männern, die sich als Frauen verkleiden, und übernächtigen in ihrer dampfenden Praxis.
Dieser Heini führt nicht einmal ein Kniereflextest durch, und doch steht auf seinem Türschild in großen Lettern: NEUROLOGIE.
Ein Mensch leidet Schmerzen, und diese Hilfspolizisten übersetzen: „Hier will einer eine Verschreibung für Gute-Laune-Pillen abstauben.“
Leider nein, Euer Ehren!
Mein Vater hatte einen Halbbruder, jemand, der auch auf skeptische Leute zunächst einen friedlichen, umgänglichen und tüchtigen Eindruck machte.
Eines frühen Morgens spannte er sich selber vor einen Anhänger und erntete bis zur Siesta drei Fußballfelder Wassermelonen ab.
Bei genauerer Beobachtung stellte sich aber heraus, daß es sich um aufbrausenden, unduldsamen, peitschenschwingenden Charakter handelte, der Menschen Angst einzuflößen wußte, und eine solche Arbeit nicht länger ausführte, als bis er jemanden gefunden hatte, der sie ihm gerne wieder abnahm.
Dieser Mann wäre nicht öfter als ein einziges Mal mit dem Moped zur Arbeit gefahren.
Niemals hätte ich gedacht, daß der durchtrainierte Kerl, dem mein hopfensaftgeschäumter Vater nicht an die Schulter reichte, ein Verwandter sein könnte.
Er hatte über einen drahtig muskelüberspannten Rücken eine beflügelte, inverte Europa-Flagge eintätowiert, darauf stand, in fetten Lettern, wie mit dem Laser gedruckt:
HELLS ANGELS
SANTA FU
Sagen Sie das dieser Tante, die vor vor ihrem Plexiglasschreibtisch schaukelt, bevor sie wildfremden Leuten Rüschen anhäkelt.
Ich will damit nur sagen, es gibt auch Menschen, die sich eine solche Behandlung niemals gefallen lassen würden.
Die lassen sich von der Syringe, die sie scheinheilig hinter ihren Pobacken verborgen halten, nicht aufhalten.“
Emotional engineering: Schreiber gegen Inquisition.
Es ist bemerkenswert, wie sich ein Gegenspieler bemüht, auf Websites, die ich bekanntlich besuche, Strichelbildchen und Fotomanipulationen vorzulegen, um meine Gedanken in bestimmte Richtungen zu lenken.
Es sollte auf diese Weise meine Erzählarbeit manipuliert werden, bzw. könnte die psychologische Regie dahinter später behaupten, ich wäre befragt worden.
Vielleicht brodelt längst ein Plan, die Gedanken des anderen zu einer aufsehenerregenden Diplomarbeit verbräten zu können, während man sie zur allgemeinen Verbuffung noch heftig mit Rotstift bemäkelt, bis endlich der Urheber mit Haloperidol fragmentiert ins forensisch-psychiatrische Schutzbett verlegt - zu dessen ausklingender Lebzeit schon sein Vermächtnis beschneidet, mit vergleichenden pathologischen Abbildungen versieht und zur eigenen Meisterarbeit wandelt, in Bälde schon - zum Beleg von Theorien und Prognosen, deren Umsetzung beschleunigt und verwirklicht würden, indem man des Burschen persönliche Infrastruktur sabotierte, bis zum seit jeher vorhergesagten Endlauf und Zusammenbruch.
Als ich mich ganz zu Beginn der achtziger Jahre vorigen Jahrhunderts in Untersuchungshaft am Straflandesgericht befand, wollte man Graz von Drogensüchtigen und Glücksrittern säubern, die es infolge der Plünderung der Anstaltsapotheke des Landeskrankenhauses aus halb Europa angezogen hatte.
Es gab hysterische Gerüchte, wonach Geldbeschaffer der RAF Drahtzieher jenes Verbrechens gewesen sein sollten.
Eine katholisch grünbemäntelte Neidgesellschaft wollte lieber den Verein Club Toleranz, einen legendären Discokellerclub, zum Heimstall des Sündenbocks machen, und am ruhmreichsten für den Gesetzgeber wäre es wahrscheinlich gewesen, zu beiden Seiten Handschellen anlegen zu können.
Damals arbeiteten Polizei und Gendarmerie gegeneinander, und Informanten anderer Ministerien wurden dazwischengeschleust, die rivalisierenden Aufklärer zu kontrollieren, um selber näher an einen Beuteschatz zu gelangen, der noch einiges an Prozentanteilen abzuwerfen versprach.
Es herrschte ein großes Verwirrspiel, ging es doch um beträchtliche Mengen von Suchtgiften, Dopingsubstanzen und konfiszierte Drogen, welche ebenfalls im Tresorraum des Grazer Landeskrankenhauses eingelagert gewesen sein könnten.
Es wurde versucht, über sehr junge Leute an Informationen zu gelangen, denn die gevivteren Profiteure hatten sich und ihre Okkasionswaren schnell in sicheren Abstand gebracht.
Die allzu gierigen Verbliebenen schieden schnell aus, für immer – während eine Schulklasse voll gnadenlos abgezockter Jugendlicher nahe dem Grazer Messegelände im Schwitzbad saß, als Untersuchungshäftlinge in kratzigen Anstaltspullovern ihre kleinen Kriminalkarrieren abzubüßen.
Herr Fasching von der Drogenberatungsstelle erschien zuerst, worüber ich schon berichtete.
Mein alter Freund Heribert wollte mich einmal besuchen, aber der Praktikant zu Gericht Eberhard, mit dem ich wenige Jahre vorher noch die Schulbank gedrückt hatte, verwehrte ihm heftig aufgeblasen den Kontakt.
Eberhard war es, der meine Korrespondenz mit List und Lupe nach geheimen Botschaften und verräterischen Chiffren absuchte.
Es war vorstellbar, daß er im Untersuchungsrichter verfehlte Hoffnungen nährte, die meine Entlassung nach ein paar Monaten Untersuchungshaft noch lange schmerzhaft hinauszögerte.
Ich könnte nicht vollständig ausschließen, daß mein Dasein im gesetzfreien Hausarrest auch zum heutigen Tage Eberhard, dem ehrgeizigen Ritter zu drei Rädern in der Kautschukrüstung, anzurechnen wäre.
Ein beachtlicher Stapel Manuskripte aus jener Zeit blieb jedenfalls verschollen.
Zur Auffrischung:
1979 war Dr. Bruno Kreisky österreichischer Bundeskanzler, Staatspräsident war Rudolf Kirchschläger. Willy Brandt war Kanzler der Bundesrepublik Deutschland.
1979 war Jimmy Carter Präsident der USA, in Großbritannien wurde Margaret Thatcher Premierminister; Präsident der Sowjetunion war Michail Gorbatschow, französischer Präsident Valéry Giscard d’Estaing.
Wiener Bürgermeister war Leopold Gratz (SPÖ), in Graz herrschte ein Jahrzehnt lang Dr. Alexander Götz von der FPÖ.
Steirische Landeshauptleute waren Friedrich Niederl, 1980 gefolgt von Josef Krainer jun., der niederösterreichische Amtskollege hieß Andreas Maurer (ÖVP).
Als Justizminister folgte … 1983 Harald Ofner (FPÖ) Christian Broda von der SPÖ, Innenminister war Erwin Lanc, SPÖ.
Am 1. Mai 1981 wurde der Wiener Kulturstadtrat Heinz Nittel von einem Terroristen der palästinensischen Gruppe Abu Nidal ermordet.
Am 6. Oktober 1981 wurde in Kairo der ägyptische Staatspräsident Anwaar-el-Sadat von Mitgliedern seiner Leibgarde ermordet.
Am 9. Oktober 1981 beging der ehemalige österreichische Verteidigungsminister Karl Lütgendorf unter ungeklärten Umständen Selbstmord.
Macht und Ohnmacht in der Therapeutischen Gesellschaft.
Menschliches Verhalten ist sozial antrainiert, Persönlichkeitschwächen resultieren aus programmierten Sequenzen, die schon in der Kindheit eingepaukt wurden.
Solche sozialpsychologischen Erkenntnisse machen sich Herrenmenschen der Therapeutischen Gesellschaft zunutze, wenn es darum geht, disziplinierende Maßnahmen über andere zu verhängen.
Abzuleiten wäre, daß Suchtkrankheiten bei anderer Betrachtung nicht durch Substanzen ausgelöst wurden, sondern ihre Ursachen in einer persönlichen Bravheit oder grundsätzlichen Angst wurzeln, Personen des erteilten Vertrauens nicht mit Ablehnung und Kritik begegnen zu können bzw. in Dauerbeziehungen zur Überkompensation zu neigen.
Diese Haltung gegenüber anderen, plakativeren Persönlichkeiten führt zu einer Unterwerfungshaltung, die Suggestionen Tür und Tor öffnet und weitgehend manipulierbar macht.
Die emotional-differenziale Verzahnung von durch Verhaltensstörungen im Unrund gehaltenen menschlichen Beziehungen und jener zwischen Hypnotiseuren und ihren Bühnenprobanden fällt auf.
Im Wesentlichen besteht die Zielsetzung von Therapien, die Kommunikationsstörungen betreffen, welche die Entstehung von Suchtkrankheiten begünstigen, darin, über Frage- und Antwortspiele in jene Bereiche frühkindlichen Erlebens vorzudringen, wo traumatische Erlebnisse und/oder vorsätzliche erzieherische Irreführungen stattgefunden haben, solche Anlässe zu beleuchten, und dadurch den „Fluch zu bannen“, in bestimmten Situationen programmiert reagieren zu müssen, und die Wege eigener Entscheidungfindung freizuschalten.
Diese Schlußfolgerung führt in Zeiten politisch hochgeschraubter Ängste vermehrt dazu, daß Quacksalber und Scharlatane verschiedener Arten, allen voran solche mit medizinischer Ausbildung, sich das Recht herausnehmen, aus der psychosozialen Armut einer Gesellschaft Kapital zu schlagen und durch die arrogante wie stereotype Verordnung von Psychotherapie ihre Armutsklientel innerhalb des eigenen Freundeskreises verteilen, um über abgesprochene Verrechnungscamouflagen Krankenkassen, Magistratsabteilungen und Landesregierungen zu schädigen.
In Wirklichkeit werden die hundert, nach Gefälligkeitskriterien ausgewählten Jugendlichen, die laut Aufzeichnungen einer Drogenberatungsstelle eines österreichischen Bundeslandes innerhalb eines bestimmten Zeitraumes erfolgreich an Therapieeinrichtungen vermittelt werden konnten, kostenaufwändigen Forschungs- und Pflegestationen zur Verfügung gestellt, wo Einzelpersonen die Möglichkeit bekommen, mit diesen Jugendlichen Experimente nach Gutdünken und Laune anzustellen, mit der einzigen Auflage, über ihre Beobachtungen und Schlußfolgerungen standardisierbare Aufzeichnungen zu führen.
In Eskalationsfällen steht die Frage der Glaubwürdigkeit von vorneherein fest – was immer sich im abgelegenen Zimmer des EinzeltherapeutIn ereignet haben mag.
Es bleibt der Führung solcher Einrichtungen überlassen, welche Schulen oder Philosophien zur Anwendung geraten, die Kompatibilät zu den Erkenntnissen moderner Wissenschaften wird ohnehin nur an der Strenge der Hausordnung und der Einhaltung von Hygienestandards gemessen.
Wer glaubt, daß seine Kinder bei dem international dekorierten Spezialisten Univ. Prof. Dr. Dr. Hubertus Helnfried Meisenhaupt-Zitten bestens aufgehoben wären, weiß in der Regel nicht, welche Sozialarbeiter, Therapeuten und PsychologiestudentInnen in Wirklichkeit mit ihrem Nachwuchs arbeiten, und es gibt keine Garantie, daß die als Kranke und Behinderte ausgewiesenen Jugendlichen hinter sieben Hügeln und Mauern ärztlichen Schweigens nicht wie in Freiheit weiterhin hinters Licht geführt, irregeleitet und mißbraucht werden.
Die Erfolgsrate solcher klinischen Langzeitaufhalte liegt auf beachtlich niedrigem Niveau, die als persönliche Rückfälle verbuchten Ausstiegsraten sind umso höher, und die traurige Erkenntnis für die hintergebliebenen Staatsbürger ist jene, daß es aus den Kreisläufen des Verderbens halt’ nie ein rechtes Entkommen gibt.
Profiteure sind Bedienstete mit Erziehungsauftrag, die Neigungen und Sadismen unterschiedlicher Prägung und Intensität an jungen Menschen ausleben dürfen, die zwar laut Papieren erwachsen sein mögen, deren Persönlichkeit dagegen in überdimensionalen Kinderschuhen stecken kann.
Solche Menschen sind mit spielerischen Mitteln kaum weniger leicht zu vereinnahmen wie Kinder im Wachstum, und somit beliebtes Ziel für Leute aus Berufsgruppen, deren Privatleben von dicken Plueschgardinen verhangen wird und deren aufgeblasen dominante Persönlichkeit samt Reputation normale Verhältnisse, auf Augenhöhe zu Menschen gar anderen Standes, niemals zulässt.
Daß Informationen aus Verhaltensbeobachtungen, auch in körpernahen Situationen, sowie in Einzelsitzungen preisgegebene Aussagen (Traumbeschreibungen) an Behörden weitergegeben wurden, und viel später als „staatspolizeiliches Schnüffelarchiv“ zur fortgesetzten Verstörung ehemaliger KlientInnen verwendet werden könnten, war niemals vereinbart gewesen.
Mir war aufgefallen, daß akademisch oder nicht akademisch ausgewiesene Privilegierte es mit der eigenen polytoxischen Abstinenz nicht immer genau nahmen und die Möglichkeit, sich in der Hängematte der Macht zu schauklen, hoch über ihrer zwischen Übermut und Verzweiflung kopulierenden, masturbierenden, bodenschrubbenden Klientel, und ihr angeblich rechtschaffen erkämpftes Dasein im hedonistischen Wunderland in dicken Wolken in die Luft zu blasen.
Wenn ich mehr als zwanzig Jahre später, von einem über zwanzig Jahre jüngeren Spezialisten mit dem großen Finger vor die Tür gewiesen und in eine von der Drogenkoordination in Szene gesetzte und von der Drogenfahndung des Innenministeriums überwachte Rasterfallenstellung geschleust werde, in der eine falsche Reaktion zu sofortiger Erpressbarkeit führen würde, fühle ich mich nicht nur persönlich angegriffen – der öffentliche Aufwand, einen einzelnen, dem eigenen Bildungssystem entkrochenen Menschen übers Knie brechen zu wollen, sollte zu allgemeiner Nachdenklichkeit Anlaß geben.
Wie geht es Ihrem Riecher?
Drei Wochen ohne Sonneneinwirkung und die eigene Nase sieht aus wie die eines Fremden mit extrem hohen Leberwerten.
Anstelle des gewohnten, achtenswerten Riechorgans entwickelt sich ein knolliges Rhinophym mit tiefen Furchen.
Schmutzige Talge – wie in den Tiefen eines Speiseschranks gealterte Margerine - verpfropfen von innen die Poren, härten an der Kälte aus und bilden schwarze Krater.
Dazwischen wuchern, im Rasierspiegel deutlich zu erkennen, von mikroskopisch kleinen Lebewesen verursachte Abszesse und Furunkel.
Zudem wachsen in den Naseninnenräumen dicke, mißgebildete Haare und Borsten heran.
In dichten Büscheln ragen sie, wie verkokeltes Gesträuch, aus den Nasenhöhlen, bis man sie zu einem klassischen Schnauzbart verzwirbeln könnte, befänden sich darunter nicht vereinzelt Albinos mit der Standfestigkeit von Fischgräten.
Zu allem Überdruß findet sich im oberen Bereich der Nasenscheidewand rechts ein unbekanntes Objekt.
Den Verdacht, daß es sich nicht um einen einfachen Popel (Popolus simplex) handeln kann, legen Nagel-Schürfproben mittels unterschiedlicher Finger immer näher.
Jetzt gilt schleunig zu ermitteln, ob ein Fall eines harmlosen Polypen oder ein gefährliches Blutschwammerl vorliegt.
Nasenkrebs kann tödlich sein.
Besuchen Sie ihren Hals-Nasen-Ohren-Arzt.
Gesundheit.
(Die vorliegende kritische Selbstbetrachtung unterstützt mein Casting beim deutschsprachigen Satiremagazin Rappelkopf. Halten Sie mir, gefälligst, die Daumen.)
„Pimmel auf den Tisch.“
Wenn es um Schutzgelderpressung geht, sind unsere Behörden und die politisch Verantwortlichen gerne schwer von Begriff.
Immerhin sitzen die Erpresser im Nationalrat und berufen sich auf im Durchschnitt unterstellbare Schulden, auch wenn gar keine vorliegen.
Man bietet den Geldaufstellern für die erste interurbane Magnetschwebebahn Europas, Teilstrecke mittleres Murtal, die Möglichkeit, im ORF aufzutreten und die Ratsche zu schwingen.
Erneut wurden wir diskret über die Möglichkeit eines Verkehrsunfalls in Kenntnis gesetzt.
Besser, sie hängen als Schutzengerl am Rückspiegel und fahren mit, Frau Minister.
Vielleicht sollten Sie sich einmal mit dem angerissenen Thema auseinandersetzen, bevor die Amtskollegin österreichische Staatsbürger zu Dummies dämlicher sicherheitspolitischer Vorkehrungsmaßnahmen macht.
Henko und Schenko.
G’witztheiten der alten Landsknecht’.
Heute:
„Gib’ einem falschem Hundling eine letzte Chance und er bringt morgen sein’ Zwillingsbruder mit.“
… und in Graz gibt’s Original Schloßbergkugeln. Die sind auch sehr gut.
In der Multiple-Choice-Hölle.
An einem jener Abende stieg ich in die aufgeheizte Atmsophäre einer Peepshow, in Begleitung eines Bekannten, dem Stippvisiten ins Rotlicht nicht fremd waren.
Wir waren beide gut angeheitert.
Wir hauten enthemmt Geld auf den Kopf, feierten feixend Frustrationen für Arbeiter und Angestellten ab.
Eine der Tänzerinnen, die auf der Brust eine Nummer trug, kam mir in magischer Weise bekannt vor, und schien mir zudem zuzublinzeln.
Ich bestellte sie in eine Kontaktkabine, wozu mir mein Kollege geraten hatte.
Ihre Lippen und Nägel schienen im UV-Licht zu glühen.
Sie bot mir eine charmante Fußmassage an.
Der Vorschlag erschien mir so amikal harmlos wie professionell, daß ich keinerlei Argwohn schöpfte.
Nach einer kurzen Denkpause erschien er mir sogar äußerst anregend, und ich willigte beflügelt ein.
Das geschäftige Fräulein streifte zierliche Stilettosandalen ab, nahm federnd Sitz, stellte elegant die Beine zurecht und deutete mit flinker Hand, bei der nachfolgenden kleinen Übung selber Spaß zu haben.
Eine wenig anspruchsvolle Discohousemusik hämmerte, dafür sehr laut, die Beleuchtung hatte etwas Neonpsychedelisches.
Aus einer Düse am Plafond wurden mehrere Stöße eines süßlich-fruchtigen Deodorants freigesetzt.
Ich hatte mich für einen umfassenden Kurs als EDV-Administrator beworben und mußte zu einer Aufnahmeprüfung erscheinen, die viele Stunden in Anspruch nahm.
Die Leiterin des Schulungszentrum erschien mit einer Assistentin.
Sie begann sich in häßlicher Weise über meine Präsenz zu mokieren, vor gut 50 Anwesenden.
Sie sagte laut, ich wäre bloß zu faul, um als Hubstaplerfahrer zu arbeiten.
Als langjähriger chronischer Cannabisraucher wäre ich für ihre anspruchsvolle Ausbildung zu verblödet, ließ sich vernehmen.
Während ich an der ersten von -zig Serien von Fragebögen arbeitete, stellte sie sich hinter mich und stierte mir wie einst die Mutter bei den Hausübungen über die Schulter.
Schließlich riß sie ein paar Blätter an sich, stöckelte mit furiosem Hüftschwung vor ans Pult und stellte wild stiftstreichend Hochrechnungen an, wobei sie meinen Intelligenzquotienten laut auf maximal 85 einstufte.
Jeder im Saal konnte es hören.
Leute drehten sich herum und tuschelten.
Eine hübsche Person vor mir warf ihr Haar zurück und stemmte sich mit den Füßen vom Fach ihres Pults nach hinten ab, um ein wenig im Stuhl zu wippen.
Ich spürte, wie es um meine Nieren krampfte und mußte aufstehen, dringend aus dem Saal, und Wasser ablassen, sonst hätte ich die zähen, zehrenden Testserien nicht länger durchstehen können.
Ich nahm mir fest vor, justament und bei aller Pein die Flucht nicht zu ergreifen.
Während einer halbstündigen Pause stand ich verdattert im Lichthof, mit einem Becher Automatenkaffee, und rauchte hilflos eine Zigarette.
Kein Mensch dort erschien mir bekannt, nur die giftig zähnebleckende Kursleiterin, die ich einem Kundendienst der Fahrzeugindustrie zuordnete, eine Person, die einmal nackig in einem Fernsehquiz aufgetreten war.
Niemand sprach ein Wort mit mir.
Später setzte die Kursleiterin ihr gehässiges Gezische fort.
Ich hätte mich seit der Pubertät nicht mehr persönlich weiterentwickelt und würde während des Unterrichts aufstehen, um masturbieren zu gehen.
Ich würde mich in Idiotenmanier im Bett wälzen und feuchtgeleckte Playboymagazine abküssen, schlaflos stöhnend von den lackierten Zehennägeln eines heissen Schwarms aus der fernen Schulbank lobhudeln, und mich in geklaute Höschen schneuzen.
Dazu nannte sie Namen – so laut, daß sie genausogut auch auf die Tafel hätte schreiben können.
Und die Faustformel, welche die Wörter Haschisch und Minderwertigkeitskomplexe enthielt, war deutlich zu vernehmen.
Am Ende der Testserie fühlte ich mich grausam mißhandelt, war aber davon überzeugt, daß die Testergebnisse im erforderlichen Durchschnitt liegen mußten.
Nach ein paar Tagen erhielt ich vom Arbeitsmarktservice einen Bescheid mit Ablehnung - mangels geistiger Eignung.
Meinem Einspruch bei der Leitung des Landesarbeitsamts wurde stattgegeben.
Ein erstes Rockkonzert.
Ein Schulkollege, Edouin, interessierte sich auch für Rockmusik.
Er war ein sehr guter Schüler, doch hinderte ihn beträchtliches Übergewicht daran, im Erfolgskampf um das Klassenprimat in der allerersten Reihe zu stehen.
Edouin stammte aus einer wohlhabenden Familie, alteingesessene Bürger, Kaufleute.
Wenn unsere Eltern eines sicher gemeinsam hatten, war es das Donauland-Abonnement, und so entsprach der Kern unserer jungen Sammlungen von Langspielplatten ungefähr den spärlichen Pop/Rock-Empfehlungsseiten im Quartalskatalog.
Es könnten auch ähnliche Anstrengungen um Befreiungen vom Turnunterricht gewesen sein, die uns eine Zeit lang Freundschaft schließen ließ.
Er gehörte zu den Leuten, für die es selbstverständlich war, daß sie andere Aufgaben abschreiben ließen, oder bei Schularbeiten Lösungen weitergaben.
Damit erntete er, locker über den Kopf gegriffen, Anerkennung und Respekt.
Unglück dräute herauf, als die großherzige, gewichtige Mutter Edouins ihm den weiteren Umgang mit mir untersagte, in der Begründung, daß Kinder, die ihre Eltern anlügen, auch ihre Freunde hintergehen würden.
Anlaß war ein Konzert des Rockbarden Wilfried gewesen, der sich mit rustikal zurechtgequetschtem Rock’n’ Roll-Gefiedel in den österreichischen Charts hatte platzieren können, aber schon wieder aus der Mode zu kommen drohte, ebenso wie die Popgruppe Turning Point.
Bei einer gemeinsamen Revival-Veranstaltung im Haus der Jugend sollten sich die beiden Acts noch einmal ins Gehör des Publikums bringen.
In Wirklichkeit handelte sich eher um ein widerwilliges Abarbeiten von Vertragsverbindlichkeiten.
Jedenfalls war Edouin zu Freikarten gekommen, von denen er mir augenzwinkernd eine abtrat.
An einem quirligen Ende des Buffets des Orpheums zauberte Edouin Bier in kleinen Plastikbechern herbei und bot mir lässig eine Zigarette der Marke Falk an.
Zu meinem Erstaunen erschien nur wenig Publikum.
Es war leicht, einen Platz in der ersten Reihe zu bekommen.
Edouin kannte die Musiker beider Bands bei Namen und wußte über deren musikalischen Stamm zu berichten, während im Zwielicht der Bühne zu Musik aus dem Radio Kisten geschleppt und Kabel ausgerollt wurden.
Der Sänger Wilfried erschien in einer lächerlichen Aufmachung, Daumen in die Riemen einer Lederhose stemmend, an einem Fuß einen Bergschuh, den anderen setze er bar auf den Souffleurkasten, bevor er seine größten Hits zum Besten gab.
Außer einem hohlwangigen Guitarrero mit einem altmodisch großen Elektroinstrument war gerade niemand aus der Band anwesend, und es herrschte backstage ein halbverhangenes Geschiebe und Geschaefte von zankenden Managertypen und langhaarigen Roadies, bis endlich eine saitenstimmende Kapelle beisammen stand, und ein paar Nummern heruntergeschrammt werden konnten.
Danach wurden wieder Verstärkeranlagen herumgeschoben, besonders die Beleuchtung wurde verändert, Mitglieder der Gruppe Turning Point erschienen, ein akademisch geprüfter, rotbärtiger Brustklampfenschläger mit zwölfsaitiger Gitarre und Cowboyschlapphut, ein blonder hagerer Basszupfer mit entferntem Blick und frostiger Mine, und dazwischen ein bleichgesichtiger, wackliger Sänger mit jugendlich getrimmtem Oberlippenbärtchen.
Er stieg auf polierten Plateausohlen in einem glitzernden Frack ins Rampenlicht, mit einem mächtigen Zylinder aus Spiegelscherben auf dem Kopf, um im wabernden Trockeneisnebel noch einmal die effektüberladene Teenagerschnulze „Life is Going On“ unter die Anwesenden zu schluchzen.
Das magere Geklatsche des immer lichter gewordenen Publikums wurde von Gepfeife überstimmt, es dürfte sich in der Tat um eine Playbackshow gehandelt haben.
Ich war bereits äußerst nervös und mußte mich schleunen, den Mitternachtsbus zu erwischen.
Der Mutter hatte ich erzählt, ich würde mit der ganzen Klasse in Begleitung von Deutsch- und Mathematikprofessoren im Grazer Opernhaus „Land des Lächelns“ besuchen.
Es stellt sich bei der nächtlichen Befragung durch die betont verstimmten Eltern heraus, daß ich weder wußte, wie der Komponist hieß, noch, daß es sich um eine Operette, und nicht um eine Oper handelte.
Vielleicht war ich seit jenem Abend dazu bestimmt, einmal in einer grausamen Welt jenseits von Gesetzen leben zu müssen, wie Mondschein und Stift, von unheimlichen Legenden umrankte, rauchende, schnapstrinkende, umherstreifende Jungen, denen ich auf nebligen Wegen zum vergeblichen Mathematik-Förderunterricht mit kaltem Schauern begegnete.
… und Freimaurer.
Wenn rechts von links nicht mehr zu unterscheiden ist, werden die Zeiten noch schlechter.
Profitieren wird voraussichtlich die Mitte, weil sie die Auseinandersetzungen zu beiden Seiten begünstigt und mitfinanziert.
Während in anderen Teilen Europas, in Frankreich wie in Deutschland, die scheinbaren Aufbruchsbewegungen einer neuen Linken ins Auge huepfen, gilt es im kleinen Ländchen Österreich für Jugendliche noch als megacool, sich für Rechts zu engagieren, bzw. gehe ich davon aus, daß Österreichs Rechte für politische Agitation mehr Mittel zur Verfügung zu stellen.
Daß der RFJ, mit einem Stiefel in Ihrem ORF-Fernseher, unter anderem die österreichische Flucht- und Trutzburg der mit finanziellen Nöten kämpfenden NPD darstellt, sollte unseren Politikern zu denken geben, wird aber außerhalb Wiens - hier in einzelnen Bezirken schwerpunktmäßig - kaum oder nicht zur Gänze entlarvend wahrgenommen.
Eines der Spannungsgebiete ist die äußere Leopoldstadt, zwischen Praterstern, Stuwerviertel, Mexikoplatz und Milleniumtower.
Der Vernebelungsaufwand ist beachtlich, wenn Prominente wie Michael Jeanné, der mysteriöse Otto Rudolf Braun oder der beurlaubte Rittmeister Autericky ihre Hälse aus dem Scherm (*) recken, und man fragt sich, ob Jugendliche und verunsicherte Geschäftsleute eigentlich wissen, für wen sie sich zu Aktionen von fragwürdiger Informationsverteilung und Hetze gegen Menschen vereinnahmen lassen.
Es gibt das alte nationalsozialistische Feindbild Juden und Freimaurer, wozu Ewald Stadler, derzeit ideologischer Berater des BZÖ, mitunter Vorträge hält, wo er aus Gründen der Einfachkeit Juden wegläßt und allein über die Freimaurer referiert – die Geschichte ihrer Verschwörungen aus der Sicht des altkatholischen Nationalsozialisten und die vielen Gefahren, die bis zum heutigen Tage von ihnen ausgingen.
Die Message des inner- oder außerhalb des Blickwinkels von Videokameras aufstrebender Sicherheitsdienstleister inszenierten Straßentheaters ist die Veranschaulichung der Möglichkeit von spontanen Lynchaktionen gegen Personen oder Personengruppen.
Leidtragende sind in erster Linie Alte und Behinderte, denen die Vorkommnisse auf öffentlichen Flächen bereits zu viel Angst einjagen, als daß sie die eigenen vier Wände noch verlassen möchten.
Aber das macht nichts, weil gegenüber der PVA entsteht ein geriatrisches Zentrum, und wer bis zur Eröffnung noch nicht die Patschen gebeutelt (*) haben wird, hat theoretisch Chancen, dort Aufnahme zu finden, wenn Kinder oder Erbschleicher die Wohnung brauchen und die richtigen Leut‘ kennen.
(*) Scherm – veraltet landläufig; z.B. Nachtscherm, stand wahrscheinlich für Scherbe(n): Gefäß, Topf, Schüssel aus Steingut, Ton, Porzellan.
Den Scherm aufhaben - Das Nachsehen haben.
Etwas in den Scherm putzen - Ein Kind abtreiben.
(**) Die Patschen beuteln – volkstümlich: ableben, sterben; bildhaft: Mit den Hauspantoffeln zappeln.